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Packende Bürgerkanzel Heuvelmann: „Das christliche Abendland geht im Mittelmeer unter“

Von Anke Schneider

Glandorfs Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann predigte auf der Bad Laerer Bürgerkanzel. Foto: Anke SchneiderGlandorfs Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann predigte auf der Bad Laerer Bürgerkanzel. Foto: Anke Schneider

Bad Laer. Die Glandorfer Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann predigte am Sonntag auf der Bad Laerer Bürgerkanzel im Rahmen der Woche der Reformation. Ein Thema: Das Sterben im Mittelmeer

„Ich bin keine Theologin“, sagte Magdalene Heuvelmann zu Beginn des Gottesdienstes in Bad Laer, der sich dieses Mal um Noah und die Arche drehte. Und eigentlich wisse sie auch gar nicht, ob sie als Bürgerin oder als Bürgermeisterin von Glandorf sprechen solle. Am Ende sprach sie als Christin und traf mit ihrer Nachricht an die Gemeinde all diejenigen, die sich dem Christentum verbunden fühlen und danach leben, mitten ins Herz.

Fragen der Haltung

„Es geht um die Schnittmenge, die kirchliche und politische Gemeinden aus christlicher Sicht haben“, sagte sie. Da geht es um Fragen unserer Haltung, um die Frage nach Werten wie Ethik und um das, was uns verbindet. Was verstehen die Menschen unter Christsein und leben sie danach?

Heuvelmann griff die Geschichte von Noah und der Arche auf. „Ich musste sofort an die Flüchtlinge denken“, sagte sie. Mehr als 10.000 seien in diesem Jahr jämmerlich ertrunken, weil die EU meine, sie müsse ihre Grenzen schützen. „Ich hätte all diesen Menschen eine Arche gewünscht“, sagte Glandorfs Bürgermeisterin.

Inzwischen berichte man kaum noch über das Sterben im Mittelmeer. „Vermutlich aus politischen Motiven heraus, nicht aus christlichen“, sagte sie. Es sei sinnlos, in diesem Fall nach einer Schnittmenge zu suchen. Und nach christlicher Ethik. Mehr aus Bad Laer

„Als Bischof Bode da war, habe ich gesagt, dass sich widerspreche, wenn es heißt, dass das christliche Abendland durch die Zuwanderung der Muslime untergeht“, so Heuvelamnn weiter. „Für mich geht das Abendland auf dem Mittelmeer unter.“ Sie forderte die Gottesdienstbesucher auf, offen und öffentlich über christliche Werte zu diskutieren. Mehr aus Glandorf im Netz

Gegen Heuchelei

Zurück zu Noah: „Wie hat er sich gefühlt, als alles um ihn herum unterging? Als viele Menschen in den Fluten ertranken?“, fragte Magdalene Heuvelmann. In der Bibel sei darüber wenig zu lesen. Sie wies auf die Kehrtwende hin, die Gott unternommen hat, nachdem die Sintflut vorüber war. Er hatte versprochen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen. Der Gott, der zuvor selbstgerecht durch das Alte Testament gewütet sei, habe dann begonnen, den Menschen Eigenverantwortung zu übertragen. „Der Jesus des Neuen Testamentes ist großartig“, sagte Heuvelmann. Er sei gutherzig gewesen, hat Gesetzen und Normen widersprochen und war immer für Menschen in Not da. Er geißelte Heuchelei und Habgier und stellte sich bedingungslos auf die Seite der Schwachen.

Gott gab den Menschen Gebote mit auf den Weg von denen eines laute: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Kein Gebot sei wichtiger als das. „Das könnte die Schnittmenge sein“, so Heuvelmann weiter. Und daraus ergäben sich ganz konkrete politische Haltungen. Beim Grundrecht auf Asyl kann es keine Obergrenzen geben. Auf der Basis der Mitmenschlichkeit verbietet sich jedwede Frage danach.“ Unsere Gesellschaft müsse die Verantwortung für die Not dieser Menschen übernehmen.

Menschlichkeit

Zum Schluss berichtete Glandorfs Bürgermeisterin über eine Familie mit zehn Kindern in Glandorf, der die Abschiebung in den Kosovo droht. „Ich weiß nicht, wie wir das verantworten können. Das widerspricht zutiefst meinem Verständnis von Menschlichkeit.“