Blick nach Bad Iburg, Bad Laer, Bad Rothenfelde Sonntags shoppen in den Südkreis-Bädern?

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Bad Iburg/Bad Laer/ Bad Rothenfelde. Sind die Geschäfte in den Bädern im Südkreis nun sonntags geöffnet oder nicht? Schwer zu sagen. Laut Gesetz dürfen sie alle öffnen, nur machen es längst nicht alle. Während in Bad Iburg und Bad Laer sonntags sehr viele Läden geschlossen sind, ist in Bad Rothenfelde rund ums Gradierwerk Tag der offenen Tür. Sollten die anderen Bäder nachziehen? Von den Hürden der kleinen Händler.

Immer wieder sonntags – dann fallen Tagesgäste ein, spazieren Patienten aus den Kliniken mit ihren Besuchern um die Salinen, kaufen hier ein Eis und da eine neue Handtasche. „In Bad Rothenfelde ist sonntags viel Laufpublikum unterwegs“, beschreibt Sabine Leclercq-Schulte von der Kur und Touristik GmbH Bad Rothenfelde den Sonntags-Wahnsinn. „Alles, was im Dunstkreis der Gradierwerke und der Kaffee-Meile liegt, ist deshalb geöffnet“, sagt sie und meint die Galerie, die Salinenstraße und einen Teil der Frankfurter Straße. „Mitnahme-Effekt“ nennt sie das. Henning Mayer, Vorsitzender des Gewerbevereins „Wir für Bad Rothenfelde“, bestätigt die Sonntags-Öffnung und betont: „Wir haben uns damals sehr dafür eingesetzt, dass wir als Kurort sonntags die Läden öffnen dürfen.“

Alle Kur- oder Erholungsorte haben nach dem niedersächsischen Gesetz über Ladenöffnungs- und Verkaufszeiten von 2007 die Möglichkeit, auch sonntags für acht Stunden ihre Geschäfte zu öffnen – vom 15. Dezember bis zum 31. Oktober, Feiertage wie Weihnachten oder Karfreitag ausgenommen. „Waren des täglichen Kleinbedarfs, Bekleidungsartikel und Schmuck, Devotionalien sowie Waren, die für den Ort kennzeichnend sind“ dürfen dann verkauft werden, heißt es im Gesetz. Produkte, die es in allen Bädern im Südkreis gibt, die aber nicht überall sonntags über die Ladentheke wandern.

Denn der geöffnete Laden allein bringt keine Kundschaft. „In Bad Laer ist der Andrang am Sonntag ein anderer als in Bad Rothenfelde“, erklärt Christel Richling von der Bad Laerer Touristik. Ein kleinerer. Das bestätigt auch Josef Westing, Vorsitzender der Info-Werbegemeinschaft in Bad Laer. Nur zwei Geschäfte hätten konstant jeden Sonntagnachmittag geöffnet, das Damenmodegeschäft „Chic“ und „Schwöppe Moden“. Von März bis September öffnet auch der Mode-Laden „Steffinella“ an den Sonntagen.

Potenzial in Bad Laer?

„Das Potenzial von Bad Laer wird verkannt“, findet Ilona Spreckelmeyer, die dort das Modegeschäft „Chic“ sonntags öffnet und die Lage gut mit Bad Iburg und Bad Rothenfelde vergleichen kann, wo sie ebenfalls Mode-Läden besitzt. Viele Besucher würden sich sonntags auf den Weg ins ruhigere Bad Laer aufmachen, um den Massen in Rothenfelde zu entfliehen. „Das ist eine riesige Chance für Einzelhändler.“ Denn nur rosig sei es in Bad Rothenfelde nicht. Sie hält dort den „Modebasar“, hat vor Kurzem aber ihre „Chiceria“ schließen müssen. „Die Ladenmieten in Bad Rothenfelde sind hoch“, sagt sie. „In der Woche ist kaum etwas los. Und Miete zahlt man eben auch in der Woche.“

Belebt der Kneipp-Park?

In Bad Iburg hat die Kaufmannschaft den ersten Sonntag im Monat zu einem verkaufsoffenen gemacht. „Da ziehen viele mit“, sagt Marianne Krause von der Tourist-Information Bad Iburg. Darüber hinaus seien an anderen Sonntagen nur Ilona S., Ihr Platz, Evelyn Matzke Moden und V-D Mode regelmäßig geöffnet – neben den klassischen, gastronomischen Angeboten wie in allen Orten, versteht sich.

Der Kneipp-Erlebnispark hat viele neue Besucher nach Bad Iburg gebracht. Beleben sie das Geschäft? Bei der Eisdiele „Venezia“ an der Beckerteichpforte auf jeden Fall: „Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Hier war an den heißen Tagen sehr viel los“, sagt Inhaber Jürgen Hache. Der gewünschte Bummel-Effekt bleibe bisher aber aus, stellen Ladenbesitzer an Beckerteichpforte, Großer Straße und Schlossstraße fest. „Das gleicht eher eine Badeanstalt“, sagen die Inhaber. Besucher blieben den ganzen Tag über im Park. „Sie blockieren allenfalls die Parkplätze für unsere Kundschaft“, hört man Kritik.

Jeden Sonntag die Geschäfte zu öffnen ist in Iburg umstritten. Viele Inhaber haben dafür nicht genügend Personal, sagen sie. Eine Spaziergängerin hält das auch gar nicht für notwendig: „Für mich ist Sonntag kein Einkaufstag, sondern in guter christlicher Tradition ein Ruhetag. Die Einkäufe kann ich in der Woche erledigen. Aber ich arbeite auch nicht mehr“, räumt sie ein. Eine andere Frau schlägt genau in diese Kerbe: „Es wäre so schön, hier sonntags einkaufen zu können. Meine Arbeitszeiten machen das in der Woche nicht möglich.“

Mittagspause umstritten

Nicht nur über das Potenzial des Sonntags sind sich die Einzelhändler in Bad Iburg uneinig. Auch über das der Mittagspause. „Wir dürfen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen“, findet eine Ladenbesitzerin und spielt auf durchgängige Öffnungszeiten an. Müsste man nicht zunächst die Mittagspause in Bad Iburg abschaffen? „Wir müssen mittags öffnen, in der Woche kaufen die meisten Leute ein und wollen nicht vor verschlossener Ladentür stehen“, findet eine Verkäuferin. „Selbstständigkeit geht nicht ohne Herzblut. Man ist eben selbst und ständig da.“ Die Läden an der Beckerteichpforte bleiben inzwischen mittags geöffnet, viele andere im Zentrum pausieren von 12.30 Uhr bis 14.30 Uhr. „Wie soll man die Familie sonst versorgen – und sich selbst?“, fragt eine Inhaberin. „Es ist problematisch, in einer Zeit zu öffnen, in der wenig verdient wird. Wovon soll man die Aushilfen bezahlen?“ Eine Pause, die für die einen „antiquiert“ daherkommt, ist für die anderen „lebensnotwendig“.

Viele Knackpunkte, zu denen die Kaufmannschaft in Bad Iburg „im Dialog steht“, sagt Hermann Große-Rechtien, Vorsitzender des Bad Iburger Marketings (bim). „In Bad Iburg müssen wir was machen“, findet er. „Auch im Hinblick auf die Landesgartenschau . Als Bad haben wir zumindest die Chance, sonntags zu öffnen.“ Eine, die andere Kommunen im Südkreis nicht hätten.


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