Märchenhafter Teutoburger Wald Neuauflage eines 107 Jahre alten Buches in Bad Rothenfelde

Von Rolf Habben

Die liebevoll überarbeitete Neuauflage der „Teutoburger-Wald-Märchen“ stellten (von links) Yvonne Jaap, Dirk Lange-Mensing, Matthias Beckwermert sowie Karl-Heinz Krützkamp in Bad Rothenfelde vor. Foto: Rolf HabbenDie liebevoll überarbeitete Neuauflage der „Teutoburger-Wald-Märchen“ stellten (von links) Yvonne Jaap, Dirk Lange-Mensing, Matthias Beckwermert sowie Karl-Heinz Krützkamp in Bad Rothenfelde vor. Foto: Rolf Habben

Bad Rothenfelde. Pünktlich zur beginnenden Jahreszeit mit eher dunklen Tagen und mehr Mußestunden, aber auch ebenso passend zur anstehenden Advents- und Weihnachtszeit ist nach 107 Jahren jetzt als hochwertige Neuauflage ein Buch scheinbar längst vergessener Märchen erschienen.

Im Buchhandel Beckwermert in Bad Rothenfelde stellten Inhaber Matthais Beckwermert, Dirk Lange-Mensing vom Salinenarchiv, Karl-Heinz Krützkamp von der gleichnamigen Glandorfer Druckerei und Yvonne Jaap als Texterfasserin die „Teutoburger-Wald-Märchen“ von Maria-Magdalene Klostermann vor. Die Autorin hatte das Buch als „Ersten Band“ bereits 1907 im Selbstverlag, vermutlich als Schulbuch, herausgegeben. Einen Folgeband habe es leider nicht gegeben, wie Lange-Mensing anlässlich der Buchvorstellung bedauert.

Bizarre Gesteinsformationen, mystische Wälder und Flusstäler, Höhlen und Schluchten haben zu allen Zeiten die Menschen begeistert und die Fantasie der Menschen beflügelt. Der Teutoburger Wald ist schon deshalb die ideale Kulisse für fantastische Erzählungen von Waldgeistern, Feen, Hexen und Elfen, die einst die Gegend um den Kleinen Berg bevölkert haben sollen. Dass der Teuto mit seiner uralten Geschichte nicht nur als ein geografischer Höhenzug zu begreifen ist, lässt die Autorin in spannenden Erzählungen mit wundersamen Begebenheiten episodenhaft fesselnd aufleben. So wurde der Teutoburger Wald zum Märchenwald, in dem sich Wassernixen in Dienstmägde, Prinzen in Bären und Seerosen in Flöten verwandeln. Ganz offensichtlich hat sie sich in ihren zehn fantastischen Geschichten von ihrer „märchenhaften“ Umgebung inspirieren lassen und in ihren Erzählungen manches Geheimnis gelüftet. So erfährt der Leser, dass die Dornenbündel der Gradierwerke einst zur Strafe für die Hartherzigkeit eines jungen Burschen dienten oder dass das Solebad seinen salzigen Reichtum dem Mut eines armen Holzhackersohnes verdankt. Am Ende ihrer Märchenerzählungen werde das Gute belohnt, und durch Bestrafung des vermeintlich Bösen gebe es immer auch ein Happy End, betont Lange-Mensing. Die Märchen Klostermanns seien fantastische Erzählungen, die sich nicht ausschließlich an Kinder richteten, ergänzt Verleger Beckwermert. Die zeitgenössischen Illustrationen dazu schuf der damals bekannte Jugendstilkünstler Hellmut Eichrodt, der schon die Erzählungen Karl Mays und Grimms Märchen bebildert hatte.

„Wir haben versucht, die Neuauflage weitgehend dem Original anzupassen“, erläutert Beckwermert. Im hochwertigen weinroten Leineneinband mit zusätzlichem Schutzumschlag wurde die Erstausgabe von der Glandorfer Druckerei Krützkamp vollständig überarbeitet. Mit neuer Technik habe man im Druck die alte aufgearbeitet, erläutert Krützkamp. Der in Jugendstil-Ornamenten gehaltene Vor- und Nachsatz wurde ebenso überarbeitet wie die schmückenden Initialen am Beginn eines jeden Märchens. Ein ideales Geschenk für den Gabentisch.