Mediziner fordern ein Umdenken Palliativmedizin bei Herzschwäche noch in den Kinderschuhen

Von pm

Über Palliativmedizin bei Herzschwäche informierten (von links) Prof. Dr. Christian Pott, Dr. Florian Reinke, Dr. Nadja Mayer-Wingert, Prof. Dr. Gerold Mönnig, Prof. Dr. Gerhard Pott und Prof. Dr. Jürgen Sindermann. Foto: Schüchtermann-Klinik/MeierÜber Palliativmedizin bei Herzschwäche informierten (von links) Prof. Dr. Christian Pott, Dr. Florian Reinke, Dr. Nadja Mayer-Wingert, Prof. Dr. Gerold Mönnig, Prof. Dr. Gerhard Pott und Prof. Dr. Jürgen Sindermann. Foto: Schüchtermann-Klinik/Meier
Daniel Meyer

Bad Rothenfelde/Osnabrück. Es sterben mehr Menschen an Herzerkrankungen als an Tumoren. Die Palliativmedizin konzentriert sich allerdings bisher fast ausschließlich auf Krebserkranke. Das müsse sich ändern, forderten Palliativmediziner und Kardiologen bei einer gemeinsamen Veranstaltung, zu der die Schüchtermann-Klinik in das Piesberger Gesellschaftshaus eingeladen hatte.

Dabei ging es um die Frage, wie Patienten mit lebensbedrohlicher Herzschwäche palliativ geholfen werden kann. Auch sie leiden in der letzten Phase ihres Lebens unter Atemnot, Schmerzen, Unruhe und Angst.  

Prof. Dr. Christian Pott, Oberarzt der Kardiologie an der Schüchtermann-Klinik, betonte  in seiner Begrüßung, Herzpatienten stürben heute im Zeitalter des implantierten Kardioverter-Defibrillators (ICD) weniger am plötzlichen Herztod, als an der Herzschwäche im Endstadium. Dies sei ein deutlich langsamerer Sterbeprozess. Dennoch, so Pott, beschäftigten sich die kardiologischen und palliativmedizinischen Fachgesellschaften bisher kaum mit diesem Thema.

Prof. Dr. Jürgen Sindermann, Chefarzt der Rehabilitation an der Schüchtermann-Klinik, berichtete von immer wieder zu hörenden Aussagen wie „zum Glück ist es kein Tumor, sondern das Herz“. Das aber sei falsch, oft seien Herzerkrankungen schwerwiegender als Tumore, die oft besser behandelbar seien. Er rief dazu auf, offen zu besprechen, wann zum Beispiel ein Defibrillator abgestellt werden solle. Das sollte auch Teil einer Patientenverfügung sein. Sindermann erläuterte: Palliativmedizin sei zum Teil immer noch negativ belegt, hier müsse aber das Positive hervorgehoben werden. Denn sie sorge für mehr Lebensqualität. Eine Palliativbehandlung habe oft eine Rückkehr nach Hause zum Ziel.

Dr. Florian Reinke, Leitender Oberarzt der Kardiologie II am Uniklinikum Münster, ging auf die kardiologischen und nichtkardiologischen Palliativpatienten mit implantiertem Defibrillator ein. Er sagte, es gebe im klinischen Alltag eine große Unsicherheit im Umgang mit Defibrillator-Patienten am Ende des Lebens. Es gehe in dieser Lebensendphase um Lebenserhalt und eine gute Lebensqualität. Aber nur wenige Patienten setzten sich damit auseinander.

Dr. Nadja Mayer-Wingert, Fachärztin für Innere Medizin und Palliativmedizin an der Schüchtermann-Klinik, forderte eine Förderung der palliativen Versorgung in der Kardiologie: „Wir verstehen unsere Versorgung ganzheitlich, also bis zum Lebensende.“

Prof. Dr. Gerhard Pott, Internist und Palliativmediziner, ging auf ethische und rechtliche Aspekte der Palliativmedizin ein. Es gebe keine philosophisch ableitbare Letztbegründung, aus der der Arzt konkrete Handlungsanweisungen am Lebensende seines Patienten ableiten könne. Die theologische Letztbegründung werde immer weniger akzeptiert. Die Palliativmedizin habe - wie die Medizin allgemein - den Anspruch helfen zu wollen. Die wichtigsten Ziele der Palliativmedizin seien die Beherrschung der Schmerzen zur Minderung des Leids und ein Lebensende in Würde für den Patienten.

Prof. Dr. Gerold Mönnig, Chefarzt der Kardiologie der Schüchtermann-Klinik, fasste zum Abschluss zusammen, dass „Kardiologen und Palliativmediziner mehr aufeinander zugehen müssen um eine umfassende Versorgung des Herzpatienten auch am Lebensende zu gewährleisten“.


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