Silber für Osnabrücker Flow Gin Trend-Getränk: Studenten ziehen Flaschenkind mit Gin groß

Gin-Macher im Zweit-Job: Jan-Hendrik Strautmann (links) und Alexander Kunz sind die Köpfe von Blumenkind. Ihren Flow Gin belohnen die Sommeliers der „World Spirits“ mit einer Silber-Medaille. Foto: Swaantje HehmannGin-Macher im Zweit-Job: Jan-Hendrik Strautmann (links) und Alexander Kunz sind die Köpfe von Blumenkind. Ihren Flow Gin belohnen die Sommeliers der „World Spirits“ mit einer Silber-Medaille. Foto: Swaantje Hehmann

Bad Laer. Gin war Billigsprit, Soldatenfusel und Wirtschaftswunder-Liebling. Bis es in den 70er mit dem Wacholderschnaps aus Agraralkohol massiv bergab ging. Jetzt mischt er wieder mit: Nach der Wodka- und der Whiskey-Welle hat es den Gin an die Spitze der Hipster-Alkoholika gespült. Mit mindestens 37,5 Prozent, meist zehn Umdrehungen mehr, macht sich Gin schick. Dafür braucht er Lavendel, Kardamom und was die Natur sonst noch so hergibt – und zwei Jungunternehmer aus dem Osnabrücker Land.

Eigentlich ist es ganz einfach: Sie machen das, was ihnen schmeckt. „Die Kunst ist es, mit wenigen Zutaten etwas zu erreichen“, sagt Jan-Hendrik Strautmann in einem Osnabrücker Café. „Wir möchten einen vollkommenen Gin, der vom Geruch bis zum Abgang ein rundes Bild liefert.“

Klar, alles Geschmacksache. Aber für ihren Flow Gin schwärmen auch fachkundige Sommeliers: Strautmann und Kunz haben bei den „World Spirits 2017“ in Österreich eine Silbermedaille für ihr „gutes bis sehr gutes Produkt“ erhalten, „mit der höchstmöglichen Punktzahl für Silber, darüber freuen wir uns wahnsinnig“.

Strautmann und sein Kumpel Alexander Kunz haben sich auf dem Osnabrücker Ratsgymnasium kennengelernt. Strautmann ist Betriebswirt und sattelt gerade Maschinenbau obendrauf, Kunz ist studierter Nautiker. Der eine ist ausgeschlafen bodenständig, der andere mit allen Meereswassern gewaschen. Gemeinsam gießen sie ihre Liebhaberei in Flaschen.

„Wir trinken seit zehn Jahren Gin“, sagt der 28-jährige Bad Laerer Strautmann. Viele ihrer Käufe enttäuschten sie. „Das war oft das Gleiche unter einem anderen Etikett.“

Also besser selber machen. Sie recherchierten, studierten Zutatenlisten, spielten, probierten, testeten neue Mischungen. „Wir machen ‚New Western Gin‘“, das ist der Gin mit den größten Freiheiten. Hier dürfen andere Aromen in der Destillation dem Wacholder Paroli bieten.

Welche? Strautmann will nicht alle verraten, nur so viel: Zitronenschale, Kardamom, Hopfen- und Lavendelblüten und Rosenknospen sind drin und sorgen für das blumige Aroma und die zarte Farbe. Die erste Charge, die Spirituosen-Experte Heinrich Bruns in Rotenburg an der Wümme für die beiden destillierte und im Steingutfass mit Botanicals nachreifen ließ, füllte zehn Flaschen.

Die schenkten sie in einer Clausthaler Studentenkneipe aus. Ergebnis: Statt zwei Flaschen gingen an einem Sommerabend des letzten Jahres, Zentiliter für Zentiliter, zehn über den Tresen. Mehr aus Bad Laer

Inzwischen sind die Chargen auf 300 Flaschen angewachsen. Die fünfte ist im Handel. „Wir finanzieren alles selbst, machen kein großes Marketing und wollen langsam wachsen.“

Zum Massenprodukt und Hauptberuf soll ihr gemeinsames Baby Flow Gin sowieso nicht werden, „wir möchten unsere Kunden nicht mit einer Omnipräsenz erschlagen“. Verkaufen aber möchten sie schon. Denn in ihrem Produkt steckt viel Arbeit. Die Etiketten sind selbst designt und geklebt, jede Flasche ist von Hand nummeriert. Die edle Optik stärkt den Nimbus des Manufaktur-Gins.

Hype hin oder her. Gin und Genever sind Nischenprodukte. Ihr Marktanteil liege in Deutschland bei knapp 2 Prozent, erzählt Jan-Hendrik Strautmann. Zum Vergleich: Wodka schaffe fast 19.

Haben die Blumenkinder schon neue Ideen? „Ja...“, dehnt Strautmann seine Antwort. Okay, das Neue ist noch nicht spruchreif. Dafür erzählt er eine familiäre Anekdote: „Der Großvater von Alexander war bis 1985 Vertreter für Doornkaat und Asbach in Osnabrück. Aber das haben wir erst nach der Gründung unserer Firma Blumenkind erfahren.“

Damals war Gin, der auch im benachbarten Ostwestfalen destilliert wurde, schon auf dem absteigenden Wacholderzweig: Denn nichts anderes ist der berühmte Stein- oder Schinkenhäger aus der Namensgeberstadt Steinhagen in der braunen Steingut-Kruke, gern auch Betonbuddel genannt. Da half es auch nicht mehr, dass ihn sich James Bond gleich doppelt hinter den weißen Hemdkragen kippte und Queen Mum dank – oder trotz – Gin 101 wurde.

Vorbei. Gin ist wieder in: Aber nicht alleine. Er braucht schmackhafte Begleiter. Jan-Hendrik Strautmann empfiehlt Gin Tonic mit 4 cl Gin, 14 cl neutralem, trockenem Tonic, Eis und einem Zweig Thymian. „Aber auch die Kombi mit Apfelschorle ist gut.“


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