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Oberschule Bad Laer Let’s-Mint-Woche: Südkreis-Unternehmen werben um Nachwuchs

Von Frank Muscheid, Barbara Adams | 10.06.2016, 12:32 Uhr

Eine Woche intensiven Einblick in technische Berufe bot jetzt der Verein Unternehmerinitiative Let’s Mint den Schülern der Geschwister Scholl-Oberschule Bad Laer. Eine Station der 16 Neunt-Klässler war dabei das Familienunternehmen Spanntec in Bad

Spanntec gehört zu den Mitbegründern des Vereins Let’s Mint und öffnete wie auch die Firmen Autotechnik Hagemeier in Bad Rothenfelde, Höcker Polytechnik in Hilter und Presto in Bad Laer je einen Tag die Tore für die Schüler. Das Angebot nahm etwa der 16-jährige Sergio Vasquez Sanchez aus Remsede in an. „Ich habe Eindrücke verschiedener Berufe und der jeweiligen Firmenchefs gewonnen, die man ja sonst bei einem Besuch eher selten antrifft“, erzählte er. „Wir haben gemerkt, dass sie an Jugendlichen und neuen Auszubildenden sehr interessiert sind.“ Erkundet wurden die Berufe Industriemechaniker, Industriemechatroniker, Zerspanungsmechaniker, Kfz-Mechatroniker oder Mechatroniker. „Ich fand den Beruf des Kfz-Mechatronikers am besten, den möchte ich später ausüben“, war sich Sergio schon sicher. Spannend daran sei, „dass sich die Autos immer weiter entwickeln, es gibt neue Technologien, man lernt immer wieder etwas Neues dazu.“

Suche nach Fachkräften

Ein attraktives Arbeitsfeld bieten will etwa Spanntec-Geschäftsführer Jan Liescher, der den Schülern zu seinem Unternehmen Rede und Antwort stand. Schwer zu bekommen seien derzeit CNC-Fräser und Industriemechaniker. Die handwerklichen Berufe seien schwer zu besetzen. „Da müssen wir was tun. Deswegen haben wir die Initiative gegründet, um den Jugendlichen unsere Berufe näherzubringen.“ Ein Problem bei Handwerksberufen sei, dass sich niemand mehr „die Hände schmutzig machen“ wolle. Man werde „früh damit konfrontiert, welche Schulbildung man erreichen muss, um einen lukrativen Job zu bekommen“.

Mit Realschulabschluss könne man schon viel machen, auch Hauptschüler hätten viel drauf. Schule sei nicht jedermanns Sache, „wenn es aber um den Beruf geht, wendet sich das Blatt. Wir können nicht alle Akademiker werden.“ Lieschers Empfehlung: Schülern frühzeitig die beruflichen Laufbahnen aufzeigen und über eine Ausbildung praktische Erfahrung sammeln. Weil das Fachkräfte-Angebot immer knapper werde, verdiene man etwa als Industriemechaniker oder Zerspaner vermutlich „irgendwann viel Geld“, prognostizierte er.

Die Spanntec Wickelsysteme baut Wickel- und Spannwellen zum Auf- und Abrollen bahnförmiger Materialien. „Wir bieten einen sicheren Job“, Betriebsklima und Bezahlung seien sehr gut, warb der Geschäftsführer. „Zehn unserer 42 Mitarbeiter sind seit 20 Jahren dabei.“ Über neue Technologien noch produktiver werden wolle die Firma, Industrie 4.0 sei auch in der Wickeltechnik ein Trend. Drei Auszubildende zum Industrie- und zum Zerspanungsmechaniker in den Fachrichtungen Dreh- und Frästechnik habe die Firma derzeit.

Breites Firmenspektrum

Mit Fragen zu den Mint-Berufen gestartet waren die Schüler, erklärte Andrea Rehder, mit Andrea Bornhütter-Kassen Geschäftsführerin des Vereins mit Mitgliedern in den Landkreisen Steinfurt und Osnabrück. Ihren Exkurs in die Handwerkskammer Osnabrück und zu den Firmen mitsamt praktischen Übungen, wie das Zerlegen einer Wickelwellenkomponente, dokumentierten die Schüler. „Wir haben den Eindruck, dass sie was aus dieser Woche mitnehmen, weil sie viele unterschiedliche Berufe und Firmen kennen lernen“, so Andrea Bornhütter-Kassen. „Viele interessieren sich für einen technischen Beruf.“

Finanziert wurde die Woche von der Agentur für Arbeit und der Koordinierungsstelle für Berufsorientierung. Für die Fachbereichsleiterin Arbeit-Wirtschaft-Technik an der Oberschule, Mareike Himmelreich, steht fest: „Uns ist wichtig, handlungsorientierte Möglichkeiten zu nutzen, um den Berufsalltag näherzubringen. Und das ist ein toller Ansatz.“ Daraus ergäben sich Praktika und passgenaue Bewerbungen.