Markttag in Bad Rothenfelde Mit Zwiebellook und Heizlüfter gegen Eiseskälte

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Bad Rothenfelde. Wer wissen möchte, wie sich eiskalt anfühlt, dem sei ein Tag hinter einem Marktstand wärmstens empfohlen: mitten im Winter, bei fast zweistelligen Minusgraden – wie an diesem Mittwochmorgen. Wer hält das aus? Die Neue OZ hat nachgefragt.

„Mit unseren Kleiderlagen gewinnen wir jeden Strip-Poker“, sagt Claudia Geist siegessicher, lacht und wärmt sich die Hände über der dampfenden Kaffeekanne auf, die in ihrem Wagen auf dem Wochenmarkt in Schinkel steht. Denn ihr Arbeitsplatz zählt in diesen Tagen wohl zu den kältesten Deutschlands. Auch Heinrich Schulenburg nimmt das – 25 Kilometer südlich von Osnabrück auf dem Bad Rothenfelder Wochenmarkt – olympisch: „Die Biathleten fuhren ja auch bei minus zehn, minus 12 Grad“. Während die sich allerdings mit Bewegung, Wärmepflaster und Mundheizungen warm hielten, wappnen sich die Marktleute größtenteils mit dem altbewährte „Zwiebellook“, eher selten sind Wärmegebläse oder Heizstrahler.

Kälteschutz für empfindliche Ware

Nicht alle Marktleute sind so hart gesotten. Manch ein Standbesitzer hat sich in dieser Woche abgemeldet. „Normalerweise sind hier doppelt so viele Stände“, schätzt Heinrich Schulenburg mit einem Blick über den Bad Rothenfelder Wochenmarkt. Doch gerade Blumen-, Obst-, und Gemüsehändler können nur mit entsprechendem Kälteschutz ihre Ware auslegen: Planen, die um den Stand aufgehängt werden etwa oder Verkaufsanhänger.

Empfindlicher Salat

Auch bei Jonas Püning ist das so. Gerade wärmt er in Schinkel seine Hände am Heizstrahler auf. Ein kleiner positiver Nebeneffekt, denn in erster Linie soll die Wärmequelle so manche Obst und Gemüsesorte vor der klirrenden Kälte schützen: „Besonders der Salat ist empfindlich, der liegt so nah wie möglich an der Wärmequelle“, erklärt Jonas Püning, der schon deutlich länger in der Kälte ist als ein großer Teil seiner Produkte: Um halb fünf ging es für ihn und sein Mitarbeiter los. Sie bauten das „Grundgerüst“ auf und hängten um den eigentlichen Stand mit Planen, bis nur noch ein schmaler Spalt Einlass bietet. Dann legten sie Produkte wie Kohl heraus, die Kälte ab können. Und ganz zum Schluss werden die empfindlichsten Gemüsesorten ausgebreitet.

Kartoffeln mit Decke geschützt

„Möhren und Tomaten“, nennt Elke Conrad die Produkte, die sie am sorgfältigsten schützt. Sie und ihre Mitarbeiterin stehen normalerweise im offenen Stand nahe der Bad Rothenfelder Gradierwerken, bei Minus elf Grad sind sie aber in den kleineren dafür aber festen Anhänger umgestiegen. Die Kartoffeln allerdings hat sie nicht mal hier mit hineingenommen: „Die liegen im Auto, noch zusätzlich mit einer Decke zugedeckt“, erklärt sie. Denn das südamerikanische Knollengewächs mag es lieber warm und ist damit übrigens viel empfindlicher als Zitrusfrüchte, die überraschend widerstandsfähig der klirrenden Kälte trotzen.

Viele Besucher kommen trotzdem

„Die sind schon sehr kälteempfindlich“, berichtet schließlich auch Gabi Koldeweg auf Nachfrage einer ihrer Stammkunden – dem „Schinkelaner aus Dinslaken“, den auch die niedrigen Temperaturen nicht vom Gang über den Markt abhalten. Denn „dafür ist ja die Sonne da“, wie Heinrich Schulenburg sagt. Überhaupt: die Kälte schrecken gar nicht so viele Besucher. „Die Bad Rothenfelder sind hart gesottene Marktgänger“, sagt Elke Conrad. Kein Wunder: Erlesene Früchte, frisches Gemüse, ausgewählte Wurst und Käse gibt es so eben nur auf dem Wochenmarkt. Das gilt übrigens auch für das „Hasenbrötchen“, das der treue, wenn auch noch sehr junge und dick eingemummelte Stammkunde Elias, gleich auf die Hand nimmt.

Warten auf den Frühling

Könnten die Marktleute wählen, sie würden wohl immer die trockene Kälte dem Regen vorziehen. „Es ist vor allem das nass-kalte Wetter, das die Markt-Atmosphäre kaputt macht“, sagt Jonas Pünig. Trotzdem: Für ihre Kunden seien die Marktleute bei Wind und Wetter da. Doch trotz Wärmestrahler, dampfende Kaffeekannen und reichlich lagen Kleidungsstücken: Das es kalt ist, kann wohl niemand bestreiten. „Ich bin froh, wenn der Frühling endlich kommt“, gesteht Elke Conrad schließlich. Doch solange er nicht da istt, heißt es: Heizlüfter an und das beste draus machen.


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