Schurken, Hexen und Geister Halloween-Abend des Literaturforums Bad Rothenfelde

Von Petra Ropers

„Oh schaurig ist’s“ nicht nur im Moor, sondern auch in Bad Rothenfelde. Mit Geschichte und Geschichten lehrten (von links) Dirk Lange-Mensing, Christine Eichholz, Daniel Ambrosio, Tobias Krychowski und Heinz Zeckel die Besucher das Fürchten. Foto: Petra Ropers„Oh schaurig ist’s“ nicht nur im Moor, sondern auch in Bad Rothenfelde. Mit Geschichte und Geschichten lehrten (von links) Dirk Lange-Mensing, Christine Eichholz, Daniel Ambrosio, Tobias Krychowski und Heinz Zeckel die Besucher das Fürchten. Foto: Petra Ropers

Bad Rothenfelde. Spinnweben hingen in den Ecken. Windlichter flackerten unruhig vor behelfsmäßig abgeklebten Fenstern. Doch das düstere Flair des Verfalls hielt die Besucher nicht ab: Über hundert Freunde des gruseligen Literaturvergnügens drängten sich zu Halloween in der fantasievoll ausgestalteten Kapelle auf dem Gelände des Campotels.

„Oh schaurig ist’s, über’s Moor zu gehen“, wusste schon Annette von Droste-Hülshoff. Doch auch der vermeintlich beschauliche Kurort birgt finstere Geheimnisse. Das Bad Rothenfelder Literaturforum spürte ihnen unter anderem im Salinenarchiv nach und enthüllte, was der Mantel des Schweigens sonst sorgsam verbirgt. Der Reiz des Verbotenen haftete dabei den heimlichen Besuchen an, die Dirk Lange-Mensing als Kind der leer stehenden Ruine des ehemaligen Kinderheimes Phoenix abstattete.

Das schmutzige Geschirr noch auf den Tischen, die Betten frisch bezogen: Fast schien es, als hätten sich die Geister der Kurkinder in den modrig riechenden Räumen breitgemacht. Oder hatte doch nur die besondere Atmosphäre verlassener Häuser den abenteuerlustigen Jungen einen Streich gespielt? Das Rätsel alter Gemäuer beschäftigte auch Heinz Zeckel. Für den Bad Iburger Lyriker steht fest: „Spukphänomene sind häufiger, als Sie denken!“

Allerdings war es kein Spuk, sondern harte Realität, die einst die Menschen in der Umgebung der Burg Palsterkamp erzittern ließen. Dort residierte während des 30-jährigen Krieges der dänische Offizier Caspar von Oor, von der Bevölkerung wegen seiner brutalen Übergriffe nur der „Dulle von Oer“ genannt. Mit schauspielerischem Talent machte das Ensemble des Literaturforums sein Schreckensregiment lebendig. Als verzweifeltes Ehepaar bargen Christine Eichholz und Dirk Lange-Mensing dabei ihre Habseligkeiten in einer Truhe.

Doch ihr Flehen ließ den „Dullen von Oer“ alias Tobias Krychowski völlig ungerührt. Von der Axt seines gewissenlosen Schergen Daniel Ambrosio bedroht, gaben nicht nur sie zitternd ihr Versteck preis. Auch vor der Geistlichkeit zeigte der düstere Herr der Burg Palsterkamp keinen Respekt. Dessen Geschichte ist belegt. Dass sein Geist noch Jahre später auf der Burg umherging, gehört allerdings eher ins Reich der Legenden.

Auch auf Burg Scheventorf kommen die Geister der Vergangenheit nicht zur Ruhe. In eindringlichen Spielszenen erinnerten Eichholz, Lange-Mensing, Krychowski und Ambrosio an die tragische Geschichte der Anna von Hake, deren unstandesgemäße Liebe ihr den gewaltsamen Tod brachte. Ohnehin ist die Realität oft weit grausamer als die schaurigste Legende. Das zeigte sich auch an dem – historisch bis ins Detail dokumentierten – Hexenprozess gegen die Osnabrücker Apothekerin Anna Ameldung, die das Literaturforum in Erinnerung rief.

Sagenhafte Kurzmeldungen ergänzten den Reigen aus Geschichte, Geschichten und Legenden, der in der Moderation von Heinz Zeckel und fotografisch untermalt von Manfred Nieweler zwei Stunden lang die Besucher in Atem hielt.

Der Dank der Veranstalter galt dem Campotel unter der Leitung von Johan Bosch, der bereitwillig die alte Kapelle zur Verfügung stellte.