Rothenfelder Apothekerin merkt es Mit falschem Schlaftabletten-Rezept aufgeflogen

Von Heiko Kluge

Amtsgericht Bad Iburg Foto: Michael SchwagerAmtsgericht Bad Iburg Foto: Michael Schwager

Bad Rothenfelde. Das Amtsgericht verurteilte eine 57-jährige Frau wegen Urkundenfälschung zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe. Die von Medikamenten abhängige Frau hatte versucht, in einer Apotheke in Bad Rothenfelde Schlafmittel mit einem kopierten Rezept zu kaufen.

Laut Anklage hatte die aus Lengerich stammende Frau im vergangenen Oktober stark wirksame Schlaftabletten in einer Apotheke in Bad Rothenfelde kaufen wollen. Statt einem Originalrezept habe sie dort aber lediglich die Kopie eines Rezepts vorgelegt. Die Apothekerin aber hatte an der Papierstruktur schnell erkannt, dass es sich um eine Fälschung handelte und die Ausgabe des Medikaments verweigert.

Schicksal

Ihre Mandantin räume den Vorfall ein, erklärte die Verteidigerin der 57-Jährigen. Tatsächlich habe die Frau ein Originalrezept auf einem Farbkopierer kopiert. Wann sie das ursprüngliche Rezept eingelöst habe, könne die Frau nicht mehr sagen. Nach einem familiären Schicksalsschlag habe der Arzt der Angeklagten vor sieben Jahren Schlaftabletten verschrieben. Doch aufgrund einer ganzen Reihe weiterer Schicksalsschläge habe ihre Mandantin die Tabletten immer weiter eingenommen und die Dosis nach und nach gesteigert. „Sie hat nicht die Kraft aufgebracht, eine Therapie aufzunehmen.“ Bis zu acht Schlaftabletten habe die Frau pro Nacht eingenommen – eigentlich solle aber nur eine genommen werden, so die Anwältin. Schließlich habe die Frau doch eine ambulante Therapie begonnen und sich auch in psychiatrische Behandlung begeben. „Es war besser als zuvor, aber die Abhängigkeit war nicht überwunden.“

Als sie erkannt habe, dass es sich bei dem Rezept um eine Kopie handelte, habe die Angeklagte sehr emotional reagiert und sie unter Tränen gebeten, das Rezept zu vernichten, erinnerte sich die Apothekerin. Schließlich habe die Frau ihr das Papier wieder entrissen. Dabei sei es auch zerrissen. Sie habe sich dennoch den Namen der Frau auf dem Rezept merken können und die Polizei verständigt, so die Zeugin.

Vorstrafe

Die 57-Jährige war bereits im Dezember 2016 wegen gleich gelagerter Fälle per Strafbefehl zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der jüngste Vorfall habe bei der Frau „einen Schalter umgelegt“, betonte die Verteidigerin. Sie habe sich sofort einer 14-tägigen stationären Entgiftung unterzogen und sei nun in einer Therapie. Auch konsumiere die Frau keine Schlaftabletten mehr. Mehr aus Bad Rothenfelde

Der Richter wertete die Sache noch als „einmaligen Ausrutscher“ während der bereits laufenden Bewährung. Sollte sich so etwas aber wiederholen, werde der Angeklagten wohl Hafterfahrung nicht erspart bleiben. Neben den drei Monaten auf Bewährung bekam die Frau noch eine Geldauflage: Sie soll 600 Euro an die Diakonie Georgsmarienhütte zahlen. „Ich bin froh, dass es aufgeflogen ist“, sagte die 57-Jährige abschließend. „Ich bin wach geworden und habe mich für das Leben entschieden.