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An Reitergruppe vorbeigefahren Autofahrer macht Pferde im Südkreis scheu: Geldstrafe

Von Danica Pieper | 15.12.2015, 14:02 Uhr

Weil er sich über eine vierköpfige Reitergruppe ärgerte, fuhr ein 76-Jähriger am Blomberg zwischen Bad Laer und Bad Rothenfelde absichtlich mit überhöhter Geschwindigkeit an dieser vorbei. Die Pferde erschreckten sich dabei so sehr, dass sie scheuten. Das Amtsgericht Bad Iburg verurteilte den Angeklagten dafür zu einer Geldstrafe von 900 Euro sowie einem zweimonatigen Fahrverbot.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, seinen Wagen auf dem Waldweg am Blomberg beschleunigt zu haben und auf die Reitergruppe zugefahren zu sein, wodurch die Pferde gescheut hätten. Nur mit Mühe sei es den Reitern gelungen, die Tiere wieder unter Kontrolle zu bringen.

Der 76-Jährige gab zu, mit seinem Sohn dort unterwegs gewesen zu sein. Die Reiter seien paarweise nebeneinander geritten, sodass er nur mit Mühe an ihnen habe vorbeifahren können. Er und sein Sohn seien dann ausgestiegen und hätten, die Reiter gebeten, demnächst an die Seite zu rücken. Es sei zu einem Wortwechsel gekommen, der dem 76-Jährige leid tue. Er bestritt jedoch, an der Gruppe vorbeigerast zu sein. Zudem war er der Meinung, dass Reiten dort nicht erlaubt sei.

„Situation war bedrohlich“

Die Reitergruppe bestand aus einem 53-jährigem Lienener, seinem Arbeitskollegen, seiner Schwester sowie seiner Nichte. Der Lienener erklärte, dass das Auto des Angeklagten im Wald langsam um die Kurve gekommen sei, dann aber beschleunigt habe und schnell an der Gruppe vorbeigefahren sei. Sein Pferd, das an Verkehr gewöhnt sei, sei deswegen in Panik geraten und hochgesprungen. „Die Situation war bedrohlich“, so der Reiter. Er war sich sicher, dass der Angeklagte mit Absicht sein Tempo erhöht habe: „Die Beschleunigung war nicht verkehrsbedingt.“ Im Anschluss sei es zum Streit gekommen, wobei der Sohn des Beschuldigten den Reitern vorgeworfen habe, dass sie sich dort überhaupt nicht aufhalten dürften.

Pferd ging durch

Die Schwester des Lieneners, eine Bad Iburgerin, erklärte, sehr oft in dem Wald unterwegs zu sein. Ein Verbotsschild sei ihr noch nie aufgefallen. Auch war sie sich sicher, dass der Angeklagte mit voller Absicht sein Auto beschleunigt habe: „Das war richtig provozierend.“

Der Kollege des Lieneners, ein 29-jähriger Bissendorfer, konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob der Angeklagte beschleunigt habe oder mit gleichbleibender Geschwindigkeit gefahren sei. Die vierte Reiterin hingegen war überzeugt, dass der 76-Jährige nach der Kurve das Tempo erhöht hat. Sowohl sie als auch der 29-Jährige schätzten, dass der Angeklagte mindestens dreißig Stundenkilometer schnell gefahren ist.

Das Pferd des Bissendorfers sei nach der Bremsung durchgegangen: „Ich hatte Panik, da ich noch nicht so lange reite“, erklärte der Mann. Er habe sich aber glücklicherweise im Sattel halten können. Das Pferd der 23-jährigen Reiterin habe gezittert, zudem habe sie mit ihrem Fuß fast das Auto des Angeklagten getroffen, da er in geringem Abstand vorbeigefahren sei. „Ich kann von Glück sagen, dass mein Pferd nichts gemacht hat, sonst hätte ich auch auf dem Auto landen können“, so die 23-Jährige. Alle Reiter betonten, dass sie einzeln hintereinander geritten seien.

Sohn wäre nicht so schnell gefahren

Der Sohn des Angeklagten erklärte, dass sowohl er als auch sein Vater sich über die Reiter geärgert hätten, da diese den Weg versperrt hätten. Sie seien zunächst paarweise nebeneinander geritten, hätten sich dann aber eingereiht. Der 50-Jährige gab zu, dass sein Vater schneller an den Pferden vorbeigefahren ist, als er es in dieser Situation getan hätte. Man sei der Gruppe aber ausgewichen und am Wegesrand entlanggefahren.

Staatsanwalt glaubt Zeugen

Der Staatsanwalt war überzeugt, dass sich der Vorfall wie in der Anklageschrift dargestellt zugetragen hat. Die Zeugen seien glaubhaft: „Es gibt keine Belastungstendenz.“ Der Angeklagte sei zu schnell gefahren, weil er sich über die Reiter geärgert habe. Da die Pferde durch das Manöver in Panik gerieten und die Reiter sie beruhigen mussten, handele es sich rechtlich gesehen um Nötigung. Er forderte eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro sowie ein einmonatiges Fahrverbot.

Verteidiger sieht keine Nötigung

Der Verteidiger hingegen sah den Tatbestand der Nötigung nicht erfüllt. Es gebe keinen Beweis dafür, dass sein Mandant wegen der Tiere beschleunigt habe oder dass diese wegen der Fahrweise gescheut hätten. Vielleicht habe der Angeklagte einfach sein Tempo erhöht, weil er nach der Kurve wieder auf eine gerade Strecke kam. Er forderte Freispruch.

Zwei Monate Fahrverbot

Der Richter war wie der Staatsanwalt überzeugt, dass es sich bei dem Vorfall um Nötigung handelt. Der Angeklagte habe mit Absicht beschleunigt, weil er sich über die Gruppe geärgert habe und sie belehren und erschrecken wollte: „Gott sei Dank ist niemand zu Fall gekommen.“ Bezüglich der Geldstrafe schloss sich der Richter dem Staatsanwalt an, verurteilte den Bad Rothenfelder jedoch zu einem zweimonatigen Fahrverbot, da gleich vier Personen betroffen waren.