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Alle Register gezogen Mitreißendes Orgelkonzert in Bad Laer von Dirk Elsemann

Von Alexander Heim | 19.09.2017, 18:03 Uhr

Sie ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, die Seifert-Orgel aus dem Jahre 1991. An seiner üppigen Klangfülle hat das Instrument jedoch noch nichts eingebüßt. Drei Mal hatte sie im Zuge der Reihe „Sommerkonzert“ bereits im Mittelpunkt gestanden. Am Sonntag genossen rund 50 Zuhörer Auflage Nummer vier.

Zu der war Dirk Elsemann gekommen, ein Berliner Könner auf dem Kircheninstrument, nach Bad Laer gereist. Seit seinem siebten Lebensjahr spielt er Orgel. Ob es da auch das ganz besondere oder gar Wunschinstrumente gibt?

Kevelaer

„Die Seifert-Orgel in Kevelaer war schon etwas Besonderes“, urteilte der 40-Jährige. Es sei den Instrumenten anzumerken, wenn sie noch in einer Epoche konstruiert und errichtet worden sind, in der es eine Vielzahl von Orgel-Spezialisten gegeben hatte. Auch die Orgel im Konzertsaal der Philharmonie Budapest hat Dirk Elsemann in ihren Bann gezogen. „2006 war ich dort“, berichtete der gebürtige Westfale.

Was ihm am Improvisieren besonders viel Spaß mache? „Beim Sprechen reden wir ja auch nicht die Texte anderer nach.“ Dem Spiel mit den Tasten seine - im wahrsten Sinne des Wortes - eigene Note geben, genau das sei es, was ihm besondere Freude bereite.

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Improvisation

Und so erlebten die Besucher der Pfarrkirche Mariae Geburt am Sonntag ein ganz außergewöhnliches Konzert. Eines, das vor allem aus Improvisationen bestand. Und eines, zu dem die Besucher selbst den Grundstock legten. Denn das Auditorium war gleich zu Beginn aufgefordert, Liedvorschläge aus dem Gotteslob zu unterbreiten. Heiner Plogmann, Initiator der Veranstaltungsreihe, sammelte diese ein und überreichte sie dem Virtuosen an der Orgel. Mehr aus Bad Laer 

Dirk Elsemann entführte die Gäste anschließend in das ganze Spektrum der Orgelmusik, stellte eine „Suite Francaise“ im klassische Stil in ihren sechs Teilen ebenso vor wie Choralbearbeitungen im deutschen Barockstil oder im deutsch-romantischen Stil. Insgesamt sechs musikalische Abschnitte hatte der Berliner sich für das rund 75-minütige Konzert vorgenommen, um die Bandbreite und den Variantenreichtum der Orgel vorzustellen.

Düster, mächtig und gewaltig

Gewaltig präsentierte sich da etwa die „Phantasie“ kurz vor dem großen Finale. Düster, mächtig und gewaltig erklang die Orgel dabei und flutete mit ihrem Klang das gesamte Kirchenschiff. Zwar wurde die Anspannung im Übergang zur Fuge etwas geringer. Doch auch diese endete mit einem stetig intensiver werdenden, deutlichen Crescendo.

Zu „Nun danket alle Gott“ hatte Dirk Elsemann eine der Choralbearbeitungen im deutsch-romantischen Stil vorgetragen, Cantus Firmus im Tenor inklusive. „Großer Gott, wir loben dich“ wurde Grundlage für eine vierstimmige Choralbearbeitung im deutschen Barockstil.

Fingerfertigkeit

Ludwig van Beethoven - er hätte wohl seine helle Freunde gehabt, sein „Die Himmel rühmen“ als Basis für ein Concerto samt Adagio und Fuge verwendet zu wissen. Sehr schön anzuhören und mit großer Fingerfertigkeit arbeitete Dirk Elsemann hier die Läufe hervor.

Mit drei symphonischen Skizzen ließ der Kirchenmusiker der Kirche Heilig Kreuz in Berlin-Wilmersdorf und Dozent der Universität der Künste in Berlin den Abend ausklingen. Und hatte – nicht zuletzt des langanhaltenden Applauses wegen - mit „Der Mond ist aufgegangen“ nach dem streckenweise durchaus heftigen und aufrüttelnden musikalischen Feuerwerk einen beruhigenden Abschluss parat.