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Vortrag in Bad Laer Gotik aus Sicht des Handwerks

Von PM. | 22.02.2017, 15:33 Uhr

Sie haben Spuren hinterlassen, die auch Jahrhunderte später noch deutlich sichtbar sind. Steinmetze haben ihre Arbeiten mit ihrem persönlichen Kennzeichen versehen. Werner Paetzke, selbst Steinmetz und Restaurator, brachte den Zuhörern auf Averbecks Hof kompetent und kurzweilig seine kunstvolle Arbeit näher. Und die seiner Kollegen vor etlichen Jahrhunderten.

Zu dem Vortrag zum Thema „Gotik aus Sicht des Handwerks“ hatte der Heimatverein Glane eingeladen. Dabei nahm Paetzke seinen Zuhörer zunächst auf einen Ausflug in die Geschichte mit. Anhand von Fotos zeigte er verschiedene Kathedralen und Kirchen im gotischen Baustil. Im Mittelalter gab es keine statischen Baupläne. Sie befanden sich nur im Kopf des Baumeisters.

Der entscheidende Unterschied zur Romanik liegt in der Kreuzrippenwölbung, ein selbst tragendes System, durch das die Mauern keine tragende Funktion mehr hatten. Es konnten riesige Fenster gebaut werden, die vornehmlich nach Westen ausgerichtet sind. Vielfach bezeugen die Motive in Glasfenstern, wie damals gebaut wurde. Sie zeigen mitwachsende Gerüste und mit Laufrädern betriebene Drehkräne.

Die Natursteine wurden mittels Bleiverguss miteinander verbunden, das Paetzke an einem Musterstück erläuterte. Die dicken Sandsteine wurden mit einer Versetzzange aufeinander gebaut. Die andersfarbigen Ansatzpunkte in den Steinen sind heute noch sichtbar. Paetzke zeigte an Musterstücken die Bleivergusstechnik und Steinmetzzeichen.

Deutlich zu sehen sind auch die Steinmetzzeichen. Jeder Steinmetz hatte sein persönliches Zeichen, das er in die von ihm verbauten Steine einschlug. Nach der Anzahl der Zeichen erfolgte anschließend die Bezahlung. Allein an der Marienkirche in Osnabrück befinden sich über 150 verschiedene Steinmetzzeichen.