Kurhaus, Kläranlage, Parkplätze Rundgang mit Rehkämper: Was 2019 in Bad Rothenfelde wichtig wird

In Bad Rothenfelde ist man gut zu Fuß unterwegs, auch beim Rundgang mit Bürgermeister Klaus Rehkämper. Foto: Jörn MartensIn Bad Rothenfelde ist man gut zu Fuß unterwegs, auch beim Rundgang mit Bürgermeister Klaus Rehkämper. Foto: Jörn Martens 

Bad Rothenfelde. Welche Aufgaben hat sich Bad Rothenfelde für 2019 vorgenommen? Was wird wichtig in diesem Jahr? Darüber sprechen wir im Rathaus und direkt vor Ort mit Klaus Rehkämper. Nach anderthalb Stunden im Bürgermeisterbüro geht's auf einen Spaziergang durch den Ort.

Der Bürgermeister beginnt – noch in seinem Büro – mit einem Thema, das am Ende der Nahrungskette liegt: der Kläranlage. Die liegt allen Gemeinde-Oberhäuptern am Herzen, weil ohne sie ausreichend dimensionierte Kläranlage kein Ort wachsen kann. Und Bad Rothenfelde wolle und werde wachsen.  

Gewinner der Bevölkerungsprognose

"Nach der Bevölkerungsprognose wird Bad Rothenfelde zu den Gewinnern gehören", sagt Klaus Rehkämper, der auch Betriebsleiter des Abwasserbetriebs und des Wasserwerks ist. Immobilienpreise und Einwohnerzahlenunterstreichen die starke Nachfrage für das Wohnen in Bad Rothenfelde.


"Wir vergrößern die Kapazität unserer Kläranlage": Klaus Rehkämper erzählt, was 2019 im Kurort wichtig wird. Foto: Jörn Martens


Die Rothenfelder Kläranlage ist ein Eigenbetrieb. "Vor zwei Jahren haben wir die Erneuerung auf den Weg gebracht, 2018 den ersten Bauabschnitt in Angriff genommen. Sanierung und Optimierung der Technik und des Belebungsbeckens haben 700.000 Euro gekostet." Für 2019 sei die Fortsetzung geplant, dabei werde die Kapazität von  12.500 auf 15.500 Einwohnergleichwerte erhöht. Das kostet mindestens 600.000 Euro.Was nicht bedeutet, dass Bad Rothenfelde von rund 8000 auf 14.000 Einwohner wachsen will. Große Nutzer sind Unternehmen und Kliniken.  

Das neue Baugebiet an der Straße am Wäldchen ist überzeichnetKlaus Rehkämper


Auch mehr junge Einwohner sind also das Ziel. Dafür hat Bad Rothenfelde in den vergangenen Jahren Baugebiete wie Lindenallee/Kalwerkamp ausgewiesen. Aktuell wird eine für 19 Baugrundstücke im Bereich Am Wäldchen in Aschendorf erschlossen. Über 50 Familien hätten sich auf die Bewerberliste eintragen lassen. Die NLG, die die Vermarktung übernimmt, habe jetzt 31 Rückläufe ernsthafter Interessenten erhalten. "Das Gebiet ist also überzeichnet." Und der Preis? "Wir rechnen mit 165 Euro pro Quadratmeter plus 1500 Euro Kostenanteil pro Grundstück für die Kontrollschächte für Schmutz- und Regenwasser", sagt Rehkämper.. 

Die Betreuung muss so gut sein, dass Beruf und Familie gut zusammenpassenBad Rothenfeldes Bürgermeister


Wer die Siedlungsentwicklung und damit junge Familien ins Visier nimmt, muss auch die Kinderbetreuung im Blick haben. "Da müssen wir uns engagieren. Die Betreuung muss so gut sein, dass Beruf und Familie gut zusammenpassen", findet der Bürgermeister. 

Bedarf verschiebt sich von Ü3 zu U3

Während für die Drei- bis Sechsjährigen eine Quote von nahezu 100 Prozent erreicht sei, liege die Deckungsquote bei den Krippenplätzen für die Kleinsten bei 52 Prozent, "aber der Bedarf geht von Ü3 zu U3. Bisher haben wir das über Tagesmütter geschafft, einige Eltern wollen das auch, aber wir brauchen in nächster Zeit auch eine weitere Krippe", erklärt der Bürgermeister auf dem Weg zur Ulmenallee. 


Nur der Giebel steht noch. Die Villa Lehmann wird neu aufgebaut. Foto: Jörn Martens


Vor der weißen Fassade der Villa Lehmann bleiben wir stehen: "Die neue Gruppe entsteht in Kooperation mit der Schüchtermann-Klinik in einer Art Privat-Öffentliche-Partnerschaft nach dem Vorbild der auf dem dortigen Grundstück bereits betriebenen KiTa Antoinette Schiller." 

Ins zweitälteste Haus des Ortes ziehen die Jüngsten ein

Dieses Modell habe sich bewährt. Einziehen soll in das wohl zweitälteste Haus des Ortes, von dem nur der Giebel blieb, eine altersgemischte Gruppe. "Die Aufteilung ist flexibel. Auch eine U3- oder Ü3-Gruppe wäre möglich." 

