Dusel zu Rückzahlung verurteilt Machtkampf um Sanicare: Versuchter Prozessbetrug

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Bad Laer. Der Streitwert ist klein. Das Urteil wiegt schwer – und kann für die Zukunft von Sanicare weitreichende Folgen haben. Vor dem Landgericht Frankenthal hat die Witwe des verstorbenen Inhabers Volkmar Schein eine Firma des kaufmännischen Leiters exemplarisch auf Rückzahlung von 25000 Euro verklagt. Mit Erfolg. Allerdings ist Dusel inzwischen in die Berufung gegangen.

Detelef Dusel ist nicht nur kaufmännischer Leiter der BS (Bertram/Schein) Apotheken. Der 52-Jährige kontrolliert ein ausgedehntes Firmengeflecht, als Vorstand der Pharmnet AG und Geschäftsführer der Firma Thesauraus, der Zweiten, Dritten und Fünften Thesaurus, der Telos, der Tele-Medien-Solutions, von Medicus-Weinstraße, VFD Verwaltungen und Finanzdienstleistungen und Top-Brand-Services. Das Stammkapital der Unternehmen rangiert oft am unteren Limit von 25000 Euro.

Kontoauszug fehlte

In Frankenthal ging es um die Zweite Thesaurus. Dusel bestritt, für seine Firma eine Inhaberschuldverschreibung aus dem Jahr 2006 von Ingrid Schein erhalten zu haben. Ein von Scheins Anwalt Hermann Comtesse vorgelegter Kontoauszug von Schein überzeugte die Richter nicht. Der belege den Abgang des Geldes, nicht aber den Eingang auf dem gegnerischen Konto.

Dusel war sich seiner Sache sicher und gab auch in der mündlichen Verhandlung zu Protokoll, das Geld nicht erhalten zu haben – „ernsthaft und endgültig“, wie es im späteren Urteil heißt. Dann zog Comtesse den Joker: eine Sammelüberweisung, die den Eingang des Geldes auf dem Thesaurus-Konto belegt. Erst da räumte Dusel ein, dass „es den Anschein gebe, dass das Geld eingegangen sei“.

Keine Wahrhaftigkeit

Das war die Wende: Der Richter erklärte die fristlose Vertragskündigung durch Ingrid Schein für rechtens, den anderslautenden Passus im Kontrakt für unwirksam. Dusel habe mit dem Bestreiten des Geldeingangs die Beweisnot der Gegenseite ausgenutzt und die mit dem Vertrag verbundene „Forderung nach Loyalität und Wahrhaftigkeit in grobem Maße verletzt“. Das laufe auf einen versuchten Prozessbetrug hinaus.

Hermann Comtesse will nun abwarten, ob der Richter den Fall an die Staatsanwaltschaft weiterreicht und sonst selbst Strafanzeige gegen Dusel stellen.

Roya Comtesse hält den Thesaurus-Vertrag für sittenwidrig, wie sie auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, da er weder Verzinsung noch Gewinnausschüttung vorsieht und – was auch das Gericht kritisierte – unbefristet und nur einseitig von der Firma auflösbar war. Insgesamt hätten die Eheleute Schein 1,7 Millionen Euro in Form nachrangiger Schuldverschreibungen investiert.

Weitere Million gefordert

Ingrid Schein sieht sich seit dem Tod ihres Mannes mit hohen Forderungen von Sanicare-Gesellschafter Christoph Bertram, von BS und von Firmen konfrontiert, mit denen Dusel direkt oder indirekt zu tun hat. So fordern Dusels Anwälte aktuell eine Million Euro, die Volkmar Schein an Dusel abgetreten habe.

Der Schlamassel begann, als Volkmar Schein sein gesamtes Vermögen an Sanicare in die Offene Handelsgesellschaft BS Apotheken einbrachte und 95 Prozent der Anteile an Mitgesellschafter Christoph Bertram übertrug – unentgeltlich. Mit nur fünf Prozent haftete Schein mit seinem gesamten Vermögen für Sanicare. Bald darauf habe es „erhebliche Diskrepanzen“ gegeben, in die auch Dusel verwickelt gewesen sein soll, so Roya Comtesse.

Eheliches Vermögen angetastet

Im Herbst 2015 zog sich Volkmar Schein aus dem operativen Geschäft zurück, beging im Sommer 2016 Suizid. Seine Ehefrau versuchte bereits seit April 2016, den Gesellschaftsvertrag und die Übertragung der Anteile an Bertram für unwirksam erklären zu lassen. Ihr Mann habe ohne Zustimmung über das eheliche Vermögen verfügt.

Der Streit liegt vor dem Familiengericht: Gutachter sollen beurteilen, ob Schein am 30. Juni 2014 und am 4. November 2015 geschäftsfähig war.

Außerdem hatte Volkmar Schein Dusels Ludwigshafener Mercator Services die Markenrechte für den Betrieb der Sanicare-Internetapotheke übertragen. Warum? Auch diese Frage soll vor Gericht geklärt werden.


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