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Ungewöhnliche Entstehungsgeschichte der Kirche Mariae Geburt in Bad Laer Erst kam der Turm, dann die Kirche

Von Horst Troiza | 23.02.2012, 14:22 Uhr

Dass an eine Kirche ein Turm angebaut wurde, ist schon vorgekommen. Aber eine Kirche an einen Turm? So verhält es sich in Der frühromanische Turm der katholischen Kirche Mariae Geburt dort ist rund 1000 Jahre älter als die dreischiffige Kirche.

Es ist davon auszugehen, dass die erste Kirche um das Jahr 800 in Holz errichtet wurde. Nach Abschluss der nordwestdeutschen Missionierung wurde eine Steinkirche erbaut, deren Turm aus dem 11. Jahrhundert noch heute steht und in seiner Anfangszeit als Wehrturm diente – wie auch die Häuser, die die Kirche umgeben, als Kranz eine Festung bildeten und in Kriegszeiten Zufluchtsort waren.

Die Basis des „grise Toarn“ (grauer Turm) misst neun Mal neun Meter, er ist 36 Meter hoch, seine Mauern sind zwei Meter stark. Das Satteldach mit dem markanten Treppengiebel ziert heute das Wappen der Gemeinde.

Die Steinkirche wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgerissen, der Turm blieb stehen. An ihn ist der neue, im neugotischen Stil errichtete heute bekannte Kirchbau 1873 angesetzt worden. Seine Außenmauern sind aus heimischem Sinterkalk, den „Piep-Steinen“ errichtet, die Ecken aus Sandstein, ebenso die Fensterfassungen. Bei den Säulen wurde auf den sonst überall genutzten Sandstein verzichtet und stattdessen Backsteine verwendet. Ungewöhnlich ist, dass die Kirche neben dem Haupt- und den beiden Nebenschiffen zusätzlich einen vollständig um den Bau führenden Umgang besitzt.

Alte wie neue Patronin ist die heilige Maria. Aus der Vorgängerkirche sind nur wenige Ausstattungsstücke übernommen worden, darunter die Heiligenfiguren von Maria und Johannes. Sie stammen vom barocken Hochaltar, der um 1700 errichtet worden war.

„Besonderes Augenmerk verdienen die Fenster des Gotteshauses, die von der damals überaus bekannten Glasmalerei Hein Derix aus Kevelaer stammen“, sagt der ehemalige Pastor Benno Hermes. Eindrucksvoll ist die Darstellung „Sturm auf dem Meer“, die den auferstandenen Christus in einem Boot mit der Gemeinde zeigt. Ebensolche Leuchtkraft besitzt das Fenster mit der österlichen Botschaft der Auferstehung auf der gegenüberliegenden Seite. Weitere Fenster bilden die Kreuzigung, die heilige Cäcilia als Patronin der Kirchenmusik, Johannes der Täufer und Marias Aufnahme in den Himmel und ihre Krönung ab.

Der neue Pfarrer von Bad Laer, Pastor Maik Stenzel, ist als passionierter Organist besonders begeistert von der gut 20 Jahre alten Orgel, die neben ihren 33 Registern auch einen Zimbelstern (Glockenspiel) und Vogelgezwitscher beherrscht.