Kassenführung ohne Belege? Knatsch im Rothenfelder Kurverein: Staatsanwalt ermittelt

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Nach einer Vorstandssitzung im März 2018 stellten (von links) Onat Temme, Dirk Dreyer, Rosemarie Gätje und Arne Unnerstall die Zukunftspläne des Vereins vor. Foto: Marius PaulNach einer Vorstandssitzung im März 2018 stellten (von links) Onat Temme, Dirk Dreyer, Rosemarie Gätje und Arne Unnerstall die Zukunftspläne des Vereins vor. Foto: Marius Paul

Bad Rothenfelde. Im Bad Rothenfelder Kur- und Verkehrsverein brennt die Luft. Es geht um eine Barkasse, fehlende Belege und eine Kassenprüfung ohne Kassenprüfer. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die erste Vorsitzende. Und am Mittwoch steht eine Mitgliederversammlung an.

Die Stimmung im Vorstand des Vereins ist seit längerer Zeit angespannt. Oft war der siebenköpfige Vorstand nicht beschlussfähig, weil weniger als vier Mitglieder anwesend waren. Informationen der Vorsitzenden Onat Temme zu Teilen des Vorstands flossen offenbar spärlich.

Am Ende war es der zweite Vorsitzende Dirk Dreyer, der das Verfahren in Gang brachte. "Mir wäre es wesentlich lieber gewesen, wir hätten die Vorgänge intern klären können", sagte er auf Anfrage unserer Redaktion. Das sei leider nicht möglich gewesen. Immer wieder hätten er und Vorstandskollegin Rosemarie Gätje die Vorsitzende um Erläuterungen und Belege gebeten. Vergeblich. 

Der Vorstand haftet

Der Vorstand hafte gesamtschuldnerisch, erklärt der Hotelier seine Besorgnis über die Vorgänge im Vorstand. Deshalb hat Dreyer die Löschung seiner Funktion als Zweiter Vorsitzender beim Amtsgericht Osnabrück beantragt und vorsorglich die Staatsanwaltschaft über die Vorgänge informiert.

Diese hat im Januar Ermittlungen aufgenommen. Der Vorwurf gegen Temme laute "Betrug und Untreue", so ein Behördensprecher. Die Polizei habe erste Zeugen vernommen. Dabei geht es nicht darum, dass jemand Geld in die eigene Kasse verschoben hätte. Strittig sind die Kassenprüfung des Vereins und die Führung der Barkasse. 

Zur Sache

Was macht der Kur- und Verkehrsverein?
Der Kur- und Verkehrsverein (KVV) wurde Mitte der 60er Jahre unter dem Namen Verschönerungsverein gegründet. Er fördert laut seiner Satzung Kurbetrieb und Fremdenverkehr in Bad Rothenfelde und ist die örtliche Fremdenverkehrsorganisation. Mitglieder sind Hotels, Zimmervermieter, Pensionsbesitzer, Gastronomen und Kliniken, aber auch Menschen, die sich für den Ort engagieren möchten. Zu seinen Spitzenzeiten hatte der KVV 200 Mitglieder, heute sind es 85. Diese zahlen je nach Größe einen Mitgliedsbeitrag, von dem auch die Kur & Touristik profitiert. Bis zu 25000 Euro überwies der KVV jedes Jahr an die K&T, an der er der KVV beteiligt ist. Aktuell sind es um die 16000 Euro.

Dreyer und Gätje erinnern sich an eine Vorstandssitzung im vergangenen Jahr, zu Dritt mit Temme. Zuvor hatten sich Bad Rothenfelde und der KVV auf der Iburger Landesgartenschau präsentiert und Solesalz verkauft, das der Verein zum Teil ankauft.

Temme habe einen Geldbeutel mit Laga-Erlösen auf den Tisch gelegt. Eine Aufstellung dazu habe gefehlt. Da die Frauen, die das Rothenfelder Salz auf der Laga verkauft hatten, ihren Stundenlohn hätten quittieren können und es für das Salz Ein- und Ausgangsrechnungen hätte geben müssen, meint Gätje, habe sie Temme nach Belegen gefragt. Deren Antwort sei gewesen: "Das haben wir nie gemacht. Das geht euch einen Scheißdreck an." 

Foto: Achim Köpp

Schon zwei Wochen vor der turbulenten, vorzeitig abgebrochenen Jahreshauptversammlung im November 2018 zog sich Gätje aus dem Vorstand zurück, damit verbunden ihr Rücktritt als KVV-Vertreterin in der Gesellschafterversammlung der gemeindeeigenen Kur & Touristik (K&T). In ihrem Rücktrittschreiben weist sie darauf hin, dass sie "keine Verantwortung und Haftung für die nicht ordnungsgemäß geführte Bargeldkasse" übernehme, deren "Mißstände" sie nicht herbeigeführt habe. Seit Mai 2018 habe sie mehrfach die korrekte Kassenführung angemahnt. 

Temme lehnte den Rücktritt ab. Gätje habe keinen triftigen Grund genannt. Allerdings muss sie das gemäß der Satzung auch nicht.

Kein triftiger Grund für den Rückzug?

Bargeldkasse und Kassenbuch führt Hotelier Arne Unnerstall als Kassenwart. Über die Bargeldkasse würden kleine Einnahmen und Ausgaben laufen, so Temme gegenüber unserer Redaktion. "Es lag auch bei Vorstandssitzungen aus", betont sie. Nie habe jemand hineinschauen wollen. 

Das eigentliche Konto des KVV führt eine Mitarbeiterin der K&T. In den Kontenlisten heißt es gelegentlich: "Ohne Beleg", so bei einer Bareinzahlung von 650 Euro. 

