Zuwenig bezahlbarer Wohnraum Derzeit 17 junge Obdachlose in Bad Rothenfelde

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Rothenfelde Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Lernstandort Noller Schlucht in Dissen versucht, durch präventive Projekte und Berufsvorbereitung junge Leute vor Arbeits- und Wohnungslosigkeit zu schützen.  Archivfoto: David EbenerDer Lernstandort Noller Schlucht in Dissen versucht, durch präventive Projekte und Berufsvorbereitung junge Leute vor Arbeits- und Wohnungslosigkeit zu schützen. Archivfoto: David Ebener

Bad Rothenfelde. Immer mehr junge Menschen werden unfreiwillig obdachlos – auch in Bad Rothenfelde. Ihre Unterbringung beschäftigte jetzt den Schul-, Jugend- und Sozialausschuss.

Bezahlbarer Wohnraum ist nicht immer leicht zu finden. Das bekommt so mancher Mietinteressierte zu spüren, aber auch die Gemeinde selbst. Sie ist per Gesetz verantwortlich unter anderem für die vorübergehende Unterbringung von unfreiwillig Obdachlosen. In Bad Rothenfelde seien dafür acht Wohnungen angemietet, in denen derzeit 17 Personen untergebracht sind, berichtete Ordnungsamtsleiter Karl-Wilhelm Twelkemeyer den Mitgliedern des Ausschusses.

Die mit Minimalausstattung versehenen Wohnungen dienen ausschließlich als vorübergehende Unterkünfte, die den Betroffenen nicht vermietet, sondern in die sie eingewiesen werden. Die Suche nach geeignetem Wohnraum für diese gemeindliche Aufgabe werde jedoch immer schwieriger, erklärte Twelkemeyer. Durch Einzelfälle von vermüllt hinterlassenen Wohnungen wird diese Suche nicht einfacher. Gleichzeitig ist die Zahl insbesondere junger Menschen, die obdachlos werden, im Kurort deutlich angestiegen.

Teufelskreis Wohnungslosigkeit

„Das ist ein gesellschaftliches Problem“, beurteilte Onat Temme (SPD) die Entwicklung. Hier müsse frühzeitig angesetzt werden, um Hilfestellung zu geben. Auf vorhandene Angebote von präventiven Projekten zur Berufsvorbereitung etwa des Lernstandortes Noller Schlucht verwies Jugendpflegerin Iris Behmerburg-Olbricht. Sie gab jedoch gleichzeitig zu bedenken: „Dieses Problem hat viele Ursachen.“ Ist die Wohnungslosigkeit erst eingetreten, wird es schwer: „Ohne Arbeit keine Wohnung, ohne Wohnung keine Arbeit“, skizzierte die Jugendpflegerin den Teufelskreis. Um ihn zu durchbrechen, ist die vorübergehende Unterbringung nur ein allererster Schritt.

Wohnraum müssen die Kommunen unterdessen auch für Flüchtlinge und Asylbewerber vorhalten. Bad Rothenfelde setzt dafür auf eine dezentrale Unterbringung in mehreren angemieteten Wohnungen. Dabei gilt, da Flüchtlinge Sozialleistungen beziehen, der gesetzliche Grundsatz der Angemessenheit. Angemessen? Auf die von der Gemeinde geforderten Mieten trifft diese Bezeichnung für Dirk Lange-Mensing (Grüne) nicht in jedem Fall zu.

Mietpreisspiegel kommt

Als „völlig überzogen“ beurteilte auch Jens Brinkmann (SPD) so manche Miete bei den insgesamt 19 Wohneinheiten. Die Gemeinde solle deshalb prüfen, so Brinkmann, ob sie nicht Wohnraum selbst oder mit einem Bauträger schaffe könne – zu günstigeren Konditionen und mit besserem Standard. Doch was genau heißt „angemessen“ in Bad Rothenfelde? Eine Antwort könnte der Mietpreisspiegel liefern, der in der nächsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses vorgestellt werden soll. Seine Erstellung ist eine Maßnahme auf dem Weg, die Versorgung mit bezahlbarem und öffentlich geförderten Wohnraum am Ort insgesamt zu betrachten.

Geduld ist noch an anderer Stelle gefragt: „Der Planungsprozess mit den Verantwortlichen der Schüchtermann-Klinik für den Notarztstandort in Bad Rothenfelde am Standort Osnabrücker Straße 14 schreitet voran“, zitierte Karl-Wilhelm Twelkemeyer aus einem Schreiben der Ersten Kreisrätin Bärbel Rosensträter. Der Investor rechne mit einer Projektrealisierung innerhalb von 15 Monaten ab Vertragsabschluss. Wann der jedoch unterschrieben wird, blieb offen.

Offen ist auch eine - sachlich damit nicht verbundene - Frage, auf die Dirk Lange-Mensing  verwies: Er erinnerte an die Anfrage der Grünen an den Landkreis nach dem Sachstand der Akut- und Notfallversorgung im Südkreis. Die sei bereits vor einem Jahr gestellt und noch immer nicht beantwortet worden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN