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Klänge von Krieg und Frieden Musikgenuss zum Auftakt der Orgelreihe in Bad Laer

Von Petra Ropers | 12.06.2017, 19:55 Uhr

Außergewöhnlicher Musikgenuss eröffnete am Sonntag die Reihe der sommerlichen Orgelkonzerte in der Kirche Mariae Geburt. Zugunsten der Instandhaltung der Orgel unternahm Organist Stefan Kagl einen einstündigen Streifzug durch die weite Welt der Musikliteratur.

Historisches und Modernes, geistliche und weltliche Werke, Ernstes und Unterhaltsames bot Kagl, Organist im Herforder Münster und künstlerischer Leiter des „Herforder Orgelsommers“, für die Musikfreunde dar. Stilsicher spielte er dabei mit den Registern der Bad Laerer Orgel, die in seinem kontrastreichen Programm ihr breites Klangspektrum hören ließ. Schon der Auftakt mit Georg Muffats „Toccata decima“ ließ im Dialog deutlich kontrastierender Themen und Klangfarben aufmerken.

Musikalische Überraschung

Dem Reformationsjubiläum widmete Stefan Kagl im Anschluss den ersten Teil seines Konzertes. Schließlich beschäftigten die Lieder Martin Luthers die Komponisten durch alle Jahrhunderte hindurch. Zu eigenen Kunstwerken formten sich dabei die Vorspiele zu Luther-Chorälen etwa bei Dietrich Buxtehude. In ruhige Linien fasste er das von Stefan Kagl warm und weich registrierte Vorspiel zu „Nun bitten wir den Heiligen Geist“. Eine strahlende, virtuos jubelnde Oberstimme unterstrich die Freude über die Erkenntnis „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Der Choral selbst bot – nach einem leicht dahineilenden Vorspiel Johann Sebastian Bachs zu „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ – für die Musikfreunde eine Überraschung. Denn Stefan Kagl präsentierte die bekannte Weise in einer Komposition des 1991 verstorbenen Franzosen Jean Langlais, der mit durchdringenden Bässen und rhythmischen Mittel- und Oberstimmen den Choral zu trutziger Klangkraft steigerte. In den Kriegsjahren 1942/43 komponierte Langlais seine „Neuf Pièces“, die deutlich vom zeitlichen Umfeld geprägt sind.

Dramatische Effekte

Fließende, von langen Bögen getragenen Sphärenklänge kennzeichneten dabei den „Chant de Paix“, das Friedenslied. Seine meditative Ruhe wurde jedoch unvermittelt abgelöst von den aufwühlenden, mit dramatischen Effekten im vollen Orgelklang gesetzten „Chant de héroique“. Spannungsgeladene Klanggewalt, von Stefan Kagl mit fesselnder Dynamik intoniert, prägte zuvor auch César Francks „Pièce heroique“.

Dem ernsten Thema von Krieg und Frieden stellte Stefan Kagl heitere Unbeschwertheit gegenüber. Aufmerken ließen dabei insbesondere die Mozartvariationen des 1955 geborenen Hamburger Komponisten und Organisten Andreas Willscher. Er verarbeitete das liebliche und bestens bekannte Thema der Mozart-Sonate Nr. 11 A-Dur in Variationen, die sich mal melancholisch, mal springlebendig aufgelöst, dann wieder mit dramatischer Kraft oder peppig-modern in ganz unterschiedlichem Charakter zeigten.

In Klang umgesetzte Bilder

Drei vom Organisten selbst für Orgel bearbeitete Sätze aus Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ rundeten das bemerkenswert breit gefasste Programm des Konzertes ab – darunter „Das große Tor von Kiew“ als klangliche Interpretation eines zeichnerischen Entwurfs für ein Stadttor mit Kapelle, dessen Majestät und sakrale Erhabenheit sich zu monumentaler Klanggewalt steigerte. Der anhaltende Applaus dankte für ein virtuoses Konzert mit ungewöhnlicher Werksauswahl, das der im Zuge der Kirchenrenovierung anstehenden Reinigung der Orgel zugutekommt.

Die Reihe der Sommerkonzerte setzt am Sonntag, 6. August, der Detmolder Organist Prof. Dr. Martin Sander fort.