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Vortrag in Bad Rothenfelde "Kinder haben ein Recht auf eine glückliche Schulzeit"

Von Anke Schneider | 02.04.2019, 16:18 Uhr

„Lernen macht glücklich“ war das Motto des Vortrages von Kommunikationswissenschaftler Sebastian Durst in der Grundschule Eine Behauptung, die die mehr als 100 anwesenden Eltern zunächst mal skeptisch machte.

Alle Finger gingen hoch, als der Referent fragte, wer von den Eltern sich wünschen würde, dass das das Lernen zu Hause stressfreier ablaufen würde. Das sei kein Hexenwerk, meinte der ehemalige Lehrer, der aus dem Schuldienst ausschied, um sich an der Akademie für Lernpädagogik in Köln dem Lernen an sich zu widmen. Jedes Kind habe ein Recht auf eine glückliche Schulzeit, sagte Durst. Der Weg dorthin sei für jedes Kind unterschiedlich, denn alle Kinder lernen anders.

Anekdoten

Mit spannenden Fakten und humorvollen Anekdoten aus dem Schulalltag machte Sebastian Durst deutlich, wie das kindliche Gehirn funktioniert und wie man das Lernen unterstützen kann. Die vier Pfeiler seien die richtige Lerntechnik, die Konzentration, die Motivation und die Selbstorganisation. Anhand einer simplen Matheaufgabe machte der Pädagoge deutlich, wie leicht sich das Gehirn aufs Glatteis führen lässt und falsche Ergebnisse liefert. In einer anderen Aufgabe sollten sich die Eltern eine 15-stellige Zahlenreihe merken, was keinem der Anwesenden gelang. Erst als das Muster erkennbar wurde, nach dem die Zahlen angeordnet waren, war das kein Problem mehr.

„Unser Hirn ist eine Lernmaschine und gerade Kinder lernen gerne und sind sehr neugierig“, so Durst weiter. Strukturiert zu denken sei schon die halbe Miete und das könne man lernen. „Wenn das Gehirn Strukturen erkennt, ist es zu Höchstleistungen fähig.“

Sebastian Durst ging auf die Notwenigkeit des Wiederholens ein, das das Gelernte verfestigt. „Ohne Wiederholungen braucht man gar nicht anfangen, zu lernen“, sagte er. Ein hervorragendes Mittel zum strukturierten Wiederholen sei der Karteikasten. „Oder auch der Spickzettel, den Kinder anfertigen, aber nicht benutzen sollten.

Pausen

Ein weiteres Thema waren die Pausen, die jedes Kind braucht. „Als Faustformel gilt: Kinder können sich ihr Lebensalter mal zwei in Minuten am Stück konzentrieren – länger nicht“, sagte Durst. Manche Kinder brauchten zwischendurch Bewegung, anderen könnten sich mit leiser Hintergrundmusik gut konzentrieren und wieder andere würden schon durch ein Smartphone auf dem Schreibtisch abgelenkt, auch wenn es gar nicht klingelt. „Das muss man ausprobieren.“

Und wie motiviere ich mein Kind zum Lernen? „In die Apotheke gehen und ein Fläschchen heitere Gelassenheit kaufen“, antwortete der Referent. Ein Kind von außen zu motivieren, sei sehr schwer. Druck funktioniere bei den allerwenigsten, Belohnungen ebenso. „Ich halte sehr viel von der positiven Ansprache“, sagte Sebastian Durst. Statt „Toll, du hast von zehn Aufgaben nur zwei falsch“ sollte es heißen „Toll, du hast von zehn Aufgaben acht richtig“. Eltern sollten keine Negationen verwenden. „Eine positive Kommunikationskultur hat einen direkten Effekt auf die Motivation.“

Für alle Kinder gelte, dass sie unterschiedlich sind und in eigenem Tempo lernen. „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“, sagte Sebastian Durst. Heitere Gelassenheit sei an manchen Tagen das einzige, was allen Beteiligten hilft.