Blick ins Salinenarchiv So warb Bad Rothenfelde vor 100 Jahren um Kurgäste

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Stöberten im Salinenarchiv in alten Reiseführern, Imagebroschüren und Gastgeber-Prospekten: Salinenarchivar Dirk Lange-Mensing und Sabine Leclercq-Schulte von der Kur und Touristik Bad Rothenfelde. Foto: Petra RopersStöberten im Salinenarchiv in alten Reiseführern, Imagebroschüren und Gastgeber-Prospekten: Salinenarchivar Dirk Lange-Mensing und Sabine Leclercq-Schulte von der Kur und Touristik Bad Rothenfelde. Foto: Petra Ropers

Bad Rothenfelde. Fließend Wasser, elektrisches Licht und ein staubfreier Garten: Das waren Argumente, mit denen Pensionen um 1900 eine Reise nach Bad Rothenfelde schmackhaft machen wollten. Von Kirchturmdenken war das örtliche Kur- und Tourismuswesen aber trotzdem weit entfernt, wie ein Blick ins Salinenarchiv zeigt.

Digitale Medien spielen bei der Urlaubsplanung und -gestaltung eine immer größere Rolle. Das belegen Zahlen von Tourismusmarketing Niedersachsen und des Verbandes Internet Reisevertrieb. Aber hat das klassische Prospekt damit ausgedient? "Prospekte sind und bleiben eine Quelle der Inspiration und Information", ist Sabine Leclercq-Schulte von Kur und Tourist Bad Rothenfelde überzeugt. 

Der Gast braucht auch das Herumblättern und Notizenmachen.

Interessantes aus den Nachbarorten

Allerdings beschränkt sich sein Interesse in der Regel nicht auf einen Ort allein. Er erwandert, erradelt und erkundet auch die umliegenden Attraktionen. Die Imagebroschüre für Bad Rothenfelde, die neben Informationen zu Veranstaltungen, Sehenswertem, Freizeittipps und mehr zugleich Anzeigen der Unterkunfts- und Gastronomiebetriebe bereithält, soll deshalb in Zukunft auch Interessantes in den Nachbarorten berücksichtigen – wie das Kuk-Haus in Dissen oder den Ockermarkt in Hilter.

Reiseführer von Dr. Kanzler

Ganz neu ist diese Idee nicht. Das zeigt ein Besuch im Salinenarchiv. Dort führt Dirk Lange-Mensing unter anderem einen von Dr. Otto Kanzler verfassten Reiseführer für Bad Rothenfelde im Bestand, der 1904 bereits in vierter Auflage herauskam. Der Badearzt warb darin: 

Der Aufenthalt in Rothenfelde ist einfach, kräftig und unter heutigen Verhältnissen auch noch billig zu nennen.


Den Gästen empfahl Kanzler jedoch auch Ausflüge über den Ort hinaus, etwa zur Sparrenburg nach Bielefeld oder nach Bockhorst und Versmold.

Finanziert durch Anzeigen

Finanziert wurde diese frühe Imagebroschüre wie auch die heutigen durch Anzeigen. Zu finden ist im Salinenarchiv auch "Woerls Reiseführer" von 1893. Zwar beschränkt sich dieses Büchlein ausschließlich auf Bad Rothenfelde. Doch wie wenig später Dr. Kanzler informierte schon sein Verfasser im Fließtext über Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten am Ort. Ein erstes einfaches Gastgeberverzeichnis, das die Logierhäuser, Hotels und Pensionen tabellenartig mit Zimmerpreisen aufführt, stammt aus dem Jahr 1902. "Wohnungsanzeiger" hieß das Blättchen ab 1927.

"Urlaubsmagazin" vereint alle Infos

Für Salinenarchivar Lange-Mensing sind die Gastgeberverzeichnisse eine wertvolle Quelle, belegen sie doch die Entwicklung von Kur- und Tourismuswesen am Ort. Neben den – lange Zeit ganz schlicht gehaltenen – Verzeichnissen über die Unterkünfte existierten schon in den 1910er- und '20er-Jahren einladende Prospekte, die dem Gast einen Besuch in Bad Rothenfelde schmackhaft machen sollten. Bis 1999 sollten Imagebroschüre und Gastgeberverzeichnis getrennt bleiben. Seither vereint das "Urlaubsmagazin" alle Informationen für den Gast in einem Heft.

Fließend Wasser, elektrisches Licht und staubfreier Garten

Doch die einzelnen Häuser warben schon früh auch mit eigenen Faltblättern. "In nächster Nähe des Waldes, des Kurgartens und der Badehäuser" empfahl sich etwa die Familienpension Villa Lahrmann um die Jahrhundertwende und hob zugleich die Verfügbarkeit von elektrischem Licht hervor. Die einzelnen Häuser betonten den "staubfreien Garten", die Wasserleitung, die "gute Verpflegung" und all das, was heutzutage unter Aufenthaltsqualität fällt. Deren Bedeutung für den Gast ist ungebrochen. Und auch das Nebeneinander von gemeinsamer Broschüre und gastgeberspezifischem Prospekt ist geblieben.

Ihr Informationsangebot wird mittlerweile durch touristische Internetseiten und Buchungsportale bereichert, nicht aber ersetzt: Mit 31 Prozent liegt der Anteil derer, die sich durch Prospekte, Faltblätter und Kataloge zur Wahl ihres Urlaubsortes haben inspirieren lassen oder sich darüber informiert haben, noch immer deutlich höher als bei digitalen Angeboten.


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