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Noch einmal Gnade für Betrügerin, die ihre Finanzprobleme jetzt angehen will Bad Laer: Wohnungsentrümpelung wird ein Fall für den Richter

Von Ullrich Schellhaas | 01.09.2011, 14:06 Uhr

Bad Iburg/Bad Laer/Hilter. Weil sie die Rechnung eines Entsorgungsunternehmens nicht bezahlt hat, musste sich nun eine 44-jährige Frau aus Bad Laer wegen Betrugs vor dem Amtsgericht Bad Iburg verantworten. Dort wollte sie den Auftrag zunächst gar nicht erteilt haben.

Am 2. September vergangenen Jahres soll sie eine Mulde bestellt, diese mit Sachen aus ihrer Wohnung, die sie wegen Mietschulden räumen musste, befüllt und abtransportieren lassen haben, so die Anklage der Staatsanwaltschaft. Doch die Rechnung des Unternehmens über 521,98 Euro blieb sie bis heute schuldig.

„Ich war das gar nicht, das war mein Mann“, gab die derart Beschuldigte zunächst bei ihrer Aussage vor Gericht an. Sie räumte auf Nachfrage allerdings ein, dass sie schon von der Aktion gewusst habe und es auch um ihre Sachen gegangen sei.

Wegen ihrer Schuldenproblematik habe sie auch auf Post nicht reagiert, zwischenzeitlich seien reihenweise ungeöffnete Briefe im Altpapier gelandet.

Das bestätigte auch der Bewährungshelfer der Frau, die unter anderem wegen fünf Fällen von Betruges vorbestraft ist und zum Tatzeitpunkt unter einschlägiger Bewährung stand.

„Viele Sachen habe ich erst von Dritten erfahren, weil sie sie einfach nicht wahrgenommen hat“, sagte er. Inzwischen sei seine Klientin allerdings in der Schuldnerberatung und auf dem Weg zur Verbraucherinsolvenz. Sie arbeite an sich, betonte er abschließend.

Dennoch beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten – ohne Bewährung. Dafür sei in seinen Augen in der Vergangenheit einfach zu viel vorgefallen.

Der Richter folgte ihm beim Strafmaß, sah aber eine Strafaussetzung zur Bewährung „unter Bedenken“ noch einmal als gerechtfertigt an. „Dafür sprach insbesondere, dass Sie Ihre Situation nun begriffen zu haben scheinen und Hilfe gesucht haben“, erklärte er im mündlichen Urteil.

Auch wolle er die Familie noch nicht unbedingt auseinanderreißen, denn die 44-Jährige hat einen minderjährigen Sohn.