Bürger diskutieren Pläne Frankfurter Straße: „Zweite A-Seite für Bad Rothenfelde“

Von Frank Muscheid


Bad Rothenfelde. Auch wenn B-Seiten musikalisch manchmal Schätze sind: Straßenplanerisch ernteten Jörn Janssen vom Planungsbüro SHP Ingenieure und Bürgermeister Klaus Rehkämper Zustimmung, dass die Frankfurter Straße neben der Salinenstraße die „zweite A-Seite für Bad Rothenfelde“ werden soll. Genauer der Abschnitt zwischen Minikreisel und abknickender Vorfahrt auf Höhe Westfälischer Hof. Die Situation für Radfahrer soll verbessert werden und ein neuer Regenwasserkanal, diesmal in der Straße, her. Rund 100 Menschen besuchten die Bürgerversammlung im Haus des Gastes.

Zwei Entwürfe favorisieren Rat und Verwaltung, setzen dabei auf breite Öffentlichkeit. Auch wenn der Rat, so Bürgermeister Rehkämper, am Schluss die Entscheidung treffen müsse, die irgendwo zwischen den Bürger-Positionen liege. Eine der beiden Varianten sieht niedrige Rundborde, Kurzzeitparkplätze entlang der Geschäftsstraße, teilweise Asphalt und Überwege wie bisher, aber einen mit rotem Pflaster hervorgehobenen flächigen Bereich am Carpe Sol vor. In der zweiten Variante wollen die Planer auf Parkplätze an der Straße verzichten und den gesamten Straßenraum für Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger gestalterisch anspruchsvoller und ohne Höhenunterschied verschmelzen. So soll die Frankfurter, über die im Schnitt 6500 Autos am Tag rollen, überall gut überquerbar sein, rotes Pflaster oder Asphalt „Flaniercharakter“ und Signalwirkung für Autofahrer haben, einen Gang zurückzuschalten – obwohl die jetzt 5,50 Meter breite Fahrbahn auf 6 Meter verbreitert würde, damit Busse problemlos aneinander vorbeipassen. Rund 900000 Euro ohne Nettoneuverschuldung hat der Rat dafür in den Nachtragshaushalt gestellt, davon 500000 Euro Eigenmittel aus der Grundstücksvermarktung, 250000 Euro Zuschuss des Bundesumweltministeriums und Anliegerbeiträge von „vorsichtig kalkuliert“ 300000 Euro, von denen die Kurverwaltung als Hauptanlieger etwa 120000 Euro übernähme. Kein Murren im Publikum, stattdessen rege Anteilnahme.

Gerda Kroos kritisiert, dass Lkw am Kreisel häufig den Fußweg schneiden, und fordert eine sichere Lösung. Theo Schlepphege von der Verkehrswacht plädiert für „Schutzstreifen für Radfahrer“. Radwege sind für eine 30-Zone nicht vorgesehen. Barbara Günther und Friedhelm Fisse „legen Wert auf Bäume“, ein Dauerthema bei der einstigen Allee, das Rehkämper und Ratsherr Franz-Josef Albers (SPD) relativieren: Die absterbenden Bäume seien wegen der Verkehrssicherungspflicht gefällt worden, neue sinnigerweise erst nach den Tiefbauarbeiten vorgesehen, sogar am nicht betroffenen Abschnitt ortsauswärts. Die vorgesehene Regenwasserrinne sieht Ratsfrau Anna Kebschull (Grüne) als Unfallquelle für Radler und favorisiert den „gemeinsamen Verkehrsraum“. Alexandra Beck legt Wert auf Parkplätze an den Geschäften, während anderen Verkehrsberuhigung wichtig ist. Eine Bürgerin empfiehlt Schrittgeschwindigkeit. Ratsfrau Roswitha Eggert (Grüne) bevorzugt den Flaniercharakter, Karl Heinz Simnoch noch über den Bereich Carpe Sol hinaus. Eine völlige Verkehrsberuhigung hält Rehkämper für unrealistisch – viele kämen mit dem Auto aus Münster, Bielefeld oder Warendorf. Norbert Patterson gibt zu bedenken: Autofahrer parken gern mal auf dem Bürgersteig, wenn Stellplätze fehlten. Henry Widey hält Rundborde für nicht barrierefrei. Bei einer Nivellierung seien Leitstreifen für Sehbehinderte wichtig. Jetzt sind die Bürger aufgerufen, in den Themengruppen bis Februar an der Grundlage für den Fachausschuss mitzuwirken. Im zweiten Quartal 2015 sollen die Ratsmitglieder entscheiden, so Rehkämpers Wunsch.