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Interview mit Hendrik Kettler Wie kann das südliche Osnabrücker Land gefördert werden?

Von Kathrin Pohlmann | 24.07.2014, 11:45 Uhr

Das Integrierte ländliche Entwicklungskonzept für das südliche Osnabrücker Land (Ilek-Sol) geht in die nächste Runde, und es steht eine neue Förderperiode an.

Hendrik Kettler ist der Mann für alle Fragen rund um die Förderungen. Im Interview erzählt der Regionalmanager, warum Ilek-Sol eine gute Sache ist und Bürger dabei gebraucht werden.

Herr Kettler, was ist eigentlich Ilek? Ilek steht für das Integrierte ländliche Entwicklungskonzept. Es ist ein sehr langes Wort. Es steht im Kern dafür, dass sich Städte und Gemeinden gemeinsam weiterentwickeln wollen. Dahinter steht der Gedanke, dass sie allein nie so stark sein können wie ein regionaler Verbund. Es geht darum, dass die Orte gemeinsame Handlungsfelder erkennen und dann regionale Lösungsansätze verfolgen.

Was ist das Ziel von Ilek? Das Ziel ist, sich als Region zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Es gibt viele Herausforderungen, vor denen kleine Städte und Gemeinden heute im ländlichen Raum stehen. Die Veränderung der Bevölkerung, sprich der demografische Wandel zum Beispiel. Oder die Frage, wie man Ortskerne lebendig hält und wie man als Gemeinde auf den veränderten Wohnraumbedarf reagiert. Es geht auch darum, wie das Leben in der Gemeinde auch in Zukunft lebenswert gestaltet werden kann. Wie kann man beispielsweise Vereinsangebote vernetzen? Gerade im Bereich der Heimatvereine arbeiten wir viel gemeindeübergreifend.

Wo steht die Region in dem Prozess? Wir befinden uns nicht am Anfang. Wir waren schon 2008 dabei, und da wurde das ursprüngliche Konzept entwickelt. Ich bin dann 2009 als Regionalmanager dazugekommen. Ich arbeite für das Projektbüro Pro-t-in aus Lingen. Das Büro hat damals das erste Konzept geschrieben und auch den Auftrag für das Regionalmanagement bekommen. Das war in der ersten Förderperiode 2007 bis 2013. Die wird jetzt abgelöst durch die Periode 2014 bis 2020. Es ist grundlegend so, dass das Konzept aus der ersten Förderperiode fortgeschrieben werden muss. Da sind wir jetzt bei den Vorbereitungen. Das Land Niedersachsen hat dazu Pflichtthemen vorgegeben: unter anderem Ortsentwicklung, Klima und Umweltschutz und die Reduzierung des Flächenverbrauchs – das beinhaltet die Nachnutzung von leer stehenden Gebäuden.

Wie stehen die Gemeinden zu dem Konzept? Die Städte und Gemeinden haben in den Entscheidungsgremien über die Fortsetzung des Ilek-Prozesses abstimmen lassen. Alle haben sich dort für die Fortschreibung des Konzepts ausgesprochen. Also haben wir von allen die Aussage „Ja, wir wollen gemeinsam weitermachen“.

Bewerben sich die Städte und Gemeinden dann, oder wie funktioniert das Verfahren? Genau. Im ersten Schritt steht die Konzeptfortschreibung an. Dafür hat die Region schon eine Zusage für eine Förderung vom Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Osnabrück bekommen. Mit diesem Konzept – wenn es fertig ist im Januar 2015 – muss man sich dann bewerben, um eben wieder Ilek-Region werden zu können. Wir haben dazu eine erste Bestandsaufnahme gemacht, und es hat sich herausgestellt, dass alle Städte und Gemeinden im südlichen Osnabrücker Land vor ähnlichen Herausforderungen stehen – es ist also nur konsequent, als Ilek-Region weiterzumachen.

Es heißt, auch die Bevölkerung wird in den Prozess mit einbezogen. Was bedeutet das konkret für die Bürger? Die Bürger können ihre Ideen direkt in den Prozess einbringen. Am vergangenen Mittwoch haben wir dazu einen Bürgerabend für die ganze Region. Es ist wichtig, dass die Bürger dabei sind. Der Prozess kann nur erfolgreich sein, wenn sie das Ganze tragen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Menschen gemeldet haben und auch gute Ideen hatten, aber nicht wussten, wie sie es umsetzen sollten. Es ist dann meine Aufgabe als Regionalmanager, die Menschen zu beraten und auch zu unterstützen.

Was erwartet die Menschen beim Bürgerabend? Wir stellen am Mittwoch in Glandorf auf sogenannten Info-Märkten jeweils ein aktuelles Projekt aus den sechs Kommunen vor. Und die Bürger können dann über das jeweilige Thema diskutieren und auch ihre Ideen einbringen.

Wer finanziert die Ideen und Projekte? Grundsätzlich haben zukünftig nur die Kommunen einen Zugang zu Fördermitteln der ländlichen Entwicklung, die auch ein gemeinsames Entwicklungskonzept vorweisen können.Wir haben in der Region kein eigenes Budget und müssen immer projektbezogene Förderanträge stellen. Wir schauen dann natürlich auf die EU-Mittel, aber nicht nur. Es gibt ein breites Portfolio an Förderstellen, die wir ansprechen können. Das sind zum Beispiel Stiftungen oder der Landschaftsverband.

Warum ist Ilek-Sol eine gute Sache? Wir haben in den letzten fünf Jahren eine ganze Reihe an Projekten umgesetzt. Die neue Förderrichtlinie für den ländlichen Raum, die ab 2015 greift, wird zudem neue Bereiche enthalten. Das Konzept ist auf jeden Fall positiv. Es gibt kleinen Städten und Gemeinden die Möglichkeit, von Europa zu profitieren.

Der Bürgerabend findet am Mittwoch, 23. Juli, 19 Uhr, in der Ludwig-Windhorst-Schule in Glandorf statt. Alle Bürger sind eingeladen, sich einzubringen. Ansprechpartner ist Hendrik Kettler, Telefonnummer 0 5424/291166 oder E-Mail: info@ilke-sol.eu