„Insterburg und Black“ Ikonen der Liedermacher-Szene in bad Rothenfelde

Von Rolf Habben

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Bad Rothenfelde. Ingo Insterburg, Begründer der legendären Gruppe „Insterburg & Co“, und „Black“ in Person von Lothar Lechleiter, eine Hälfte des Duos „Schobert & Black“, gleich zwei Ikonen und Erfinder der deutschen Musik-Comedy, betraten mit ihrem Programm „Höhepunkte aus zwei Künstlerleben“ die Bühne im Haus des Gastes in Bad Rothenfelde. Es sei dies die erste von etlichen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, denn es galt, 20 Jahre KuK Sol zu feiern, wie Klaus-Dieter Weitzel als Vorsitzender des Vereins in seiner Begrüßung nicht ohne Stolz verkündet.

Zusammen haben Insterburg und Lechleiter mehr als anderthalb Jahrhunderte auf dem Buckel. In Anspielung auf ihr hohes Alter sprachen beide deshalb auch wiederholt selbstironisch von „betreutem Singen“. In ihren dreistündigen, jeweils wechselnden Auftritten zeigten sich beide dagegen gewohnt vital, witzig wie eh und je und vor allem brandaktuell.

Ostpreußen

Die Karrieren von Ingo Insterburg, als Ingo Wetzker in Insterburg im ehemaligen Ostpreußen geboren, und der ebenso in Ostpreußen geborene Lechleiter begannen in den 60er Jahren und erlebten in den 70-ern ihren Höhepunkt. Erst vor sechs Jahren taten sie sich als Duo zusammen. Mit Limericks als hintergründige Lach- und Liebeslyrik, mit subtilem, hin und wieder auch derbem Sprachwitz, teils in ostpreußischem Dialekt, ließ das Duo nicht nur alte Zeiten wieder aufleben. Weiterlesen: Die alten Zeiten leben auf – Ingo Insterburg und Black im Kurhaus in Bad Rothenfelde

Insterburg als Multitalent in eine einzige Schublade packen zu wollen, ist vergebliche Mühe. Der Dichter der Raucher- und Trinker-Lyrik, beißenden Spotts und feinsinniger Ironie ist als Multiinstrumentalist hochmusikalisch, einfallsreich und vor allem urkomisch. Seine durchweg lyrischen, oftmals frivolen Texte sind mit allerlei selbst gebastelten skurrilen Instrumenten untermalt, denen der Barde bizarr klingende schräge Tönen entlockte. „Die Wurst“ im doppeldeutigem Sinne bringt er auf einem zur „Brillenharfe“ umfunktionierten WC-Sitz dar, ein Vogelbauer wird zur Geige und Kokosnusshälften zur dreisaitigen Gitarre. Auf einer Kolbenflöte verulkt er das Rauchen und die Raucher, den „Mülleimer Blues“ bringt er parallel mit Trompete und Gitarre spielend, amouröse Abenteuer, schildert er ebenso in abenteuerlicher Akrobatik mit Gitarre und Geige gleichzeitig, das „ginge nur mit einem physischen Gedankensprung“.

Tollpatschig

Kleine Wahrheiten und etliche Bosheiten verpackt Insterburg in subtile, feingeschliffene, oftmals hintergründige Verse. Zwischendurch verwirrt der 84-jährige Künstler mit szenischen Einschüben gewollt sein Publikum, man weiß nie genau, ist die Tollpatschigkeit nur gespielt oder ist sie echt. Natürlich kommt er nicht ohne „Ich liebte ein Mädchen...“ von der Bühne, in dem Insterburg seine meist wenig ergiebigen Liebesversuche in verschiedenen Stadtteilen Berlins, in deutschen Städten, dann in den Staaten und Ländern der Erde besingt, bis diese ihn schließlich ins All und auf den Mars führen.

War Insterburg fürs „Blödeln und die musikalische Gymnastik“ zuständig, gefiel Lechleiter alias Black auch mit ernsteren und nachdenklichen Tönen. Unterstützt wurde er dabei von Philipp Römer an der Gitarre, der „das Durchschnittsalter der Künstler deutlich senken“ konnte. Ein größerer Teil des Repertoires waren kritische, politische Texte, wie im „Herr Obama dich unser“, mit Seitenhieben auf Donald Trump, die Waffenlobby oder die Gier von Spekulanten. Im Lied von der „Pegida Loreley“, in der Originalmelodie gebracht, bedenkt er das Flüchtlingselend und prangert den Rechtsruck in der Gesellschaft an. (Weiterlesen: Mit Kuhglocken, Abfalleimer und Klobrille – Skurrile Musik-Instrumente bei Insterburg & Black in Melle-Buer)

Papst auf die Pelle gerückt

Aber auch mit satirischen und witzigen Liedern, wie im Billigflieger „Reiher Air“, der statt in Malaga in Liverpool landet oder im „Erlkönig“ als Terminator ist Gesellschaftskritik versteckt. Mit neuen Limericks ebenso wie mit Klapphornversen rückte Black mit seiner Gitarre spottend und lästernd den handelnden Personen des politischen und gesellschaftlichen Lebens auf die Pelle, die selbst vor dem Papst nicht Halt machten.

Mit Insterburg und Black ist es den Veranstaltern gelungen, gleich zwei Urgesteine der Liedermacher-Szene zu präsentieren, einen retrospektiven Leckerbissen – nicht allein für betagtere Zeitgenossen.

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