Liebesdienst fürs Carpesol Rothenfelder Ausschuss sagt Ja zu 160000 Euro-Zuschuss für Carpesol

Von Stefanie Adomeit

Seit knapp 15 Monaten ist das Carpesol geöffnet. Nun sollen einige Ausstattungsdetails verändert werden.Foto: Achim KöppSeit knapp 15 Monaten ist das Carpesol geöffnet. Nun sollen einige Ausstattungsdetails verändert werden.Foto: Achim Köpp

Bad Rothenfelde. Ohne Erläuterungen hat der Finanzausschuss im Nachtragshaushalt einen Posten gebilligt, der aus dem Rahmen fällt: Für „bauliche Verbesserungen, vorrangig für eine behindertengerechtere Ausstattung“ des Carpesol, will die Gemeinde 160000 Euro einplanen. Ungewöhnlich ist die Investition deshalb, weil für den Bau und die Ausstattung der Wellnesstherme mit dem privaten Partner, der Carpesol GmbH, ein Festpreis vereinbart war. Auf diesen wird jetzt zum zweiten Mal draufgesattelt.

Anfang dieses Jahres hatte der Rat eine Darlehensaufnahme von 700000 Euro bejaht , damit die Pächter alle Handwerker bezahlen konnten. Nun also 160000 Euro, die die Gemeinde in den Bau und seine Ausstattung fließen lassen will.

Der Leiter der Finanzabteilung im Rathaus, Torsten Richter, ging am Mittwoch auf Nachfrage ins Detail. Im Zentrum der behindertengerechteren Ausstattung stünden ein Badrolli, mit dem Gehbehinderte – auch über die Stufen – in die Pools gefahren werden können, und zusätzliche Haltegriffe und Sitze für die Duschen. Die Nachbesserungen für mehr Barrierefreiheit hatten Gemeinde und Betreiber im November vergangenen Jahres angekündigt – auch nach der Kritik Betroffener, die sich in der Therme mit ihrem Handicap wenig willkommen fühlten.

Hinzu kommen nun ein Vordach für den Eingangsbereich, Haustelefone für die Techniker, Sessel auf der Dachterrasse, weitere Lampen für ein Plus an Sicherheit im Außenbereich, Stromanschlüsse auf der Restaurant-Terrasse und ein Küchenelement in der Gastronomie.

„Im laufenden Betrieb hat sich gezeigt, was fehlt“, begründet Richter die geplanten Investitionen. Und ja, das Geld stecke die Gemeinde in den Bau, „ohne dass wir davon etwas vom Betreiber zurückerwarten“.

Ein freiwilliger Liebesdienst also. Aber der letzte: Wenn der Rat die Ausgabe verabschiede, sei das „das letzte Mal, das wir für bauliche Arbeiten etwas geben“, das betont Rothenfeldes Finanzchef nachdrücklich. Vorteile hätte die Gemeinde trotzdem – durch die Abschreibungen.

Zuletzt hatte Carpesol-Geschäftsführer Helmut de Witt eine Finanzlücke mit privatem Geld gestopft . Weil die Besucherzahlen im Frühsommer nicht für die Überweisung der vollen Pachtsumme auf das Gemeindekonto reichten, steuerte er „etwas mehr als 150000 Euro bei“, so Richter. Zweimal habe de Witt das private Portemonnaie zücken müssen.

Richter geht davon aus, dass die Pacht in Zukunft auch ohne diese Quelle fließen wird. „Die Anlage läuft. Die Maßnahmen von Herrn de Witt für Marketing und Organisation scheinen Wirkung zu zeigen“, sagt Richter. Spiegeln die Besucherzahlen das wider? „Im August waren es täglich um die 500. Und jetzt kommt ja das richtige Thermenwetter. Wir hoffen, dass die Zahlen steigen.“

Für die Rückzahlung des Anfang dieses Jahres gewährten 700000-Euro-Kredits für überzogene Baukosten hat die Carpesol GmbH übrigens Zeit. In den ersten beiden Vertragsjahren sind weder Zins noch Tilgung fällig. Erst in den folgenden zehn Jahren muss das Geld zurückfließen. „Das soll dem Betrieb die Chance geben, sich so zu entwickeln, dass er das Darlehen zurückzahlen kann“, sagt Torsten Richter.