Mittelpunkt für alle Remseder Schützenhaus soll inklusiver Treffpunkt werden

Von Frank Muscheid


Bad Laer. Inklusion ist eine Frage der Bedingungen. So denkt der Bürgerschützenverein Remsede, der das Schützenhaus zu einem barrierefreien, inklusiven Treffpunkt ausbauen will. Denn Mittelpunkt für Dorffeierlichkeiten ist es derzeit nicht für alle.

„Bei Veranstaltungen kommen viele nicht mehr, weil sie aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen nicht in der Lage sind, die im Keller des Schützenhauses befindlichen Toilettenanlagen zu benutzen“, sagt Peter Hegemann. Im Bürgerhaus Natrup-Hagen ist dagegen alles barrierefrei, erklärt seine Frau Bettina, die hier regelmäßig an Doppelkopfturnieren teilnimmt, „da öffnet sich die Eingangstür zum Beispiel automatisch. Wenn man von Integration vor Ort redet, muss Barrierefreiheit gewährleistet sein. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, klappt das.“ Andernfalls stünden Menschen wie ihre 14-jährige Tochter Marie „wieder außen vor.

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Hürde für Rollstuhlfahrer

Marie wurde mit einem offenen Rücken, Spina bifida, geboren, und ist auf Katheder und Rollstuhl angewiesen. Mit diesem kommt sie die enge, steile Treppe zu den Toiletten nicht hinunter. Marie ist Fußballfan. Und sie feierte am Schützenhaus im Festzelt schon mit Moderator Andreas Kuhlage die N-Joy-Party, mit dem sie befreundet ist. Sie würde gern häufiger und selbstständig die Freizeitanlage nutzen. Die Fahrt dorthin kann sie mit ihrem E-Rolli zurücklegen. Aber: „Es bleibt nach etwa zwei Stunden nur die Fahrt nach Hause, weil es Marie nicht möglich ist, die Toiletten vor Ort zu nutzen. Wir haben es zum Glück nicht so weit wie andere“, sagt Maries Mutter. „Die Umbau-Maßnahme zielt darauf ab, einen Treffpunkt zu schaffen, der Menschen mit und ohne Handicap zusammenführt, unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft“, sagt Ortsbürgermeister Christoph Rosemann.

60er kannten kaum Barrierefreiheit

„Das Schützenhaus ist Ende der 60er gebaut worden“, sagt Bürgerschützenverein-Präsident Marcus Beutelmann. „Um Barrierefreiheit haben sich da nur wenige Gedanken gemacht.“ Den Gedanken, eine behindertengerechte Toilette zu bauen, habe der Verein verstärkt verfolgt, als 2014 die Susanne-Raming-Schule in die ehemalige Grundschule einzog. „Die haben nach einer Sportmöglichkeit gesucht.“ Aber für einige der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf liegen auch die Umkleiden unerreichbar am Fuß einer steilen Treppe im Keller. Umziehen müssten sie sich in der Schützenhalle. WC und Duschen fänden sie nur in der etwa ein Kilometer entfernten Schule. „Das ist kein Zustand“, sagt Ortsbürgermeister Christoph Rosemann.

„Einige Schüler der Susanne Raming-Schule sind körperlich eingeschränkt. Bei den Voraussetzungen können auch sie die sanitären Anlagen nicht nutzen.“ „Da muss was passieren“, sagt auch Peter Hegemann. In etwa zwei Jahren wird auch Marie die Oberstufe in Remsede besuchen. „Wir haben das Projekt auch deshalb erweitert, damit wir mal das St.-Antonius-Haus zum Schützenfest einladen können. Die letzten Jahre haben wir die Bewohner des Seniorenheims gar nicht mehr dabei gehabt“, bedauert Beutelmann.

Überregionale Bedeutung

Der Plan mit dem Bürgerschützenverein als Projektträger: Wo heute die Geräte- und Material-Garagen stehen, sind neue ebenerdige Sanitärräume und Umkleiden geplant. Sie wären zugleich Waschhaus für einen künftigen Jugendzeltplatz, idyllisch zwischen Südbach und verkehrsruhiger Zufahrtsstraße gelegen. Dafür stünde das Schützenhaus mit Küche und Schlechtwetter-Räumen zur Verfügung. Auf Höhe der Schützenhalle kämen die neuen Toiletten hin, alles wäre per überdachtem Laubengang verbunden, die Überdachung böte auch Sportplatz-Zuschauern Schutz. Geschätzte Kosten: 416000 Euro. Der Förderantrag auf Dorfentwicklungsmitteln, der für Mitte September geplant ist, betont die „überörtliche Versorgungsbedeutung“ als barrierefreie Begegnungsstätte für Sport und Freizeit.

Rege Nutzung

„Das Schützenhaus ist fast jedes Wochenende vermietet“, unterstreicht Rosemann, „und wird auch von Auswärtigen genutzt.“ Eintracht Remsede trainiert hier seine Fußballer, auch Jugendliche des SV Bad Laer. „Die 1. Herren trainiert zweimal die Woche, auch eine Hobbymannschaft spielt hier, dazu kommt der Spielbetrieb“, erklärt Bernd Käuper, Vorsitzender des SV Eintracht Remsede, der hier zum 25. Jubiläum mit den Raming-Schülern Tore schoss. Sport und Schützenverein nutzen Sport- und Schützenanlage gemeinsam. Die habe mit der Flutlichtanlage und beleuchteter Zufahrt eine sehr gute Infrastruktur. Mit besagten Grenzen.

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„Investieren, damit sich hier jeder wohlfühlt“

Hinter dem Vorhaben steht auch die 87-jährige Margret Bosse, Gründungsmitglied des 1990 gegründeten SV Eintracht Remsede und eine der ersten Frauen in der Region in grüner Schützenjacke. „Es war gut für Remsede, dass hier der Verein gegründet wurde“, sagt sie. „Am Gebäude muss etwas gemacht werden. Die Treppen runter, das geht für mich und andere Senioren gar nicht mehr. Ich möchte gern noch an allem teilnehmen, wenn hier was stattfindet. Bei gutem Wetter schaff ich es immer noch, mir die Fußballspiele anzugucken.“ Der Sportplatz sei aber auch wichtig für die Jugend: „Da muss was sein. Nur, weil wir ein kleiner Ort sind, wollen wir ja nicht alles verkümmern lassen. Ich freue mich, wenn es weitergeht – vor allem für unsere Jugend. Wir müssen was machen, was investieren, damit sich jeder hier wohlfühlt.“