Saunameisterin des Carpesol im Interview Wie sauniert man eigentlich richtig, Frau Scheffler-Stock?

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Isis Scheffler-Stock ist Saunameisterin im Carpesol in Bad Rothenfelde. Foto: Jörn MartensIsis Scheffler-Stock ist Saunameisterin im Carpesol in Bad Rothenfelde. Foto: Jörn Martens

Bad Rothenfelde. Draußen wird es kalt. Zeit, sich die Wärme woanders zu suchen. Etwa bei einem Tag in der Sauna. Doch wie sauniert man eigentlich richtig, was gilt es dabei zu beachten – und wie ist es, täglich bei solcher Hitze zu arbeiten? Isis Scheffler-Stock ist Saunameisterin im Carpesol in Bad Rothenfelde und gibt Antworten darauf.

Frau Scheffler-Stock, wann waren Sie zuletzt privat in der Sauna?

Ich mache das eher selten, das liegt bestimmt schon ein Jahr zurück. Eigentlich gehe ich eher in fremde Saunen, um mich da von deren Ideen inspirieren zu lassen, aber nicht um wirklich zu saunieren. Ich bin dann doch ganz froh, wenn ich in meiner Freizeit nicht schwitzen muss.

Wir machen ja gerade etwas eher Verpöntes: Wir unterhalten uns laut im Saunabereich. Wie gehen Sie mit Störenfrieden um?

Genau, in den Saunen und Ruheräumen soll Stille herrschen, im Saunabereich wenn dann eher gedämpfte Stille. Störenfriede weisen wir darauf hin. Ich spreche dann meistens leise zu ihnen, damit sich die Leute nicht vorgeführt fühlen, oder mache den Aufguss zu Ende und suche das Gespräch hinterher.

Warum ist Stille so wichtig beim Saunieren?

Zum Entspannen. Wir wollen ja nicht die Geschichten von fremden Leuten hören. Wir wollen in uns gehen und entspannen.

Aufgüsse finden mehrmals täglich statt. Wie gehen Sie als Saunameisterin mit der Hitze und der Anstrengung um?

Ich teile es mir ein, wie beim Sport: Zwischen acht und zwölf Minuten sprinten und dann langsam wieder rauskommen. Nach dem Aufguss gehe ich auch an die frische Luft, allein weil wir ja auch die Gäste beaufsichtigen müssen, und dann kneippe ich mich ab.

Wie abgehärtet sind Sie? Haben Sie ein Hitzelimit?

Warm ist warm. Egal, ob das jetzt 75 oder 95 Grad sind. Da muss man sich natürlich langsam herantasten, auch daran, mehrere Aufgüsse nacheinander zu machen. Man muss auf seinen Körper hören, um sich seine Kraft einteilen zu können.

"Warm ist warm." Ob sie bei 75 oder bei 95 Grad arbeitet - als erfahrene Saunameisterin hat Isis Scheffler-Stock kein Hitzelimit. Foto: Jörn Martens

Warum sind Saunagänge und Aufgüsse gesund? 

Es ist ein Wechselbad aus heiß und kalt. Das ist ein Gefäßtraining. Bei der Hitze dehnen sich die Gefäße aus und beim Abkühlen ziehen sie sich wieder zusammen. Dementsprechend ist das ein Herz-Kreislauf-Training. Und es stärkt die Immunabwehr.

Jetzt in der kalten Jahreszeit ist Saunazeit. Empfiehlt es sich auch, im Sommer in die Sauna zu gehen?

Ja. Richtige Saunierer machen das auch. Dieses Schwitzen kann man ja trainieren – Leute, die noch nie sauniert haben, schwitzen am Anfang auch nicht so viel. Das ist reines Training, wie beim Sport. Wenn man in den Sommermonaten damit aufhört, muss man es sich später wieder aneignen. Und Schwitzen ist wichtig, weil der Körper dabei gereinigt und entschlackt wird.

Bei einigen Aufgüssen wird angeboten, die Haut mit Salz einzureiben. Was bewirkt das?

Diesen Salzabrieb gibt es bei uns im Dampfbad. Das ist gut, um den Körper von ungewollten Hautschüppchen zu reinigen und den Stoffwechsel und die Durchblutung anzuregen, und es fördert die Entsäuerung des Körpers. Da wird die Haut richtig zart. Im Grunde stärkt man in der Sauna also die Immunabwehr und den Kreislauf, man entschlackt den Körper und reinigt die Haut.

Haben Sie einen Lieblingsaufguss?

Sehr gerne nehme ich Sanddorn und fruchtige Aufgüsse. Kollegen von mir nehmen gerne welche auf Mentholbasis. Die dem Aufgusswasser zugesetzten Düfte bereichern den Saunaaufguss. Es gibt Saunadüfte, die anregend wirken sollen, andere eher beruhigend, aufmunternd oder befreiend für die Atemwege. Es gibt auch den Wenik-Aufguss mit Birkenquasten, bei denen mit den ätherischen Ölen der Birkenzweige gearbeitet wird. Die Zweige werden über Nacht eingeweicht und man gießt den reinen Birkensud auf.  

