Alte Häuser wiederbeleben Glandorf will „Jung kauft Alt“ ab 2015 fördern

Von Anne Spielmeyer

Vielleicht nicht perfekt, aber ausbaufähig? Mit dem Programm „Jung kauft Alt“ will die Gemeinde Glandorf Anreize für junge Familien schaffen, alte Häuser zu kaufen. Foto: dpaVielleicht nicht perfekt, aber ausbaufähig? Mit dem Programm „Jung kauft Alt“ will die Gemeinde Glandorf Anreize für junge Familien schaffen, alte Häuser zu kaufen. Foto: dpa

Glandorf. Was tun, wenn Bauplätze fehlen und Familien auf der Suche nach dem Eigenheim sind? Eine Antwort ist „Jung kauft Alt“ – ein Modell, mit dem junge Leute beim Kauf alter Häuser finanziell unterstützt werden. Was in Hiddenhausen seit Jahren funktioniert, ist in Bad Laer gut angelaufen und soll 2015 auch in Glandorf frischen Wind hinter alte Wände bringen.

Die Anregung der CDU liegt ein Jahr zurück: Die Politik hatte die Verwaltung damals damit beauftragt, das Hiddenhausener Fördermodell „Jung kauft Alt“ für Glandorf zu prüfen. Das Ergebnis liegt nun auf dem Tisch: „Eine sinnvolle Angelegenheit“, bewertet Bauamtsleiter Torsten Dimek das Programm, das alte Häuser wiederbelebt, indem junge Leute beim Kauf mit bis zu 9000 Euro unterstützt werden.

Die Erfahrungen in Hiddenhausen seien „sehr positiv “, so Dimek. Käufer können mit einem jährlichen Förderbetrag von maximal 1500 Euro – 600 Euro plus 300 Euro pro Kind – unterstützt werden. Der Zeitraum beträgt sechs Jahre und greift nur bei Gebäuden, die mindestens 25 Jahre alt sind. Ein altes Haus könne auch abgerissen werden, um Platz für ein neues zu schaffen, nennt Dimek die Spielregeln. Darüber hinaus kann die Gemeinde mit einem Höchstbetrag von 1500 Euro ein Altbau-Gutachten unterstützen, das klar stellt, wie teuer ein Gebäude ist, welche Investitionen etwa bei der energetischen Sanierung sinnvoll sind. Das Gutachten bleibe in Hand der Gemeinde, betont Dimek, falls zum Beispiel ein Käufer abspringt.

In Hiddenhausen habe sich der bewilligte Förderbetrag von 2007 bis 2014 mehr als verzehnfacht – von 20000 auf 230000 Euro. Der Experte aus Hiddenhausen wertet das als „win-win-Situation“. Denn die Kommune müsse zum Beispiel weniger Baugebiete mit teurer Infrastruktur ausweisen, die jungen Familien aber bleiben trotzdem. In Glandorf werde es bei „Jung kauft Alt“ nicht zu „Massenbewegungen“ kommen, prognostiziert Dimek. Seit diesem Sommer arbeitet in Glandorf eine Jahrespraktikantin am Leerstandskataster, das Baulücken und Leerstände in der Kommune erfasst. „Es besteht zudem kein Rechtsanspruch auf Förderung. Wenn der Haushalt es nicht hergibt, werden keine neuen Anträge bewilligt.“ In Bad Laer, wo das Projekt seit 2012 läuft, wurden laut Bauamt zehn Anträge bewilligt, die Fördersumme für 2014 liege bei 8700 Euro.

Das Modell sei auch in Glandorf eine gute Alternative, zeigte der Ausschuss sich einig und will 2015 starten. „Die Nachfrage nach Bauplätzen ist groß, die Fläche klein. Wir müssen Anreize für junge Familien schaffen“, sagte André Winterberg. Ralf Wiebusch (UWG) stimmte Winterberg zu, fragte jedoch , ob die Summe von 1500 Euro jährlich wirklich ein Anreiz sei. „Erst einmal starten und schauen, wie es anläuft“, lautete der Tenor. „Was, wenn Kinder das Haus ihrer Eltern kaufen wollen?“, brachte Elke Böcker (SPD) ein noch ungeklärtes Detail ein. In jeder Kommune werde das anders geregelt, so Dimek. In der nächsten Ratssitzung muss das entschieden werden.