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Senioren widersetzen sich Tanztee im Bad Rothenfelder Kurhaus vor dem Aus?

Das hält jung: Beim Tanztee im Kurhaus erobern die Senioren die Tanzfläche. Foto: Elvira PartonDas hält jung: Beim Tanztee im Kurhaus erobern die Senioren die Tanzfläche. Foto: Elvira Parton

Bad Rothenfelde. Seit 1982 kommen Senioren zum Tanztee nach Bad Rothenfelde. Damit soll Ende des Jahres Schluss sein, denn die Zukunft des Kurhauses ist ungewiss. Das lassen sich die junggebliebenen Tänzer aber nicht einfach so gefallen.

Ein Sonntag in Bad Rothenfelde. Viele Spaziergänger schlendern durch den Ort, vorbei am Kurhaus. Nicht jeder weiß, was sich darin abspielt. Der ein oder andere wundert sich über die gedämpften Bässe, die an diesem sonnigen Nachmittag aus dem Gebäude dringen. Etwas verspätet huscht ein älteres Ehepaar ins Gebäude, die Veranstaltung ist schon in vollem Gange.

Eine andere Welt

Dann öffnen sich die Türen zum großen Saal des Kurhauses. Das Eintreten gleicht einer Zeitreise. Unter hohen Decken, umgeben von mit dunklem Holz vertäfelten Wänden stehen mehrere Dutzend Tische mit weißen Tischdecken und rot gepolsterten Stühlen. Ein Ambiente, das wohl in jedem anderen Kontext etwas angestaubt wirken würde, passt hier hinein, als wäre der Saal nur für diese Nachmittage gebaut worden. Die Tanzkapelle "Soundstars" gibt eine Saxofon-Version von "Tränen lügen nicht" zum besten, begleitet von einem Keyboard mit hochgedrehtem Synthesizer. 

Besetzt sind die Tische zu diesem Zeitpunkt kaum. Stattdessen fegen die rund 100 Tanzpaare über das Parkett. Dass sich das Durchschnittsalter im Raum jenseits der 70 bewegt, fällt hier nicht auf. Zu Walzer und Discofox schwingen sie das Tanzbein, als wären sie wieder Anfang 20. Die Zwei-Personen-Kapelle schwenkt jetzt auf englischsprachige Schlager um. Im glitzernden Kaftan schwebt die Sängerin über die Bühne und singt Lieder von Liebe in lauen Sommernächten. 

Zu wenige Angebote

Es wirkt wie eine eingeschworene Gemeinschaft. Der Großteil der Besucher kommt seit Jahren, meist Jahrzehnten, regelmäßig her. Ob aus Münster, Hannover oder dem Ruhrgebiet, sie nehmen teils weite Fahrten auf sich. Nur wenige der junggebliebenen Senioren hier im Saal kommen aus Bad Rothenfelde.

Der Tanztee ist ein Besuchermagnet, denn Veranstaltungen wie diese gebe es kaum noch, erzählt Gisela Lemke. Sie kommt seit Jahren gerne her, denn das Angebot sei rar: "Wo können Leute in unserem Alter denn heute noch tanzen gehen?" 

Und tatsächlich, Tanztees dieser Art gibt es kaum noch. Und nun könnte dieser nach über 35 Jahren auch zu Ende gehen. Helmut Wieland, der seit 15 Jahren aus Rödinghausen zum Tanztee kommt, fürchtet, dass das Bad Rothenfelder Kurhaus abgerissen und Wohnhäusern weichen soll. Entschieden ist das aber noch nicht.

Man hat sich schick gemacht für diesen besonderen Nachmittag. Die Herren tragen überwiegend Hemd, Krawatte und Sakko, die Damen glänzen in Pailletten und Schmuck um die Wette. Das hier ist etwas besonderes für jeden im Raum, das wird beim Blick auf die im Takt wiegende Menge klar. Nach drei Liedern sagt die Tanzkapelle eine kurze Pause an. Die Menge der Tanzenden verteilt sich an die Tische. 

Nie mehr Tanztee?

Die Zukunft der Veranstaltung steht in den Sternen. Findet sich kein Saal, der groß genug für die rund 200 tanzenden Senioren ist, würde das – wahrscheinliche – Ende des Kurhauses auch das Ende des Tanztees bedeuten. Das schlägt sich auf die Stimmung nieder. Die Rettung des Events ist Gesprächsthema Nummer eins an den Tischen. Bei Kaffee und Sahnetorte diskutieren die älteren Herrschaften, an wen man sich wenden könne: Die Investoren? Die Gemeinde? Bürgermeister Klaus Rehkämper hatte im vergangenem Jahr erklärt, dass die Gemeinde monatlich 500 Euro für den Erhalt der Veranstaltung zur Verfügung stellen wolle.

Schließlich habe ja der ganze Ort etwas vom Tanztee, erzählt Wieland: "Wir kommen ja nicht nur zum Tanzen her, sondern gehen dann auch im Ort einkaufen und essen." Erwin Wöbeking von der Tanzkapelle Soundstars, die seit 1982 den Tanztee begleitet, pflichtet dem bei: "Etwa 80 Prozent der Anwesenden kommt zu jedem dieser Sonntage." 

Hoffnung im Campotel

Immerhin einen Lichtblick gibt es mittlerweile. Gemeinsam mit dem Campotel haben einige der Beteiligten nun einen Ersatz ins Leben gerufen. Weder die Kapazitäten, noch die Atmosphäre könnten aber mit dem Kurhaus mithalten, so Gisela Lemke. 

Für die Senioren ginge mit dem möglichen Ende des Kurhauses eine Ära zu Ende. Doch für den Moment tanzen sie weiter. Die Tanzkapelle beginnt wieder zu spielen, deutsche Schlager dieses Mal. Man sieht ältere Herren, die sich die weißen Haare zurück streichen. Die Pailletten der Damen glitzern im Sonnenlicht, das durch die hohen Fenster fällt. Und für den Rest des Nachmittags sind alle wieder jung.


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