Letzter Tanztee am 1. Dezember Kein Neujahrskonzert mehr im Rothenfelder Kursaal

Peter Frömberg ist enttäuscht darüber, dass seine Benefizkonzerte vorerst nicht mehr im Saal des Bad Rothenfelder Kurhauses stattfinden können. Foto: Michael SchwagerPeter Frömberg ist enttäuscht darüber, dass seine Benefizkonzerte vorerst nicht mehr im Saal des Bad Rothenfelder Kurhauses stattfinden können. Foto: Michael Schwager 

Bad Rothenfelde. Die letzte Veranstaltung im Bad Rothenfelder Kursaal ist der Tanztee am 1. Dezember. Die voraussichtlich allerletzte Fete ist die Silvesterparty im "Number One", der Disco im Souterrain. Mancher trauert schon jetzt den alten Kurhaus-Zeiten nach. Karl-Heinz Winkler, Chef des "Number One", bleibt aber optimistisch.

Wieso keine weiteren Veranstaltungen im neuen Jahr, fragte Winkler im Gespräch mit unserer Zeitung. Seine Räume seien voll funktionstüchtig und, vielleicht anders als der Kursaal, nicht von den Problemen durch ein undichtes Dach betroffen. 

Gekündigt sei den Betreibern jedenfalls zum Jahresende, sagte Rolf Meyer zu Hörste, Gesellschafter der BRIG (Kurhaus-Betriebs-GmbH). Haus Deutsch Krone in Bad Essen, scheidender Pächter des Kursaals, bestätige auf Anfrage, dass der Tanztee am 1. Dezember definitiv die letzte Veranstaltung im Saal sei. Ob die Vorstellungen von Number-One-Wirt Winkler umsetzbar seien, also weitere Disco-Abende im Kursaal-Keller, bis dann wirklich die Abrissbagger am Kurhaus vorfahren, das könne jetzt nur die Gemeinde beantworten.

Tanztee im Kurhaus Bad Rothenfelde Archivfoto: Elvira Parton

Bad Rothenfeldes Bürgermeister Klaus Rehkämper wäre schon froh, wenn der Rückkauf des Kurhauses samt Grundstück von der BRIG durch die Gemeinde noch in diesem Jahr notariell beurkundet würde. An einen Abriss des Gebäudes sei tatsächlich kurzfristig nicht zu denken. Zunächst müsse ein Abrissgutachten erstellt werden, damit die Kosten dieses ersten Schrittes überhaupt klar seien. Drei Büros seien dafür kontaktiert worden. Da nicht klar ist, ob oder in welchem Maße Kosten für die Entsorgung möglicherweise belasteter Baustoffe entstünden, benötige man Expertenangaben. Es gehe dabei um eine realistische Kostenkalkulation, auch als Grundlage für die Beantragung von Fördermitteln vom Landkreis Osnabrück, der EU oder aus anderen Töpfen. 

Turnier des TSZ Creativ Osnabrück Archivfoto: Thomas Osterfeld

Dass der Bau eines Nachfolge-Gebäudes für das jetzige Kurhaus eine "Generationenaufgabe" sei, vergleichbar mit der Therme Carpesol, steht dabei für Rehkämper fest. Eine Aufgabe, die die Gemeinde Bad Rothenfelde nicht allein stemmen könne. Denn sowohl das jetzige Kurhaus als auch das, was kommt, hätte eine überörtliche Bedeutung für den ganzen südlichen Landkreis. Der Saal jetzt gehört zu Kategorie mit bis zu 499 Plätzen. Das müsse in etwa auch wieder erreicht werden, weil es nach dem Abriss des Iburger Kurhauses seit langem nichts Vergleichbares im Südkreis gebe. 

Darin ist sich Rehkämper übrigens einig mit vielen bisherigen Nutzern des Saals, mit Peter Frömberg zum Beispiel, der hier vor kurzem sein letztes Benefizkonzert veranstaltet hat. Sein erster Besuch des Saals liegt schon lange zurück. Damals war er noch ein Jugendlicher und schaute sich zusammen mit Vater und Bruder einen Auftritt von Heinz Erhardt an. Später dann kam er als Veranstalter von Benefizkonzerten zurück. Mit Coverbands wie Queen May Rock oder der Simon & Garfunkel Revival Band füllte er stets problemlos den Kursaal und spielte im Laufe der vergangenen rund 25 Konzerte etwa 20.000 Euro für gute Zwecke ein, zum Beispiel für Jugendarbeit und Kriminalprävention. 

