Mehr Wintergäste, besseres Image Was bedeutet die Lichtsicht für Bad Rothenfelde?

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Rothenfelde Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Lichtsicht und der Kurort: Am Portal des Kurmittelhauses treffen sie aufeinander. Foto: Swaantje HehmannDie Lichtsicht und der Kurort: Am Portal des Kurmittelhauses treffen sie aufeinander. Foto: Swaantje Hehmann

Bad Rothenfelde. 2007 erhellte die erste Lichtsicht das winterliche Bad Rothenfelde. Zehn Jahre später zeigt die gerade um zwei Wochen verlängerte Projektionsbiennale das Beste der bisherigen fünf. Doch ihre Zukunft liegt im Dunkeln. Deshalb haben wir Hotellerie, Gastronomen und Bürgermeister gefragt, welche Bedeutung die Videokunst auf den salzverkrusteten Schwarzdornwänden für sie hat. Oder anders gesagt: Wie hoch ist die Umwegrentabilität der Lichtsicht, also der indirekte Nutzen für Ort und Region?

Initiatorin und maßgebliche Mäzenin der Lichtsicht ist die Heinrich W. Risken Stiftung. Doch Risken will nicht mehr die Hauptlast für die öffentliche Darstellung von Arbeiten international anerkannter Künstler wie William Kentridge oder Rosalie tragen. Fieberhaft suchen die Akteure hinter den Kulissen nach einer Lösung. „Wir brauchen ein neues Geschäftsmodell“, kommentiert Lichtsicht-Pressesprecherin Sabine Weichel die Überlegungen. Aber, verspricht sie, Risken sei weiterhin bereit, Know-how und Technik beizutragen.

Möglichkeiten für eine Fortsetzung seien vielleicht eine Triennale oder Patenschaften für einzelne Kunstwerke oder gar die 54 Projektoren: Den Erfindern sei wichtig, dass die künstlerische Qualität bleibt und die Lichtsicht nicht zur Gradierwerks-Deko wird.

Viele Wiederholungstäter

Das zieht Menschen an, auch im Winter, auch bei Dunkelheit und Kälte. Deshalb wurde die Schau bis zum 11. Februar verlängert. Von Donnerstag bis Sonntag sind schon jetzt 45 Führungen gebucht, neben den täglichen zwei öffentlichen 37 privat gebuchte. „Bis aus Berlin“ kommen die Besucher, weiß Weichel. Damit hätten sich Marketing und Mund-zu-Mund-Propaganda begeisterter Zuschauer ausgezahlt: „So langsam zündet es.“ Schließlich sei die Lichtsicht etwas Besonderes, „allein von der sinnlichen Erfahrbarkeit her“, findet Weichel, „die Bäume, die Häuser und der Schwarzdorn“. Dazu die Zelte zum Aufwärmen und Essen: „Wir haben viele Wiederholungstäter“.

Das macht sich – im Kleinen – auch bei den örtlichen Dehoga-Mitgliedern bemerkbar. „Wir verzeichnen keinen überschwänglichen Zuwachs, aber wir haben doch Buchungen, die wir sonst nicht hätten“, sagt die Vorsitzende Rosemarie Gätje. Auch über das ein oder andere Essen oder die zusätzlich verkaufte Tasse Kaffee freuten sich die Betriebe, „gerade jetzt im Winter“. Die Gäste kämen vor allem am Wochenende und „je näher das Hotel an den Gradierwerken liegt, desto besser“. Nicht nur deshalb sei die Lichtsicht grundsätzlich positiv zu sehen, findet Gätje.

Ende wäre schade

Auch die Vorsitzende des Kur- und Verkehrsvereins (KVV), Onat Temme, zieht eine erfreuliche Bilanz: „Wir haben sehr viele Gäste gehabt, die an der Lichtsicht interessiert waren.“ Die Installationen seien aus KVV-Sicht nur zu begrüßen. Sie frage sich nur, ob es die hochklassige Biennale ist, die die Menschen anzieht, oder ob dafür schon ein Lichtspektakel auf den Gradierwerken reichen würde. „Es wäre auf jeden Fall schade, wenn die Biennale enden würde, weil diese im Winter, wenn das Kurgeschäft nicht so floriert, Gäste in den Ort bringt.“

Die Bedeutung für die Einzelhändler dagegen ist kleiner bis nicht vorhanden. „Die Geschäfte sind eher nicht die Zielgruppe, allein schon deshalb, weil sie bald schließen, wenn die Lichtsicht abends beginnt“, sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins „Wir für Bad Rothenfelde“, Henning Mayer: Für den Ort aber sei die Projektionsbiennale wichtig.

Könnten Betten brauchen

Das findet auch Bürgermeister Klaus Rehkämper: „Sie hat einen hohen Stellenwert für die Region und ist für das positive Image als Kur- und Tourismusort von besonderer Bedeutung.“ Je attraktiver Bad Rothenfelde sei, desto mehr Menschen kämen. Viele örtliche Gastgeber fragten vor der jährlichen Vermarktung ihrer Häuser an, ob es wieder eine Lichtsicht gibt: „Sie ist ein wichtiger Baustein, um potenziellen Gästen den Ort schmackhaft zu machen.“ Und viele Tagestouristen kämen extra für die Lichtsicht, das spüre die Gastronomie ganz besonders. Die Kliniken seien ohnehin immer belegt, aber „in Pensionen und Hotels könnten wir sogar noch Betten gebrauchen“, meint Rehkämper.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN