„Inkarnation des Ländlichen“ In Bad Rothenfelde kuren in seiner schönsten Form

Von Andrea Pärschke


Bad Rothenfelde. Impulse geben, inspirieren, den Horizont erweitern – auch das kann Architektur. Fred Kaspar ist Fachmann für Bäderarchitektur. Die Neue OZ begleitet Denkmalpfleger und Historiker auf einem Rundgang durch Bad Rothenfelde.

Den Hut tief in die Stirn gezogen, die Hände in den Taschen seiner Lederjacke vergraben wird Fred Kaspar von dem Archivar des Salinenarchivs Dirk Lange-Mensing begleitet. Besonders in Kurorten ist die Architektur häufig reizvoll: Bad Rothenfelde bildet da keine Ausnahme. „Die Hausbesitzer kitzeln hier immer mehr den alten Charakter der Häuser heraus“, sagt Fred Kaspar anerkennend, mittlerweile am Ende der Frankfurter Straße angekommen, bleibt er vor dem  Westfälischen Hof  stehen. Hinter der bröckelnden Fassade sieht er sofort Bad Rothenfeldes ehemals erste Adresse für Gäste. Aber warum sind eigentlich gerade die Kurorte architektonisch so reizvoll? „Für die Leute war es Sommerfrische“. In diesen Wochen wollten sie nicht nur den Zwängen des Alltags entfliehen. Die Gäste begaben sich oft auch auf die Suche nach neuen, interessanten Impulsen – auch aus architektonischer Sicht.

Moderne Architektur an alten Quellen

Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass Bäderarchitektur so vielfältig ist – und eben nicht nur aus der Zeit rund um 1900 stammen muss. „Hier ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass es sehr schöne Bauhaus-Bäderarchitektur gibt“, sagt Fred Kaspar schließlich, als er am  Park des Wittekindsprudels  mit dem Pumpenhäuschen angekommen ist: Früher – berichtet Dirk Lange Mensing – ist der ganze Park im Bauhausstil angelegt worden. Heute ließe sich das unter anderem an dem Märchenbrunnen erkennen. „Ich würde mir in den heutigen Kurorten oft mehr ideenreiche moderne Architektur wünschen“, so Kaspar.

Landlust anno dazumal

Doch der Historiker mag sie natürlich alle, liebt auch die Jugendstilvillen, die so typisch für eine der Hochphasen des Kurens waren. Was alle Stile in sämtlichen Kurorten verbinde, sei die „Inkarnation des Ländlichen“ wie es Fred Kaspar nennt. Vielleicht kommt es daher, dass es oft Badeärzte oder Witwen waren, die es von den größeren Städten in die kleineren Orte zog. Landlust anno dazumal. „Häufig betrieben diese Menschen nebenher einen Pensionsbetrieb“, so Lange Mensing während es an der Villa Kanzler, Lahrmann, Weber und Haus Kuns vorbei geht.

Retrolook um 1900

Fred Kaspar ist immer auch auf der Suche nach dem Kern des Hauses, seiner Geschichte. Nicht immer lässt sich alles konkret fassen, aber manchmal sind Details entscheidend. Wie bei der  Villa Lichthardt  an der schließlich nach einem Spaziergang durch den Kurgarten auf der Parkstraße ankommt. Pension, Altenheim, Schachmuseum – das Haus hat viele Namen. Dem Historiker fallen die Fenster auf. „Sie sind deutlich größer, als die Architektur des Hauses auf den ersten Blick vermuten lässt“, sagt er. Retrolook um 1900. Und auch hier ist der Urlaubscharakter wohl der Grund für den Stilbruch. Entschieden haben sich die Erbauer wohl dafür, um Licht in die Räume zu lassen und damit die Sommerfrische ins Herz. Besonders an der Parkstraße verstärkt sich der Eindruck, wenn es vorbei geht an Feldern und Streuobstwiesen.

Urbane Struktur mit ländlichem Charakter

Denn es ist nicht nur die Sehnsucht nach dem Landleben, das den Ort schließlich groß machte. Die landwirtschaftliche Struktur gab es in Bad Rothenfelde ja wirklich. Seitdem wurden die meisten Häuser erweitert, verziert und bekamen Balkone und Terrassen: Ihm fällt gerade das in Bad Rothenfelde auf. Auf der einen Seite die breiten und verkehrsreichen Straßen, die beinahe „städtische“ Struktur – auf der anderen Seite: Landleben pur. Mehr aus Bad Rothenfelde