Beim armen Hund flossen Tränen Amtsgericht verurteilt Rothenfelderin zu neun Monaten

Von Heiko Kluge

Amtsgericht Bad Iburg Foto: Michael SchwagerAmtsgericht Bad Iburg Foto: Michael Schwager

Bad Iburg. Zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilte das Amtsgericht eine 25-jährige Frau aus Bad Rothenfelde. Sie hatte ihren Arbeitgeber bestohlen, Drogen besessen und ihren Hund hungern lassen.

In den frühen Morgenstunden des 12. Juni 2017 hatte sich die heute 25-Jährige mit dem Schlüssel Zugang zu ihrem Arbeitsplatz, einem Bistro in der Salinenstraße in Bad Rothenfelde, verschafft und dort eine Kassette von der Wand gerissen. In der Kassette, welche die Frau anschließend mitgenommen hatte, befand sich eine Geldtasche mit 7000 Euro. Mit dem Geld habe sie Drogenschulden bezahlt und auch Schulden bei Verwandten beglichen, erklärte die geständige Angeklagte und betonte, den Schaden wiedergutmachen zu wollen: „Das würde ich gerne zurückzahlen, auch wenn es in Raten ist.“

Ecstasy

Nur zwei Tage später war die Frau darüber hinaus mit Amphetaminen und der Partydroge Ecstasy erwischt worden. Und wiederum nur kurze Zeit darauf hatten Nachbarn der jungen Frau die Polizei informiert, weil ein auffallend stechender Geruch aus ihrer Wohnung drang. Nachdem die Beamten sich gewaltsam Zutritt verschafft hatten, fanden sie in der vermüllten Wohnung einen völlig verwahrlosten und abgemagerten Hund vor. Das Tier hatte offenkundig schon über längere Zeit weder Futter noch Wasser bekommen und vegetierte, umgeben von den eigenen Exkrementen in zwei abgedunkelten Zimmern. Die Frau hatte sich offenbar schon seit geraumer Zeit nicht mehr in ihrer Wohnung blicken lassen. Weitere Beiträge über Gerichtsverfahren in der Region finden Sie hier

Als die Sprache auf den Hund kam, brach die Angeklagte in Tränen aus. „Ich wollte das nicht mit Absicht machen.“ Aufgrund vieler Probleme und eines privaten Schicksalsschlags habe sie zu der Zeit einfach „keine Lust mehr auf irgendwas gehabt“.

Untersuchungshaft

Das Gericht hatte den Fall der 25-Jährigen schon einmal verhandeln wollen, doch die junge Frau war nicht zum anberaumten Verhandlungstermin erschienen. Daraufhin hatte der Richter einen Haftbefehl erlassen. Bis zum jetzigen Gerichtstermin hatte die 25-Jährige deswegen zwei Monate in Untersuchungshaft verbracht. Drogen konsumiere sie nicht mehr, betonte die Angeklagte: „Ich habe für mich gemerkt, dass es so nicht mehr weiter geht.“

Dem Antrag des Staatsanwaltes entsprechend verurteilte das Gericht die Frau wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall, sowie wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln und einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung. „Das war kein Griff in die Kasse“, resümierte der Richter. Immerhin habe die Frau in dem Bistro versucht, die Überwachungskameras abzudecken und die Kassette, nachdem die sich nicht habe öffnen lassen, von der Wand gerissen. „Das ist eine schwerwiegende Straftat.“

Absprung finden

Zugunsten der Frau wertete das Gericht auch die verbüßte Haft. „Ich habe den Eindruck, dass die U-Haft sie härter getroffen hat, als einen gestandenen Straftäter.“ Während der auf drei Jahre angesetzten Bewährungszeit wird der 25-Jährigen ein Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Darüber hinaus soll sie binnen eines halben Jahres mit einer ambulanten Drogenentwöhnungstherapie beginnen. „Sehen sie zu, dass sie den Absprung finden“, mahnte der Richter, „sonst fahren sie damit vor die Wand.“