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Trio LiMUSiN spielt vor ausverkauftem Haus in Bad Rothenfelde Perfekt aufeinander abgestimmt

Von Gabriele Böhm

Musik, Gedichte und Prosa in Perfektion: Das Trio LiMuSiN begeisterte bei seinem Gastspiel in Bad Rothenfelde. Foto: Gabriele BöhmMusik, Gedichte und Prosa in Perfektion: Das Trio LiMuSiN begeisterte bei seinem Gastspiel in Bad Rothenfelde. Foto: Gabriele Böhm

gboe Bad Rothenfelde. Die Künstler verabschiedeten sich im (künstlichen) Nebel – angemessen für ein Programm voller Dramatik. Am Freitagabend erlebte das Publikum im restlos gefüllten Haus des Gastes das Trio LiMUSiN mit seinem Programm „Die vier Jahreszeiten“. Das Ensemble ist mit unterschiedlichen Angeboten im gesamten norddeutschen Raum zu hören und war auch schon mehrfach in Bad Rothenfelde.

Trio LiMUSiN steht für „Literatur und Musik inteam“. Was das heißt, erfuhren die Gäste in einer Veranstaltung, in der Musik, Gedichte und Prosa aufeinander abgestimmt waren, sich ablösten, durchdrangen und untermalten. 2002 entstand das Trio mit seiner hochkarätigen Besetzung in seiner jetzigen Form. Ihno Tjark Folkerts (Violine) spielte bereits im SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden, tourte mit dem Kölner Kammerorchester und war bis 1998 Konzertmeister der Berliner Kammeroper. Suren Anisonyan (Violoncello) war Solocellist beim staatlichen Kammerorchester Armenien und spielt seit 1996 bei der Philharmonie der Nationen unter Justus Frantz. Der Schauspieler Benedikt Vermeer studierte Schauspiel unter anderem am Emerson College of Arts (England) und gründete in Bremen das „Theater Satyrikon“ und den „Literaturkeller“. Er arbeitet auch als Sprecher in Film und TV und gibt Theatergastspiele in ganz Deutschland, der Schweiz und Russland.

Vor in edlem Schwarz-Weiß dekorierter Bühne boten die einzelnen Sätze der „Vier Jahreszeiten“ die Klammer für ein Feuerwerk aus absolut virtuos vorgetragener Musik und literarischen Rezitationen. Die beiden Musiker zeigten sich perfekt aufeinander eingespielt und boten durch ihre Professionalität die Möglichkeit, sich ganz entspannt zurückzulehnen und die Musik in all ihren Facetten zu erleben und zu genießen.

Passend zu Vivaldis „Frühling“ trug Vermeer eine Passage aus Joseph von Eichendorffs Erzählung „Auch ich war in Arkadien“ vor. Das Werk entstand im Biedermeier und karikiert die Situation in Deutschland nach dem Ende der französischen Regentschaft.

Zuvor rezitierte Vermeer natürlich „Er ist’s“ von Eduard Mörike, das jeder kennt, das man aber so explizit leidenschaftlich sicher auch noch nie gehört hat. Der Schauspieler zog die Zuhörer von Anfang an in seinen Bann, schlüpfte in unterschiedlichste Rollen und hatte verschiedene Sprachstile und sogar Dialekte auf Lager. So wurden auch „Das Lenzsymptom“ von Tucholsky, in dem er spöttisch Liebesgefühle auf die Schippe nimmt („Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde“), oder „Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde“ (E.T.A. Hoffmann), in der sich der verheiratete Erasmus in seiner Leidenschaft zur Kurtisane Giulietta um Kopf und Kragen liebt, zu dramatischen, ausgezeichnet unterhaltsamen Vorträgen. Das „Oktoberfest“ von Eugen Roth erklang auf Bayerisch und mit fast echtem Bierbauch und endete mit dem bekannten „Hier bin ich Mensch“, das das Publikum mit „hier darf ich’s sein“ von sich aus ergänzte.

Zum „Herbstwind“ von Heinrich Heine ließen die Musiker das wirbelnde „Allegro“ der „Vier Jahreszeiten“ erklingen, bei der „Geliebten“ von E.T.A. Hoffmann untermalten sie instrumental eine stürmische Winternacht. Bis zur völligen Erschöpfung verausgabte sich Vermeer natürlich bei der Ballade „Der Knabe im Moor“ (Droste-Hülshoff), bei der er sämtliche Register zog. Sprachlich etwas verfremdet und Worte wie „Schotzengel“ intonierend, kam auch der Humor nicht zu kurz, der sich durch die gesamte Veranstaltung zog. Als Zugabe gab es für die begeisterten Zuschauer „Die vier Jahreszeiten“ von Karl Valentin.