Verantwortlich selbst prüfen Thema in Bad Rothenfelde: Fahrsicherheit im Alter

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Mobilität ja, doch Sicherheit geht vor, meinen Bernhard Greitemann, Leiter der Klinik Münsterland, Polizeioberkommissar Dietmar Schlieter und Renate Zunft, Tüv Nord. Foto: Petra RopersMobilität ja, doch Sicherheit geht vor, meinen Bernhard Greitemann, Leiter der Klinik Münsterland, Polizeioberkommissar Dietmar Schlieter und Renate Zunft, Tüv Nord. Foto: Petra Ropers

Bad Rothenfelde. Der Griff zum Autoschlüssel ist mehr als eine lieb gewordene Gewohnheit. Das Auto sichert gerade im Alter die individuelle Mobilität und damit zugleich ein wertvolles Stück Unabhängigkeit. Eine gesetzliche Altersgrenze gibt es dabei für das Führen eines Kraftfahrzeugs nicht. „Sie selbst sind verantwortlich“, betonte stattdessen Dr. Renate Zunft vom medizinisch-psychologischen Institut des Tüv Nord im Haus des Gastes.

„Geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist, wer die notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllt“, sagt das Straßenverkehrsgesetz (§ 2, Abs. 4). Doch was bedeutet das konkret? Über die Wechselwirkung von Gesundheit und Fahreignung informierten Renate Zunft und Prof. Dr. Bernhard Greitemann, Leiter der Klinik Münsterland, auf Einladung der Bad Rothenfelder Polizei. Dabei zeigte sich: Die Verantwortung jedes Fahrers für sich selbst und für die anderen Verkehrsteilnehmer gilt unabhängig vom Alter. Und sie erfordert in jedem Fall eine kritische Selbstprüfung.

Ein ausreichendes Sehvermögen ist dabei die nächstliegende Anforderung an jeden Fahrer, die unter Umständen auch durch einen Augenarzt oder Optiker geprüft werden muss. Gerade im Alter kann das Dämmerungssehvermögen beeinträchtigt sein, erklärte Renate Zunft.

Gleichzeitig nimmt oft die Blendempfindlichkeit zu. Das Gesichtsfeld verengt sich, Augenkrankheiten häufen sich: „Seien Sie ehrlich zu sich selbst“, forderte die Fachfrau deshalb die Zuhörer im Haus des Gastes auf.

Dazu gehört neben regelmäßigen Kontrollen und einer bestmöglichen Brillenkorrektur unter Umständen auch, auf Fahrten im Dunkeln konsequent zu verzichten. Doch nicht alle Einschränkungen sind so offensichtlich wie die Notwendigkeit einer Brille. „Auch viele Erkrankungen schränken die Leistungsfähigkeit ein“, warnte Renate Zunft. So können sich Herzfunktionsstörungen, Diabetes mellitus, Parkinson und andere Erkrankungen negativ auf Konzentration und Reaktionsvermögen auswirken.

Nicht zu unterschätzen sind für Bernhard Greitemann zudem die Nebenwirkungen von Medikamenten – insbesondere dann, wenn verschiedene Wirkstoffe kombiniert werden. Im Zweifel heißt es dann: Lieber das Auto stehen lassen. Das gilt aus Sicht des Leiters der Klinik Münsterland auch nach größeren orthopädischen Operationen. Wer etwa gerade erst ein neues Kniegelenk bekommen habe, werde kaum reaktionsschnell eine Vollbremsung vornehmen können. Ebenso wenig ist es möglich, kurz nach einer Arm- oder Schulteroperation mit aller Kraft das Lenkrad herumzureißen. Der Rat des Fachmannes lautete deshalb: „Lassen Sie nach einer größeren Operation das Auto erst einmal drei Monate lang stehen.“

Bei dauerhaften Einschränkungen – etwa durch den Verlust von Gliedmaßen – können Umrüstungen am Fahrzeug helfen, die Mobilität zu erhalten. Mögliche Umrüstungen stellte das Bockhorster Autohaus Kleinebecker im Anschluss an die Vorträge vor. Wer sich unsicher ist, ob er noch selbst fahren sollte oder nicht, der kann sich beim Tüv Nord beraten lassen und gegebenenfalls an einer Leistungsüberprüfung oder Fahrverhaltensbeobachtung teilnehmen. Verschiedene Stellen – darunter die Verkehrswacht Dissen-Bad Rothenfelde – bieten darüber hinaus Seminare und Fahrtrainings an.


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