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Interview mit Wilfried Bury Rettungsanker für Kinder in Not im Osnabrücker Land

Von Petra Ropers | 07.07.2014, 20:53 Uhr

In Dissen ist er bereits seit zehn Jahren fest etabliert, andere Kommunen zogen nach. Nun taucht der Rettungsanker mit den beiden fröhlichen Smilies auch in Bad Laer auf: Das markante Symbol kennzeichnet Geschäfte und Einrichtungen, an denen Kinder in Not einen sicheren Ort und Hilfe finden. Über Anlaufstellen und weitere Projekte sprach die Neue Osnabrücker Zeitung mit Wilfried Bury, Präventionsbeauftragter des Polizeikommissariates Georgsmarienhütte.

Herr Bury, den Rettungsanker oder vergleichbare Kennzeichnungen gibt es mittlerweile in vielen Kommunen überall im Südkreis. Wieso ist ein solches Symbol überhaupt erforderlich?

Nun, zum einen soll der Rettungsanker Kindern Mut machen, sich im Notfall Hilfe zu suchen. Dazu ist es natürlich wichtig, dass sie den Aufkleber kennen und wissen, was dahintersteckt. In den nächsten zwei Wochen werde ich deshalb alle Kindergärten und die Schulen in Bad Laer besuchen, um den Rettungsanker vorzustellen. Doch es geht auch darum, die Erwachsenen zu sensibilisieren. Kinder sind nun einmal das schwächste Glied in unserer Gesellschaft. Umso wichtiger ist es nicht wegzusehen, sondern hinzuschauen und zu helfen.

Der Gedanke des Rettungsankers geht also über die offenen Geschäftstüren hinaus?

Auf jeden Fall! Da ist jeder Einzelne gefragt. Wenn etwa in der Nachbarschaft ein Kind geschlagen wird, dann dürfen wir es nicht einfach seinem Schicksal überlassen. Erwachsene sollten vielmehr hinschauen und sich einmischen, wenn ein Kind bedroht wird. Denn auch hier im Südkreis ist nicht mehr alles „heile Welt“.

Der Rettungsanker ist aus diesem Grund ja nur ein Teil Ihrer Präventionsarbeit. Welche ergänzenden Projekte gibt es?

Über die Initiative „Schutz vor Kriminalität“ wird mittlerweile in 30 Kindertagesstätten in unserem Zuständigkeitsbereich das Projekt „Kinder stark machen“ durchgeführt. Die Kinder lernen dabei in Rollenspielen, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen, auch einmal deutlich Nein zu sagen und sich im Notfall an andere Erwachsene zu wenden. Aufbauende Projekte finden in der Grundschule statt. In den weiterführenden Schulen geht es dann um Themen wie Mobbing, Konfliktbewältigung und Drogen. Dazu gibt es gemeinsame Projekte mit Puppenbühnen oder der Theaterpädagogischen Werkstatt.

Passiert darüber hinaus auch etwas im außerschulischen Bereich?

Der gehört natürlich auch dazu. Es ist ganz wichtig, dass Kinder ein Hobby haben, dass sie irgendwo eingebunden sind – ganz gleich, ob beim Sportverein, beim DRK oder in einer Musikgruppe – und ihre Stärken einbringen. Das macht sie zu Persönlichkeiten. Allerdings müssen die Kinder das natürlich auch selbst wollen.

Trägt diese Präventionsarbeit denn Früchte?

Das lässt sich natürlich nicht an konkreten Fallzahlen festmachen. Aber die Kinder sind schon aufmerksamer. Ich erinnere mich an eine Begebenheit, bei der ein paar Erstklässlern ein verdächtiges Fahrzeug außerhalb des Ortes auffiel. Sie hatten kein Schreibzeug dabei und notierten deshalb das Kennzeichen mit den Fingern im Sand. Später hat sich herausgestellt, dass der Wagen nur jemandem vom Wasserbeschaffungsverband gehörte. Aber die Aktion war schon toll!

Und wie sieht die Resonanz auf den Rettungsanker im südlichen Osnabrücker Land aus?

Der wurde vor zehn Jahren in Dissen ins Leben gerufen und ist dort schon ein Selbstläufer. Bad Rothenfelde, Hilter und Bad Laer haben nachgezogen. Ähnliche Anlaufstellen gibt es auch in Georgsmarienhütte und in Versmold. Und Hagen hat sich das Thema für das kommende Jahr auf die Agenda geschrieben. Unser Ziel ist es, etwas Ähnliches in allen Kommunen zu etablieren. Da bleibe ich natürlich am Ball.