Silver Beatles im Kurhaus. Archivfoto: Rolf Habben

Viele schöne Momente sind ihm davon in Erinnerung geblieben, einer besonders: Nach einem Konzert war er durch den Mittelgang des Saals Richtung Ausgang gegangen, als ihn dort ein Mann aus Dissen, er saß im Rollstuhl, ansprach: "Herr Frömberg, ich bin sehr krank. Aber heute Abend habe ich hier seit langem mal wieder keine Schmerzen gespürt."    

Zu seinem 70. Geburtstag am kommenden 9. Oktober hatte sich der pensionierte Polizist schon etwas Besonderes ausgedacht: An dem Tag wäre Beatle John Lennon, auf den Tag genau zehn Jahre älteres Idol von Frömberg, 80 Jahre alt geworden. Und das wäre aus Sicht des Bad Laerers ein guter Anlass gewesen für ein Benefizkonzert mit den Silver Beatles. Vorgespräche hatte er schon mit der Band geführt. Der einzige geeignete Saal dafür in der Region wäre der Kursaal in Rothenfelde gewesen. Daraus wird nun nichts, und Frömberg ist enttäuscht. 

Genauso empfindet auch Bernd Thesing. Mitte des Jahres hatte der Vorsitzende des Männergesangvereins Hilter noch die Idee verfolgt, das stets ausverkaufte Neujahrskonzert zusammen mit dem MGV Dissen, dem katholischen Kirchenchor aus Kloster Oesede und dem Blasorchester Borgloh als allerletztes Kursaal-Event im Januar auf die Beine zu stellen. Damit kam er bei den BRIG-Verantwortlichen schließlich ebenso wenig durch wie beim Bürgermeister. Ein zehntes Neujahrskonzert - beim letzten Mal 2019 noch verstärkt durch den preisgekrönten Jugendchor des Versmolder CJD-Gymnasiums - wird es nicht geben.

Neujahrskonzert 2019 mit Christophorus-Jugendkammerchor Versmold. Archivfoto: Petra Ropers

Klaus Rehkämper sagt, er könne die Enttäuschung der Menschen nachvollziehen. Aber er hofft, dass die Leute früher oder später erkennen, dass an der Parkstraße 3 im Kurort etwas gutes Neues, etwas Zukunftsfähiges entsteht. Ein Saal für Veranstaltungen, der von der Größe und von der qualitativen Ausstattung her den Anforderungen im Südkreis gerecht werde, sei nach Meinung der Experten derzeit am besten in Kombination mit einem guten Hotel zu machen. Das hätten auch Besuche in Bad Bevensen, Bad Eilsen und Bad Sooden-Allendorf gezeigt. Und letztlich zeige dies, wenn auch eine Nummer größer, die Osnabrückhalle. Klar sei auch: Für einen Veranstaltungs- und Kongressbereich würden weiterhin Zuschüsse aus dem Gemeindesäckel fließen müssen. 


Damit das Projekt gelingt, müsse allerdings noch einige Energie in die Planung und die Entwicklung eines tragfähigen Konzeptes fließen. Wann also in Bad Rothenfelde beim Tanztee oder bei Turnieren des TSZ Creativ Osnabrück die Paare übers Parkett schweben, wann Chöre singen oder Bands den Saal rocken, da will er sich ungern festlegen. Rehkämper: "Ich wäre sehr froh, wenn wir 2023 etwas Neues anbieten können."  Über Zwischenlösungen werde schon jetzt nachgedacht. Der nächste Tourismusausschuss befasst sich zum Beispiel mit der Zukunft der Rothenfelder Mahlzeit: Vielleicht findet die ja diesmal im Sommer wenige Schritte entfernt im Konzertgarten unter freiem Himmel statt.       

                     

   


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