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Dauercamper kämpfen für Johan Campotel Bad Rothenfelde im Strudel der Sanicare-Insolvenz

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Bad Rothenfelde. Auf „ihren“ Johan lassen sie nichts kommen. Die Dauercamper, die seit Jahren ihre Wochenenden und Ferien im zur Sanicare-Gruppe zählenden Campotel verbringen, können sich einfach keinen besseren Geschäftsführer für den Platz vorstellen als Johan Bosch. Mit einer Unterschriftenliste wollen sie die vorläufige Insolvenzverwalterin davon überzeugen, ihn als Pächter einzusetzen.

Bosch hat momentan wohl einen der schwierigsten Jobs in Bad Rothenfelde. Die Belegschaft läuft ihm davon. 16 der 20 Mitarbeiter haben gekündigt oder sich krankgemeldet. Jetzt schuftet Bosch mit einem Mini-Team von 4 Uhr morgens bis Mitternacht, um es den 700 Gästen so schön wie möglich zu machen. Das Restaurant und die Saunalandschaft musste er trotzdem vorübergehend schließen. Im kleinen Rahmen werden die Angebote aufrechterhalten. „Wir haben unter anderem eine Art Wohnzimmer eingerichtet zum Fußballgucken, Darten, Billardspielen und Bierchentrinken.“

Die Camper wissen das zu schätzen und möchten auf dem 14 Hektar großen Fünf-Sterne-Platz mit seinen 490 Stellplätzen auch weiterhin von Johan Bosch betreut werden. Diana Raschka aus Gütersloh, eine Initiatorin der Unterschriftenliste, erzählt: „Johan geht auf unsere Bedürfnisse ein und hat immer tolle Ideen.“ Er habe für eine perfekte Kinderanimation gesorgt und das Campotel in den letzten Jahren insgesamt sehr positiv entwickelt. „Die Gästezahlen steigen, die Angebote werden besser und häufiger. Am wichtigsten ist aber, dass Johan Bosch immer ein offenes Ohr für unsere Camperwünsche hat und diese in der Regel auch schnell umsetzt“, heißt es auf der Unterschriftenliste mit 52 Namen. Diese hatten Raschka und Alexandra Adrian innerhalb von zweieinhalb Stunden gesammelt. „Und wir machen weiter“, kündigte Raschka am Donnerstag an. Sollte Bosch nicht den Zuschlag als Pächter bekommen, drohen die Dauercamper mit der Kündigung ihrer Mietverträge.

Auch der vorläufigen Insolvenzverwalterin Christina Keane haben die Dauercamper die Unterschriftenliste präsentiert. Sie führt die Geschäfte der Dr. Hans Wolff GmbH weiter, zu der das Campotel gehört, und versucht derzeit, „Personal zu aktivieren“, um die Gäste in den Herbstferien zufriedenstellen zu können. „Die Mitarbeiter und Johan Bosch zeigen wirklich überdimensionalen Einsatz“, lobte sie das Team des Campingplatzes. „Und ich verstehe das Anliegen der Dauercamper gut.“

Eine Lösung für den Fortbestand des Campotels sei aber leider noch nicht gefunden. „Andere Interessenten als Herr Bosch sind auch noch nicht an mich herangetreten“, sagte Keane. Sie hofft, dass es mit dem Campotel „für alle Beteiligten zu einem guten Abschluss kommt“. Das hofft auch Klaus Rehkämper: „Die Gemeinde Bad Rothenfelde ist sehr daran interessiert, dass der Campingplatz weiterbetrieben wird. Die Angebote sind sehr gut, und das Campotel ergänzt unser touristisches Angebot. Außerdem macht Johan Bosch einen ausgezeichneten Job.“

Der freut sich sehr über die Solidarität der Gemeinde und seiner Gäste: „Das bedeutet, dass sie mit mir zufrieden sind.“ Die vorläufige Sanicare-Insolvenz traf den Niederländer, der sich am liebsten mit jedem duzt, wie ein Blitzschlag – umso mehr, als er sich vor dem Tod von Inhaber Johannes Mönter mit diesem einig gewesen sei, den Platz zu pachten. Fünf Jahre lang habe er für sein „Kind“ Campotel alles gegeben. „Jetzt laufen wir ins Ungewisse. Aber ich gebe nicht auf und bin sicher, dass es hier für mich weitergeht.“ Die Zahlen geben ihm recht. Obwohl die Herbstferien in Niedersachsen noch nicht begonnen haben, liege die Auslastung bei 65 Prozent, so Bosch. Er habe eine klare Vorstellung davon, was er als Pacht bieten könne und was der Platz wert sei. Hauptgläubiger der Hans Wolff GmbH ist ein regionales Geldinstitut, leider habe der zuständige Mitarbeiter derzeit Urlaub. „Und wenn es mit der Pacht des Campotels gar nicht klappt, suche ich mir in Deutschland einen anderen Campingplatz“, kündigte Bosch an. Die Dauercamper in Bad Rothenfelde hören das nicht gern.


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