Schwere Vorwürfe im KVV Mitgliederversammlung in Bad Rothenfelde abgebrochen

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Touristenattraktion Gradierwerk in Bad Rothenfelde Foto: Michael GründelTouristenattraktion Gradierwerk in Bad Rothenfelde Foto: Michael Gründel

Bad Rothenfelde. Mit einem ernsthaften Zerwürfnis und dem vorzeitigen Abbruch endete am Donnerstag die Mitgliederversammlung des Kur- und Verkehrsvereins Bad Rothenfelde. In einem nicht-öffentlichen Teil wurde die Vorsitzende Onat Temme der Veruntreuung beschuldigt. Sie selbst erwägt rechtliche Schritte.

Einen harmonischen Verlauf hatte Bürgermeister Klaus Rehkämper zum Abschluss seines Berichts der Versammlung des Kur- und Verkehrsvereins Bad Rothenfelde noch gewünscht. Drei Stunden später war von Harmonie keine Rede mehr: In einem vor der Wahl des neuen Vorstandes eingeschobenen nicht-öffentlichen Teil waren die Vorwürfe gegen Temme erhoben worden.

Sie sei der Veruntreuung beschuldigt worden, berichtete die Vorsitzende nach dem Abbruch der Sitzung. Temme erklärte, es handele sich um 1950 Euro aus drei Veranstaltungen, die aber beim Kassenwart regulär abgegeben und im Kassenbuch erfasst worden seien. Der Vorwurf kam ihrer Aussage nach aus den Reihen ihres eigenen Vorstandes: Beisitzerin Rosemarie Gätje hatte am 12. November ihren Rücktritt vom KVV-Vorstand erklärt sowie von der Gesellschafterversammlung – wegen Letzterem, wie sie erläuterte, mit Durchschrift an die Vorsitzende der Gesellschafterversammlung und den Geschäftsführer der Kur und Touristik – und im nicht-öffentlichen Teil der aktuellen Sitzung nach übereinstimmender Aussage mehrerer Mitglieder die Anschuldigungen erhoben.

"Persönlicher Angriff"

Onat Temme erklärte dazu, sie behalte sich vor, gerichtlich gegen diesen Vorwurf anzugehen. Sie wertete den Vorwurf der Veruntreuung als, so wörtlich, „einen persönlichen Angriff auf meinen Leumund.“ Auch Arne Unnerstall sei als Kassierer von diesen Anschuldigungen betroffen. „Diese Formulierung habe ich nie in den Mund genommen, sondern nur Tatsachenabläufe berichtet“, betont dagegen Rosemarie Gätje. „Richtig ist, dass es nach einer allgemeinen, vielseitigen Auseinandersetzung der Mitglieder zu keiner Vorstandswahl gekommen ist.“ Sie wundere sich im Übrigen, so Rosemarie Gätje weiter, dass Onat Temme der Presse gegenüber aus einem nicht-öffentlichen Sitzungsteil berichtet und dabei Unterstützung von einigen Mitgliedern bekommen habe.

Zerstritten Onat Temme (links) verwahrt sich gegen den Veruntreuungsvorwurf von Rosemarie Gätje. Fotos: Petra Ropers


Zuvor war dem Vorstand von den Mitgliedern nach dem Bericht der Kassenprüfer für die Geschäftsjahre 2016 und 2017 mit großer Mehrheit aus der Versammlung Entlastung erteilt worden. Die Prüfer hatten sowohl Konto- als auch Bargeldkasse überprüft. Die Vorwürfe beziehen sich allerdings auf das Jahr 2018.

„Was hier abgelaufen ist, ist furchtbar“, sagte nach der Versammlung KVV-Mitglied Angelika Grundmann. „Wer so viel Dreck zu anderen rüberschiebt, der sollte austreten.“ Auch Leslie Kell kritiserte Gätje: „Von einer solchen Vorgehensweise sollte man sich lautstark distanzieren.“ Seinen Rücktritt vom Amt erklärte nach Rosemarie Gätje im Vorfeld aber auch der zweite Vorsitzende Dirk Dreyer. Er wies jedoch nach der Sitzung jeglichen Zusammenhang mit dem Vorwurf der Veruntreuung von sich.

Angesetzt worden war die Vorstandswahl zunächst, weil bereits lange im Vorfeld Beisitzer Rudolf Fromme aus Alters- sowie Kassierer Arne Unnerstall aus Zeitgründen ihr Ausscheiden aus dem Amt erklärt hatten. Zudem war Beisitzerin Katharina Moll verstorben.

Kritik an Übernachtungen in Kliniken

Im Hotel zur Post nahm die Versammlung zunächst einen durchaus positiven Auftakt: Mehr Mitglieder als in vielen Jahren zuvor waren der Einladung zur Jahreshauptversammlung gefolgt. Ihnen legte Onat Temme in ihrem Rechenschaftsbericht die Zahlen des vergangenen Jahres vor. Demnach sank die Mitgliederzahl von 85 in 2015 auf 74 in 2017. Allerdings sei die Zahl im laufenden Jahr – das im Rechenschaftsbericht noch nicht enthalten war – wieder auf derzeit 84 gestiegen. Dazu beigetragen hat auch der Eintritt mehrerer Kommunalpolitiker in den KVV.

Im Berichtszeitraum nahm  die Höhe der Beiträge ab. Das Problem: Die Zuweisungen an die Kur und Touristik blieben trotz sinkender Beitragseinnahmen in 2017 noch unverändert. Wenig erfreulich entwickelten sich für die privaten Beherbergungsbetriebe zudem die Übernachtungszahlen: Während sie bei den Kliniken einschließlich des Campingplatzes in den vergangenen drei Jahren stetig stiegen, verzeichneten laut Statistik die Beherbergungsbetriebe mit mehr als acht Betten einen ebenso stetigen Rückgang.

„Wir brauchen entsprechende Investitionen. Dann bekommen wir auch wieder Gäste“, meinte dazu Bürgermeister Klaus Rehkämper. Mehrere KVV-Mitglieder dagegen verwiesen kritisch auf die Übernachtungsangebote von Kliniken, die bereits im vergangenen Jahr mehrfach thematisiert wurden. Damit könne ein privater Betrieb nicht konkurrieren, waren sie sich einig. Wenig später war die Einigkeit vorbei. Satzungsgemäß muss nun nach dem Abbruch der Versammlung zeitnah eine neue Mitgliederversammlung einberufen werden.


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