Ziegenhof am Ströhn in Füchtorf Eusterwiemanns vermarkten die „Zickenbeißer“ selbst

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Hedwig und Hermann Eusterwiemann können sich immer wieder über den Ziegennachwuchs in ihrer Herde erfreuen. Foto: Harald PreuinHedwig und Hermann Eusterwiemann können sich immer wieder über den Ziegennachwuchs in ihrer Herde erfreuen. Foto: Harald Preuin

Füchtorf/Bad Laer. „Unser Ziegenkäsekuchen ist der Renner“, freut sich Hedwig Eusterwiemann. Die 63-jährige Ziegenzüchterin aus Füchtorf findet lebhaften Zuspruch auch für ihre anderen Produkte auf dem Wochenmarkt in Münster. In Füchtorf betreibt sie mit ihrem Mann Hermann (66) den Ziegenhof am Ströhn, nur einen Steinwurf hinter der Landesgrenze bei Bad Laer.

Hedwig Eusterwiemann ist eine umtriebige Frau. Neben dem Ziegenbestand organisiert sie die Direktvermarktung der Produkte, von denen sie Frisch-, Weich- und Schnittkäse, Camembert und Ziegenleberpastete selbst herstellt. Das Fleisch der Ziegenlämmer wie Hinterkeule, Schulter, Rücken, Nacken und Rippchen bereitet ein Schlachtbetrieb in Bad Laer für den Verkauf zu. Und natürlich Dauerwurst, Fleischwurst und die Zickenbeißer, kleine mundgerecht Mettwürstchen. Zweimal wöchentlich ist sie auf dem Markt in Münster vertreten. Volles Programm also, dennoch nimmt sie sich noch Zeit fürs Ehrenamt. Sie ist Vorsitzende der Ziegenzüchter in Westfalen-Lippe und als Vize-Vorsitzende des Bundesverbandes der Ziegenzüchter aktiv.

180 Weiße Deutsche Edelziegen

Ziegenzüchter muss man suchen im Osnabrücker Land. Einer hält in Glandorf acht Fleischziegen, sogenannte Burenziegen, der nächste hat seinen Hof in Belm mit zehn Tieren. Beide betreiben die Ziegenhaltung eher hobbymäßig. Bei Eusterwiemann stehen rund 180 Tiere der Weißen Deutschen Edelziege im modernen Laufstall. Bis 2011 gab es auf dem Hof noch 180 Mastschweine, doch dann war damit Schluss. Eusterwiemanns haben 1983 die beiden ersten Ziegen angeschafft, noch nicht zur Milch- und Käseerzeugung, sondern zur Zucht und als Streicheltiere für ihre Kinder. Hedwig Eusterwiemann: „Mein Vater war Viehhändler, ich bin mit Ziegen groß geworden“.

Lämmer in die warme Kinderstube

Der große Stall ist in einige großflächige Gehege unterteilt. Die Tiere stehen auf Stroh, können sich frei bewegen, und von Ende April bis Oktober auch auf die angrenze große Wiese . Wenn im Stall gemeckert wird, hat das eigentlich einen erfreulichen Grund. Es sind die Ziegen, die gerade gelammt haben, deren Zicklein zwar in der Herde geboren werden, aber alsbald in die abgetrennte warme Kinderstube kommen, um sie gleich an Menschen zu gewöhnen.

Am Tag drei bis vier Liter Milch pro Ziege

Die Eusterwiemanns haben ihren Ziegenhof am Ströhn vor einem Jahr an ihren Sohn Karsten (39) übergeben, der den landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb führt. Die Eltern kümmern sich um die Ziegenhaltung und Produktvermarktung. Zum Hof gehören 26 Hektar Betriebsfläche, die auch für den Futteranbau genutzt werden. Neben Grassilage sind Runkelrüben die Futterbasis im Winter, zugefüttert wird Kraftfutter, das auch als Lockmittel für den Melkstand genutzt wird. Die sechs Melkzeuge sind zweimal täglich in Aktion, der Melkvorgang bei den 125 Milchziegen selbst dauert etwa eine Stunde. Jedes Tier gibt 46 Wochen im Jahr Milch, das Tagesergebnis pro Tier liegt bei drei bis vier Liter.

Neuer Stall erst zwei Monate in Betrieb

Nach einem verheerenden Brand im Dezember 2015, bei dem vier Böcke und zwei Ziegen und der alte Stall komplett vernichtet wurde, musste Eusterwiemanns den Tierbestand provisorisch unterbringen. Der neue Stall ist gerade zwei Monate in Betrieb. Hier ist auch das Zuhause von Schorsch und Veltin, die zur natürlichen Erneuerung der Herde beitragen. Veltin hat sich zum Frauenheld gemausert. 45 Töchter und 27 Söhne stehen auf seinem Erzeugerkonto. Die männlichen Tiere werden vor der Geschlechtsreife vermarktet. Sie wiegen dann etwa 25 Kilo, in den Verkauf gehen etwa zwölf Kilo Fleisch. Die weiblichen Tiere sorgen für die Nachzucht. Nach einer Tragzeit von fünf Monaten sind in den ersten beiden Monaten dieses Jahres viele Zicklein geboren.

Mitglied der Herdbuchorganisation

Der Ziegenhof am Ströhn ist Mitglied der Herdbuchorganisation, die Abstammungslisten führt. Bei der Zucht kommt es auf Leistung, aber auch auf Körperbau und Eutergesundheit an. Nur Ziegen, die in 240 Tagen konstante Fett- und Eiweißbestandteile in der Milch haben, werden als Bockmütter künftiger Erzeuger eingestuft. Hermann Eusterwiemann sorgt für die tägliche Zufuhr des selbst angebauten Futters, die wöchentliche Entmistung vollzieht Sohn Karsten. Für die schwere Arbeit haben sie Geräte, mit denen die Runkelrüben gehäckselt werden und das Futter ausgebracht wird. Der Dung wird einmal wöchentlich zusammengeschoben; er findet als Dünger beim Anbau der Feldfrüchte wieder Verwendung.


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