Gemeinde: Stehen zur Therme Rothenfelde stundet Carpesol die Pacht

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Bad Rothenfelde. Eine elegant-synchrone Wende, nicht im Schwimmbecken, sondern in der Geschäftspolitik für das Carpesol, vollziehen der Bad Rothenfelder Rat, die Gemeindeverwaltung und die Geschäftsführung der Carpesol GmbH. Gemeinsames Ziel: die WT (Wellnesstherme) Carpesol in ein ruhiges und sicheres Fahrwasser zu bringen.

Die Nachricht klingt alarmierend. Vor wenigen Tagen informierte Geschäftsführer Helmut de Witt Rat und Verwaltung des Kurortes darüber, dass der private Betreiber, die Carpesol GmbH, die vereinbarte Pacht für das Bad in den kommenden Sommermonaten wohl nicht in voller Höhe an die Gemeinde überweisen kann.

Die Mitglieder des Verwaltungsausschusses der Gemeinde haben sich nun entschlossen, den Betreibern zu helfen. Das verkündeten Bürgermeister Klaus Rehkämper und die Fraktionsvorsitzenden Andreas Wernemann (CDU/FDP), Franz-Josef Albers (SPD) und Matthias Beckwermert (Grüne) im Carpesol. „Wir stehen hinter dem Projekt. Wir wollen es fördern“, so Rehkämper.

Die Pacht soll gestundet werden. Aber dieser Schwimmflügel für das Bad sei an Bedingungen geknüpft: erstens die Rückzahlung, zweitens eine zeitliche Begrenzung, drittens ein stärkeres Mitspracherecht der Gemeinde in der Betreibergesellschaft.

Auf Nachfrage erklärte Rehkämper, dass die Gemeinde über den Wirtschafts- und den Stellenplan Einfluss nehmen könnte.

Juristen sollen nun einen entsprechenden Vertrag ausarbeiten. „Wir haben alle ein Ziel: Das Carpesol soll Erfolg haben“, sagen Wernemann, Albers und Beckwermert. Die Probleme im ersten Betriebsjahr seien Anfangsschwierigkeiten. Deshalb reiche die Politik den Betreibern die Hand. „Aber wir brauchen Planungssicherheit“, bekräftigt Beckwermert. Und de Witt versichert auf Nachfrage: „Nach diesem Sommer brauchen wir keine Hilfe mehr.“

Denn es ist der zweite Schwimmflügel, den die Gemeinde der GmbH anlegt. Nachdem die Baukosten für das Carpesol um 700000 Euro über dem vereinbarten Festpreis von 18,5 Millionen Euro lagen, hatte der Rat erst Anfang dieses Jahres eine Darlehensaufnahme zugesichert , damit alle Handwerker bezahlt werden können.

Nun also das zweite Problem, das vor allem zwei Ursachen hat. Noch kommen nicht genügend Besucher. Die Zahlen liegen unter allen Prognosen. Die Therme öffnete im Hochsommer letzten Jahres. Viele gingen da lieber ins Freibad als in die Sauna oder das warme Thermalwasser.

Dann fehlte in der Eröffnungsphase ein konzertiertes Marketing für das neue Angebot auf dem Thermenmarkt zwischen Osnabrück und Westfalen. Der frühere Geschäftsführer Ludger Stork spielte diese entscheidende Karte nicht aus. Auch die Preispolitik war verfehlt. So sollte eine Tageskarte anfangs stattliche 24 Euro kosten.

Ergebnis: „Die Eröffnungsphase hat das Eigenkapital der Betreiber beansprucht. Deshalb fehlt jetzt der Puffer“, sagte Rehkämper.

Hat die Gemeinde Fehler gemacht, die Arbeit der Betreiber zu wenig kontrolliert? Nein, meint der Bürgermeister. Man habe die Verantwortung für den Betrieb bewusst in die Hand der erfahrenen GmbH gelegt.

Im November löste de Witt den seit Herbst erkrankten Stork ab. De Witt lobt seinen Vorgänger, mit dem er sich, gemeinsam mit Jürgen Kannewischer, um den Betrieb des Carpesol beworben hatte: „Das Konzept ist super, und Ludger Stork hat eine tolle Truppe eingestellt. Wir hatten einen absoluten Topmann, der zwölf Jahre lang die Westfalentherme in Bad Lippspringe erfolgreich leitete.“ Nach Monaten habe man jedoch festgestellt: „Das läuft so nicht.“

De Witt konzentriert sich nun darauf, das Carpesol in Schwung zu bringen – was nicht einfach ist. Denn auch der warme März schlug sich sofort negativ in den Besucherzahlen nieder. Ein guter Tag wie der kühle 1. Mai mit 822 Besuchern kann das nicht ausgleichen, ebenso wenig der gute Prokopfumsatz. De Witt hofft jetzt auf einen kühlen, regnerischen Sommer.

Die Veränderungen, die er seit Ende letzten Jahres eingeleitet hat, griffen. „Unsere Sauna-Events sind sehr beliebt, ebenso die Kurse. Gerade haben wir den dritten Babyschwimmkurs gestartet. Und wir haben Flyer für unsere Spezialangebote und einen Imageflyer für das gesamte Carpesol erstellt, der mit einer Auflage von 50000 Exemplaren verteilt wird – auch an Firmen, Clubs und Vereine im Umkreis von 50 Kilometern.“ Erste Kooperationen spülen Geld in die Kasse.


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