"Wir wollen in der Sauna ja nicht die Geschichten von fremden Leuten hören. Wir wollen in uns gehen und entspannen." Isis Scheffler-Stock, Saunameisterin im Carpesol in Bad Rothenfelde

Was empfehlen Sie Gästen, denen es zu heiß wird in der Sauna? 

Man fragt zwischendurch, und wer nicht mehr kann, der darf rausgehen. Aber wir begrüßen die Gäste ja auch beim Aufguss und weisen direkt darauf hin, dass man den Saunaraum verlassen darf, wenn es nicht mehr geht. Das stört zwar – aber bevor uns jemand umkippt, sollen die Gäste lieber aufstehen.

Haben Sie denn auch schon so richtige Hitze-Junkies erlebt, die nicht genug bekommen?

Ja, die gibt es. Speziell wenn wir hier besondere Veranstaltungen wie die Lange Saunanacht haben, machen die Leute teilweise zehn Aufgüsse am Stück mit. Aber das müssen sie selber wissen. Wir können sie nur darauf hinweisen, was noch gesund ist und was nicht.

Und wo liegt da die Grenze?

Laut dem Deutschen Saunabund ist es gesund, drei Saunagänge pro Aufenthalt zu machen. Allerdings sagt einem keiner, ab wann es ungesund ist. Außerdem sollte man sich nicht auf die untere Bank setzen, denn das ist eigentlich nur die Fußbank, sondern auf die zweite oder dritte Bank. Dort dann acht bis zwölf Minuten saunieren, maximal 15. Und danach ist es wichtig, die Abkühl- und Ruhephasen einzuhalten. 

Es gibt ja in der Sauna allerlei Angebote. Fußbecken, Tauchbäder, Eiskübel, Ruheräume. In welcher Reihenfolge sollte man all diese Sachen nutzen und wie sauniert man eigentlich richtig?

Die optimale Reihenfolge ist: Erst eine Reinigungsdusche nehmen, dann ein heißes Fußbad, in die Sauna, an die frische Luft, eine kalte Dusche, ins Tauchbecken, noch ein heißes Fußbad, nochmal abduschen und dann in den Ruheraum. Die Fußbecken sind eigentlich dafür da, sie heiß zu nutzen. Bevor man saunieren geht, macht man erst mal ein Fußbad, um den Körper auf die Wärme vorzubereiten. Und man hört auch mit dem warmen Fußbad wieder auf, um den einen Grad, den der Körperkern in den Saunen aufheizt, durch die Sensoren an den Fußsohlen nach außen zu transportieren.

Im Interview erzählt Isis Scheffler-Stock über den Alltag einer Saunameisterin - und erklärt, wie man eigentlich richtig sauniert. Foto: Jörn Martens

Gibt es Anekdoten von besonders absurden Situationen, die sich während der Arbeit in der Sauna abgespielt haben? 

Das war nicht hier, aber ich habe mal erlebt, wie jemand sein Gebiss auf den Ofen gelegt hat. Das haben wir dann erst abends beim Reinigen gefunden.

Wie ist es, hauptsächlich vor einem nackten Publikum zu arbeiten?

Das ist überhaupt kein Problem. Daran gewöhnt man sich ziemlich schnell.

In den Saunaregeln steht unter anderem, Zärtlichkeiten untereinander sind zu vermeiden, um andere Gäste nicht zu stören. Kommt es häufig vor, dass Sie Paare in der Sauna ermahnen müssen?

Ja, schon öfter. Speziell draußen im Whirlpool. Aber wir machen ja auch unsere Rundgänge und halten Aufsicht, und da kriegen die Leute dann schon einen Spruch zu hören. Wir sind auch befugt, sie des Hauses zu verweisen, wenn es überhandnimmt und sie die Regeln nicht beachten. Genau so kommt es vor, dass man hier selten, aber schon mal Betrunkene hat, die sich daneben benehmen und in der Sauna die Bänke herunter stolpern. Das geht natürlich gar nicht und das wollen wir auch nicht.

Was gehört neben den Aufgüssen noch zu den Aufgaben einer Saunameisterin?

Wir sorgen für Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. Außerdem betreuen wir die Gäste und sind ihre Ansprechpartner.

Wie sind Sie zu dem Job der Saunameisterin gekommen?

Durch den Job als Fachangestellte für Bäderbetriebe. Denn zu einer Therme gehört auch die Sauna. Vorher war ich Aufgießerin, aber dann hat mich die Fortbildung zur Saunameisterin interessiert, um mehr Hintergrundwissen zu haben. Die ging zwei Wochen. Bei der Fortbildung habe ich dann auch Dinge über den Bäderbau erfahren – zum Beispiel, welche Hölzer gut für die Sauna geeignet sind oder wie sich die Hitze in der Sauna verteilt. Das finde ich sehr interessant.

Also ist man auch befugt, Aufgüsse zu machen, wenn man kein Saunameister ist?

Wenn man richtig eingewiesen wird, ja. Ich habe als Saunameisterin aber mehr Hintergrundwissen, das ich an die Aufgießer weitergeben kann, damit wir die Gäste alle gut beraten können.


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