In einer weiteren Vorstandssitzung im August 2018 – angesetzt auf Drängen von Dreyer und Gätje –  seien ihre Fragen erneut "abgebügelt" worden, berichtet Gätje. Temme sagt dazu: 

"Da fehlt kein Beleg, da ist alles vernünftig aufgelistet. Wenn etwas fehlen würde, würde uns die Mitarbeiterin der K&T Bescheid geben. Das hat mit mir und Arne Unnerstall nichts zu tun."Onat Temme

Die Belege könne jedes Vorstandsmitglied anfordern. Unnerstall: "Das Kassenbuch passt. Es hätten jederzeit alle hineinschauen können. Alles ist korrekt und belegbar." 

Nächster Konfliktpunkt ist die Kassenprüfung: Gätje und Dreyer berichten, dass sie Temme und dann auch die Kassenprüfer wenige Tage vor der Jahreshauptversammlung im November nach der Kassenprüfung gefragt hätten. "Die Kassenprüfer teilten mir mit, dass die Kasse für 2017 noch nicht geprüft war", erinnert sich Gätje. 

Dann Ende November 2018 die Jahreshauptversammlung: Im nichtöffentlichen Teil – auch Bürgermeister Klaus Rehkämper musste den Raum als Nichtvereinsmitglied verlassen – hielt Temme Gätjes Rücktrittschreiben in die Luft. Auch Kassenwart Arne Unnerstall kündigte an, den Vorstand verlassen zu wollen. Dann schilderte Gätje die Ereignisse der vergangenen Monate aus ihrer Sicht. Es wurde hitzig, berichten Teilnehmer übereinstimmend.

Direkt nach der Sitzung sprach Temme gegenüber unserer Redaktion davon, dass sie im nichtöffentlichen Teil der "Veruntreuung" beschuldigt worden sei. Das sei Rufmord. Gätje weist das von sich:

"Ich habe nie von Untreue oder Veruntreuung gesprochen, nur das Geschehene geschildert." Rosemarie Gätje

Inzwischen bestreitet Temme, etwas aus dem nichtöffentlichen Teil der Sitzung erzählt zu haben.

Im anschließenden zweiten öffentlichen Sitzungsteil teilte Temme den Mitgliedern dann mit, dass ein Steuerberater die Kasse für 2016 und 2017 geprüft habe. "Wenn es ein Steuerberater prüft, muss es ja wohl stimmen", so ihre Aussage. Sie habe den Steuerberater von ihrem privaten Geld bezahlt, erklärte Temme unserer Redaktion. "Weil ich mir von niemandem etwas ans Bein binden lassen möchte." 

Die bestellten Kassenprüfer des Vereins seien leider durch längere Erkrankungen nicht zur Kassenprüfung in der Lage gewesen. "Dafür dürfte jeder Verständnis haben. Aber wir haben das gut gelöst." Der Steuerberater des Vereins habe kommissarisch geprüft, die Versammlung den Vorstand entlastet.

Dreyer und Gätje fürchten dagegen, dass der Vorstand nicht wirklich entlastet wurde:

"Kassenprüfer und Steuerberater waren nicht da. Und ein Protokoll der Sitzung liegt uns bis heute nicht vor."Dirk Dreyer

Jedes Vorstandsmitglied hätte jederzeit Einsicht in die Unterlagen nehmen können, betont dagegen Temme. Dreyer erklärt dazu, genau das versucht zu haben. Nach mehreren Anfragen vor der Hauptversammlung habe er Temme wenige Tage nach der Versammlung schriftlich gebeten, die Akten zur Einsicht in die K&T zu bringen. "Wir haben 45 Minuten gewartet. Leider kam Onat Temme nicht."

Temme: "Da habe ich rechtlich geklärt, was ich darf und muss. Daran halte ich mich." Sie habe inzwischen zwei Anwälte. "Aber ohne konkrete Vorwürfe können die nicht aktiv werden." Sie verstehe nicht, warum man Vorwürfe nicht erst im Vorstand besprechen könne: "Danach kannst Du jeden Weg gehen." Im Übrigen hätten sie und Arne Unnerstall sich nichts zuschulden kommen lassen.

Keine Jahreshauptversammlung

Dass es 2017 keine Jahreshauptversammlung gab, begründet sie mit Terminschwierigkeiten: "Ostern und das Ostergeschäft kamen, so ist es ja oft, früher als gedacht. Dann wollten wir die Versammlung im Herbst machen." Leider sei ihr Vater im Oktober verstorben, sie später verreist, "dann kam das Weihnachtsgeschäft." 

Auch diese Absagen seien nicht mit dem Vorstand abgestimmt worden, wundern sich Dreyer und Gätje. Dreyer hätte die Sitzung als Temmes Stellvertreter ohne Weiteres leiten können.

Nun hat Onat Temme für Mittwoch, 13. Februar, um 19.30 Uhr ins Hotel zur Post zur Mitgliederversammlung eingeladen, inklusive Entlastung des Vorstands für 2018 und der Wahl eines neuen Vorstands.

Vorstandswahlen am 13. Februar

Ein Versuch von Dirk Dreyer und Martin Diekamp, den Kassenbericht für 2016 und 2017 einzusehen, scheiterte. Sie habe keine Zeit und sehe kein berechtigtes Interesse und keine Dringlichkeit, beschied Temme den beiden. Der Kassenbericht werde in der Versammlung am 13. Februar umfassend vorgestellt. Am 12. Februar korrigierte sie das in einer Mail an die Mitglieder: Vorgestellt werde der Kassenbericht für 2018.


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