Foto: Jörn Martens


"Das Gebäude Villa Lehmann war nicht zu erhalten", sagt Rehkämper über das historische Haus. Die Gemeinde investiert nach Angaben des Bürgermeisters 664.000 Euro in die Immobilie, dazu kommen 84.000 Euro Zuschuss vom Land und 156.000 Euro von der Schüchtermann-Schiller'schen Kliniken GmbH & Co. KG, der das Grundstück gehört. "Dafür brauchen wir kein Grundstück zu kaufen und bezahlen keine Miete", zählt Rehkämper die Vorteile auf, die er in dem Modell sieht. 



Sieben Krippen- und elf Kita-Plätze sind geplant. "Die Schüchtermann-Klinik hat den ersten Zugriff für die Kinder der Mitarbeiter. Weil die Mitarbeiter aber oft auch Rothenfelder sind, ist das eine Win-Win-Geschichte. Denn die Betriebskosten für die Mitarbeiter-Kinder trägt die Schüchtermann-Klinik." Betreiber wird auch hier die katholische Kirche sein.


Foto: Jörn Martens


Doch der Ausbau der Kleinkindbetreuung müsse weiter gehen: "Aktuell prüfen wir für Aschendorf die Möglichkeit, weitere Plätze in der KiTa Löwenzahn (ehemalige Vorschule) zu schaffen. Anfang Februar wissen wir mehr über den Bedarf, dann kennen wir die Anmeldezahlen." 

Die Zahl der Übernachtungen müssen wir auch für die örtliche Wirtschaft aufrechterhaltenKlaus Rehkämper


Neben einem Plus an Einwohnern hat Rehkämper auch mehr Gäste und Tagesbesucher auf der Agenda. Aktuell liege Bad Rothenfelde bei 535.000 Übernachtungen im Jahr. "Diese Zahl müssen wir auch für die örtliche Wirtschaft aufrechterhalten. 

Gute Lage im Städtedreieck Osnabrück, Münster, Bielefeld

Unsere Aufgabe ist es im Moment, als hochprädikatisiertes Soleheilbad dranzubleiben, mit unserer Infrastruktur und der guten Lage an der Autobahn 33 und im Städtedreieck Osnabrück, Münster, Bielefeld." Bedenklich sei jedoch der Rückgang an privaten Betten.


Neu und gut vermietet: Der Gebäudekomplex, wo einst das Kaufhaus Strickling stand. Foto: Jörn Martens


Ewige Baustelle bleiben auch 2019 die Straßen. In diesem Jahr werden 300 Meter der Wiekstraße abgefräst und mit einer neuen Decke versehen: "Das kostet 175.000 Euro", sagt Klaus Rehkämper – und ist eine reine Unterhaltungsmaßnahme. "Für die Sanierung der Ulmenallee versuchen wir, Fördergelder einzuwerben."


Noch nicht scharf gestellt: Die Schrankenanlage an der Einfahrt zu Thermen- und Freibadparkplatz. Foto: Jörn Martens


Wer Straßen sagt, meint auch Parkplätze: "Wir brauchen mehr", findet der Bürgermeister. Dabei denkt er vor allem an den Thermen- und den Freibad-Parkplatz. 


Die alten Parkautomaten sind eingemottet. Foto: Jörn Martens


Vor der neuen Schranke an der Hannoverschen Straße, die der Betreiber OPG noch nicht in aktiviert hat, erklärt der Bürgermeister seine Sicht auf eine sinnvolle Parkraumgestaltung.



"Der Freibadparkplatz ist in einem schlechten Zustand, daran müssen wir arbeiten. Gerade weil der Parkplatz gebührenpflichtig ist.“ Dabei biete der hinter Bäumen versteckte Platz Möglichkeiten für ein Tiefgeschoss und zwei Parkdecks. Wo ist der Haken? "Der Hügel unter dem Parkplatz ist mit belastetem Material gefüllt. Bei Probebohrungen wurden PAK entdeckt. Weitere Bohrungen werden folgen."  


Foto: Jörn Martens


Mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) kontaminierte Böden müssen teuer entsorgt werden. Eine Alternative wäre ein Parkdeck auf Pfählen. "Da sind wir mit einem Ingenieurbüro in Überlegungen." Allein Entwässerung und Deckschicht würden 400.000 bis 700.000 Euro kosten. "2019 gehen wir da erstmal nicht ran“ Wichtig sei es jetzt, ein Parkleitsystem aufzubauen.

Unter dem Freibadparkplatz verbergen sich Altlasten, deren Beseitigung teuer würde. Foto: Jörn Martens


Die offene Jugendarbeit sei Anfang des Jahres von der evangelischen Kirche zurück an die Gemeinde gegangen. Die Jugendpflegerinnen werden nun direkt bei der Gemeinde angestellt. Damit kümmert sich die Verwaltung um JUZ, Familienservicebüro und die neue hauptberufliche Anlaufstelle für Senioren, die räumlich ans Familienzentrum angedockt wird: "Der Bedarf für die Seniorenstelle ist auf jeden Fall da."


