Denkanstöße eines Alt-68ers Literarische Begegnung mit Gott in Bad Rothenfelde

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Bernd Thye liest aus seinem Werk in der Buchhandlung Beckwermert. Er war der Einladung des Literaturforums Bad Rothenfelde gefolgt. Foto: Sina-Christin WilkBernd Thye liest aus seinem Werk in der Buchhandlung Beckwermert. Er war der Einladung des Literaturforums Bad Rothenfelde gefolgt. Foto: Sina-Christin Wilk

Bad Rothenfelde. Bernd Thye aus Melle las auf Einladung des Literaturforums Bad Rothenfelde in der Buchhandlung Beckwermert. Im Gepäck: Ein Potpourri aus seinem Werk. Darunter sein neuer Roman, der voraussichtlich Mitte September erscheinen wird.

Thye ist Autor, Herausgeber, Journalist und Inhaber einer Werbeagentur. Inzwischen in Rente, widmet sich der 70-jährige umso stärker seinem literarischen Schaffen. „Ne Theo, so nicht! Gespräch mit:über Gott“ lautet der Titel seines in Kürze erscheinenden Romans. Eine Warnung gab es vorweg: „Fromm wird es heute Abend nicht.“ Thye rezitierte mehrere Textpassagen und gab den Zuhörern einen Eindruck von einer Begegnung mit dem „Allmächtigen“. Ein Missverständnis der Menschen, wie Protagonist Theo erfahren muss.

Hormoncocktail

Gott habe sein Labor nach dem Urknall auf der Erde eingerichtet, da die Lage zwischen den Galaxien recht zentral sei. Bei der Software der Menschen treten jedoch immer wieder Bugs auf, trotz zahlreicher Updates. Einer davon: Das Unverständnis, dass sie für Handeln selbst verantwortlich seien. Beim menschlichen Hormoncocktail habe er ebenfalls zu viel rumgemixt: Zunächst pragmatisch mit dem Ziel Reproduktion gedacht, habe er den Menschen schließlich ihren Spaß lassen wollen. Biblische Wunder: Kalibrierungsfehler, die zu Marketing-Gags umgemünzt wurden. Gott, der sich „abgelegter Hüllen“ bedient, um auf Erden wandeln zu können, tritt im unerwarteten Stil auf: Schwarze Lederjacke, Sneaker, Hut und weißer Rauschebart. „Der größte Aufschneider der Geschichte“, denkt sich Romanfigur Theo. Mehr aus Bad Rothenfelde

Thye gab Denkanstöße durch seine Formulierungen. Allegorien auf alltägliche Phänomene. „Ich provoziere auch gerne“, gab er in der Pause zu. „Ich bin ein Alt-68er“, und bleibe es auch. Nicht meckern, aber einmischen ist Pflicht.“ Diese Haltung spiegelte sich auch in seinen später vorgetragenen Aphorismen wider. Seinen Papierkorb hatte er mitgebracht, die zerknüllten Papierkügelchen mit seinen Gedankenschnipseln wurden immer mal wieder ins Publikum geworfen, buchstäblich unter die Leute gebracht. Hinweise auf gesellschaftliche Missstände, als Denkanstoß offen stehen gelassen.

Intime Atmosphäre

Das Literaturforum nahm keinen Eintritt für die Veranstaltung. „Unser Ziel ist es, Autoren ein Forum, und jedem Interessierten die Möglichkeit zur Teilnahme zu bieten“, sagte Dirk Lange-Mensing vom Literaturforum. Das Schöne am Buchladen sei die intime Atmosphäre und der enge Bezug zum Publikum, so Lange-Mensing weiter. Den Zuhörern sagte die Gestaltung des Abends zu: Nicken, Gemurmel, Lachen über pointierte Aussagen. Nach der Lesung nutzten einige Gäste die Gelegenheit zum Austausch mit dem Künstler.


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