Scrabble, Monopoly und Bridge Spielen ohne zu sehen: Selbsthilfegruppe der Blinden trifft sich in Bad Rothenfelde

Anfassen erwünscht: Jochen Schaefer (links) und Ingo Konrad probieren Sudoku für Blinde aus. Johanna Wahl schaut zu. Foto: Anke SchneiderAnfassen erwünscht: Jochen Schaefer (links) und Ingo Konrad probieren Sudoku für Blinde aus. Johanna Wahl schaut zu. Foto: Anke Schneider

Bad Rothenfelde. Einmal im Monat trifft sich die Selbsthilfegruppe der Blinden und Sehbehinderten in der Augenklinik in Bad Rothenfelde. Diesmal standen beim Treffen Spiele für Blinde im Focus der 20-köpfigen Runde. Auch die Spielehersteller haben die Sehbehinderten als Zielgruppe entdeckt. Wie funktionieren Gesellschaftsspiele, wenn man nicht sieht?

„Für andere heißt es `nur gucken, nicht anfassen`. Für Uns jedoch `nur anfassen, nicht gucken`“, sagte der Organisator der Treffen, Rainer Appelbaum scherzhaft. In der ersetzen Tastsinn, Gehör und Geruchssinn die Augen der blinden und sehbehinderten Menschen. Dank vieler Erfindungen und moderner Technik haben Menschen ohne ausreichendes Augenlicht heute Zugang zu fast allen Bereichen des Lebens. Auch zur unendlich großen Welt der Gesellschaftsspiele.

Von Kartenspielen bis Monopoly

Audiodeskriptionen beim Fernsehen oder VoiceOver beim Smartphone machen möglich, dass Blinde und Sehbehinderte alle Medien nutzen können. Auch Hersteller von Gesellschaftsspielen haben erkannt, dass blinde Menschen nicht an den Rand der Gesellschaft gehören. Von Kartenspielen über Scrabble oder Sudoku bis hin zu Mensch ärgere dich nicht und Monopoly wurde spiele mit viel Raffinesse für Blinde konzipiert. „Wir haben die Möglichkeit, die gleichen Spiele zu spielen wie zu unserer sehenden Zeit“, sagte Rainer Appelbaum

Zusammen mit sehenden Mitspielern

Der Schlüssel ist die Blindenschrift, die 1825 von dem Franzosen Louis Braille erfunden wurde. Blinde können mit Hilfe der erhobenen Punkte Zahlen und Buchstaben ertasten. Oft sind Kärtchen und Figuren mit Magneten bestückt, damit sie nicht versehentlich vom Feld geschubst werden können. Optisch sehen die Spiele aus wie die Version für Nicht-Blinde, so dass Sehbehinderte die Spiele auch mit Sehenden spielen können.

Zehn Minuten, um die Symbole zu erlernen

Rainer Appelbaum stellte gestern Spielkarten für Blinde und Sehbehinderte vor. Sie brauchen keine Braille-Schrift – Farben und zahlen werden durch Kreise und Striche markiert. „Man braucht etwa zehn Minuten, um die wenigen Symbole zu lernen“, so Appelbaum. Karin Buchwalski und Adelheid Custolis nutzten das Treffen, um Bridge-Clubs in Bad Rothenfelde und Bad Iburg vorzustellen. Die Clubs freuen sich immer über neue Mitglieder. „Bridge ist ein Spiel, das man nur zu viert spielen kann“, erklärte Karin Buchwalski. „Je zwei sich gegenübersitzende Spieler bilden eine Mannschaft“.

Einblicke in die Welt der Nicht-Sehenden

Die Gruppe trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 14.30 Uhr, das nächste Mal also am 12. Februar. Im Mittelpunkt des kommenden Treffens steht das Thema Kriminalität. „Wir haben Polizeioberkommissarin Sandra Middelberg, Sachbearbeiterin Prävention bei der Polizei Georgsmarienhütte, eingeladen“, kündigt Appelbaum an. Er betont, dass zu den monatlichen Treffen auch Angehörige eingeladen sind, um ihnen im wahrsten Sinne des Wortes Einblicke in die Welt der Nicht-Sehenden und Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Angehörigen zu geben. Weitere Informationen gibt es bei Rainer Appelbaum, Telefon 05426/1607.


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