Damit kann der Sportverein in diesem Jahr anfangenDer Bürgermeister


Was liegt noch an? Der SV Bad Rothenfelde braucht einen neuen Kunstrasenplatz. Wie kann die Gemeinde da helfen? "2005 hat der Verein den ersten Kunstrasenplatz gebaut. Wir haben damals als Hilfe zur Selbsthilfe einen 50-prozentigen Zuschuss gegeben. Vorausgesetzt, der Rat stimmt meinem Vorschlag zu, werden wir für die Erneuerung auf zwei Jahre verteilt insgesamt 130.000, also wieder 50 Prozent, Euro dazugeben. Damit könnte der Sportverein in diesem Jahr anfangen."

Die Feuerwehr braucht eine neue Drehleiter

Kostenpunkt 700.000 Euro. Hier muss die Gemeinde komplett ran. "Wir werden wohl 500.000 Euro davon kreditfinanzieren", kündigt der Bürgermeister an.

Foto: Jörn Martens


Viel wert sei Bad Rothenfelde auch das Kur- und Bäderwesen: Neben den 370.000 Euro Zuschuss für das Carpesol sollen 175.000 Euro ins Freibad fließen. Hinzu kommt der Verlust der Kur-GmbH. "Die Schulden der Kurverwaltung werden wir 2019 auf Null fahren können, dafür ist der Eigenbetrieb Bäderbetriebe hoch verschuldet. Als Gegenwert haben wir aber die Therme."

Das Freibad ist in die Jahre gekommen, aber ungebrochen beliebt: "Wir planen dort eine Sanierung des Sanitärtraktes und müssen entscheiden, ob wir reine Unterhaltung machen oder modernisieren. Dann wäre eine Trennung von Duschen und WCs sinnvoll. Auf jeden Fall wollen wir die Sanierung 2019 finanztechnisch vorbereiten."

Reine Sanierung oder Modernisierung fürs Freibad?

Das Freibad ist in die Jahre gekommen, aber ungebrochen beliebt: "Wir planen dort eine Sanierung des Sanitärtraktes und müssen entscheiden, ob wir reine Unterhaltung machen oder modernisieren. Dann wäre eine Trennung von Duschen und WCs sinnvoll. Auf jeden Fall wollen wir die Sanierung 2019 finanztechnisch vorbereiten."

Und die langfristigen Ziele? "Wir sind dabei, unseren Masterplan 2030 aufzustellen, ein strategisches Leitbild, das wir mit sehr guter Beteiligung der Bürger entwickeln. Die Endfassung wird am 8. Februar im Kurhaus vorgestellt und wandert dann in den Rat."

Foto: Jörn Martens


Apropos Kurhaus, das von der Ulmenallee nur ein paar Schritte entfernt ist: Wie dessen Zukunft aussehen soll, ist Rehkämper zufolge noch völlig offen: "Wenn wir als Region, also Südkreis und Landkreis, den Bedarf für ein Kultur- und Veranstaltungsgebäude dieser Größenordnung mit bis zu 500 Plätzen sehen, kann das Kurhaus nicht unsere alleinige Aufgabe sein."  

Von außen sieht es ja noch ganz gut ausRehkämper übers Kurhaus


Als die Existenz des Hauses in den 90er Jahren auf dem Spiel stand und Protest gegen den geplanten Abriss laut wurde, sei die Privatisierung des Betriebs und die Übergabe für eine Mark an die BRIG (Kurhaus-Betriebs-GmbH) eine Möglichkeit gewesen, den Betrieb weitere 20 Jahre aufrecht zu erhalten. "Von außen sieht es ja noch ganz gut aus", kommentiert der Bürgermeister das imposante 70-er Jahre-Gebäude. Hinter den Kulissen sei das anders.


"Wir werden mit den ILEK-Kommunen und dem Tourismusverband Osnabrücker Land sprechen", kündigt der Bürgermeister vor den Stufen zum Kurhaus an. Er stellt sich ein Modell ähnlich dem der Bad Bevenser in der Lüneburger Heide vor: Dort war das alte Kurhaus abgerissen und ein kleineres neues gebaut worden. "Für sechs Millionen Euro. Die Hälfte kam vom Land, eine Million vom Kreis. So ein Zweidrittel-Eindrittel-Modell böte auch uns eine Chance." Gut wäre es, wenn der Landkreis das Haus übernähme, findet Rehkämper


Klaus Rehkämper findet, dass die Gemeinde Bad Rothenfelde die Verantwortung für eine Veranstaltungshalle dieser Größenordnung nicht alleine tragen sollte. Foto: Jörn Martens


Nötig habe Bad Rothenfelde ein Kurhaus ja schließlich nicht zwingend, zeigt sich der Bürgermeister kapriziös: "Die staatliche Anerkennung als Kurort gibt es auch ohne Kurhaus. Wir haben ja noch das Haus des Gastes. Ein Veranstaltungsgebäude für den Südkreis könnte auch in Bad Laer entstehen." Andererseits böte natürlich gerade Bad Rothenfelde beste Rahmenbedingungen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN