Für Patienten mit schweren Erkrankungen Ärzte wollen Reha verbessern: Rothenfelder Klinik in Pilotprojekt

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Die Klinik Münsterland in Bad Rothenfelde gehört zu den fünf deutschen Reha-Kliniken, die am Pilotprojekt Reha-Kompetenz-Zentren (RKC) teilnehmen. Foto: David EbenerDie Klinik Münsterland in Bad Rothenfelde gehört zu den fünf deutschen Reha-Kliniken, die am Pilotprojekt Reha-Kompetenz-Zentren (RKC) teilnehmen. Foto: David Ebener

Bad Rothenfelde. Patienten mit besonders schweren Erkrankungen wie einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer Amputation sind nach einer normalen Reha oft längst noch nicht so fit, dass sie ihren Alltag bewältigen können. Sie brauchen eine besondere Reha-Strategie, für die es in den Kliniken jedoch oft an Zeit und Fachwissen fehlt. Ein Pilotprojekt soll das ändern. Eine der fünf beteiligten Reha-Kliniken ist die Klinik Münsterland in Bad Rothenfelde.

Nach einer Rehabilitation ist in der hausärztlichen Versorgung eine professionelle Abklärung der Beeinträchtigungen und die Planung weiterer Therapien oft nicht optimal. Deshalb fördert der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses ein von Wissenschaftlern und Ärzten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ins Leben gerufenes Förderprojekt, das die Versorgung von Patienten mit komplexen Gesundheitsstörungen verbessern soll.

Das Projekt mit dem komplizierten Namen "Reha-Kompetenz: Interdisziplinäre und individualisierte Reha-Beratung bei drohender Versorgungslücke sowie bei persistierenden Teilhabestörungen" ist zunächst auf drei Jahre angelegt und wendet sich an Menschen mit erheblichen Einschränkungen, die nach einem Schlaganfall oder Krebs, einer Transplantation oder Amputation trotz einer Rehabilitions-Maßnahme nicht vollständig an der Gesellschaft teilhaben und eigene Lebensziele umsetzen können.

2,4 Millionen Euro für das Pilotprojekt

Für das Projekt stehen 2,4 Millionen Euro zur Verfügung, die in der Pilotphase 1700 Patienten zugute kommen sollen. Die Leitung übernimmt die von Prof. Christoph Gutenbrenner geleitete MHH-Klinik für Rehabilitations-Medizin.

Fünf Reha-Kompetenz-Zentren (RKC) sollen entstehen: in Bad Rothenfelde, Hannover, Bad Bramstedt, Hamburg und Berlin. In diesen Zentren arbeiten fachübergreifende Expertenteams aus Fachärzten, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen und Mitarbeitern im Sozialdienst – nach einer umfangreichen Untersuchung – für und mit den Patienten einen passgenauen Reha-Plan aus. Dabei kann die Expertise der RKC auch telemedizinisch in Anspruch genommen werden.

Foto: Michael Gründel


In der orthopädisch-traumatologischen Reha-Klinik Münsterland kümmert sich Chefarzt Prof. Bernhard Greitemann um das Projekt. Es greift an drei Punkten: vor der Reha nach der Reha und in Fällen, bei denen jemand trotz Reha auch nach einiger Zeit nicht zurück in seinen Job findet. "Wir können unsere Reha-Fachkompetenz Akut-Kliniken zur Verfügung stellen, indem wir frühzeitig ein Reha-Assessment durchführen", sagt Greitemann. So könne beispielsweise für einen Patienten mit Rückenschmerzen nach einem Check-Up durch Orthopäden, Psychotherapeuten und Ergotherapeuten besser die passende Behandlung gefunden werden.

"Ein anderer Fall: Eine alte Dame ist nach einer Amputation und der anschließenden Reha immer noch im Pflegeheim. Hier muss geklärt werden, warum das so ist." 


Üblicherweise muss dann vier bis sechs Wochen gewartet werdenProf. Bernhard Greitemann


Doch auch jüngere Patienten können durchs Raster fallen: "Bei amputierten Patienten werden die Muskeln oft mit Nähten an den Knochen befestigt. Üblicherweise muss dann vier bis sechs Wochen mit einer normalen Reha gewartet werden. Aber wohin in der Zwischenzeit?" Auch hier gebe es bessere Möglichkeiten, als den Patienten Zuhause nur auf die Reha warten zu lassen. "Er braucht in dieser Zeit vielleicht auch psychotherapeutische Hilfe."

Die Patienten für das Pilotprojekt suche sich die Klinik Münsterlandnormalerweise nicht selbst. "Die Akut-Kliniken und die Krankenkassen müssen sie finden." Die Auswahl sei eine medizinische Entscheidung.

Für die Teilhabe am Leben

Weitere Krankenhäuser, die am Pilotprojekt teilnehmen, sind das BG-Klinikum in Hamburg, das Klinikum Bad Bramstedt und das BG-Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin. Ausgewertet wird das Projekt in Bielefeld. Wenn sich das Modell bewährt, könnte es in die Regelversorgung einfließen und die Teilhabe von Patienten mit komplexen Gesundheitsstörungen am sozialen und beruflichen Leben wiederherstellen und sichern. Die Erkenntnisse und Konzepte aus dem Projekt könnten für die Gründung weiterer Reha-Kompetenz-Zentren genutzt werden.


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