Deutscher Mühlentag Besucherandrang an der Windkunst in Bad Rothenfelde



Bad Rothenfelde. Ein steter Besucherstrom herrschte am Pfingstmontag an der Windkunst auf dem Neuen Gradierwerk in Bad Rothenfelde. Anlässlich des Deutschen Mühlentages führten Mitglieder des Fördervereins zum Erhalt der Bad Rothenfelder Gradierwerke die Technik der Anlage vor und gaben Auskunft über die historische Entwicklung der Förderanlage.

Solch einen Besucherandrang erlebt das knapp 200 Jahre alte Gradierwerk selten. Bei sommerlichen Temperaturen und makellosem Himmel riss der Besucherstrom nicht ab und Hunderte Interessierte nutzten den Mühlentag, um Näheres über die Windkunst zu erfahren, die unerlässlich für den Betrieb des Gradierwerkes ist.

Ursprünglich hatte es einmal drei dieser Windkraftanlagen auf dem Bauwerk gegeben. „Sie haben von 1822 bis 1920 ihre Arbeit verrichtet, danach wurden sie abgebaut. Da Pumpen wurden elektrifiziert“, gab Reinhard Peters, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, einen Rückblick. Wie er waren einige der Vorstandsmitglieder am Mühlentag in die Rolle von Fremdenführern geschlüpft. Auch die Vorsitzende Angela Damhorst stand für Fragen zur Verfügung. Sie wies darauf hin, dass der Förderverein 2008 beim Neubau der jetzt vorhandenen Windkunst 125000 Euro, die Hälfte der damaligen Kosten, getragen hatte.

20 Umdrehungen pro Minute

Der Flügeldurchmesser beträgt 14,4 Meter, jeder Flügel misst 2,25 Meter Breite. Bei 20 Umdrehungen pro Minute fördert die Windkunst die Sole aus dem Becken und lässt sie über die Dornbüsche rieseln, wo sie von Gips, Kalk und Eisen befreit wird. So entstehen zwischen den Ästen die Dornsteine. „Kaum zu glauben, dass der solch ein Gewicht hat. Aber es soll ja auch eine Menge Eisen drin sein“, wunderte sich Michael Schlössow, der sich gegenwärtig als Kurgast in Rothenfelde aufhält.

Er wurde von den etatmäßigen Mühlenführern Manfred Nieweler und Franz Hehmann mit der Technik bekannt gemacht. Die beiden Mühlenpioniere hatten an diesem Tag keine Pause, beantworteten jede Frage und waren in ihrem Element. „Wir haben das zentrale Drehlager mit einer Scheibenbremse versehen, um sie bei höheren Windstärken anhalten zu können“, erklärte Nieweler, setzte die Anlage an diesem Tag aber einige Male mit der Fernbedienung still, wenn zu viele Besucher auf dem Gradierwerk waren.

Tief beeindruckt

„Bei uns zuhause haben wir auch eine Mühle, eine Bockwindmühle“, sagte ein Besucherpaar. Gisela und Erich Hungermann leben in Altenberge bei Münster und waren an diesem Tag wieder einmal im Solekurbad. „Wir kommen häufig hier her, weil uns die Stadt sehr gefällt“. Die Windkunst hatten sie jetzt das erste Mal besucht und waren tief beeindruckt. Dass ein solches Bauwerk oben auf der Saline Platz findet und für den nötigen Nachschub an Solewasser sorgt, das hatten beide nicht für möglich gehalten.Noch bis 18 Uhr kamen Besucher über die Treppe auf die Plattform in zwölf Metern Höhe, wo die Windkunst ihre Flügel dreht. Nach den Erklärungen durch die beiden Führer blieben viele noch und genossen den wunderschönen Blick über die Kurstadt und die Umgebung. „Das Gradierwerk ist das längste seiner Bauweise in Westeuropa und hat mit der darauf stehenden Windkunst eine unverwechselbare Attraktion zu bieten“, hatte Angela Damhorst zu Beginn des Mühlentages formuliert und hatte damit gewiss nicht übertrieben.


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