Können Kinder Konferenz? Talentschmiede der Oberschule Bad Laer macht Theater

Von Petra Pieper


Bad Laer. Zu Weihnachten, aber nicht nur dann, wünschen sich die Menschen Frieden in der Welt. Die Theatergruppe „Talentschmiede“ der Geschwister–Scholl-Oberschule schaute sich das Verhalten der Erwachsenen genau an und produzierte zusammen mit dem Lehrer und Theaterpädagogen Wolfgang Gerdes sowie Lehrerin Maria Heuermann ein eigenes Theaterstück zum Thema. Am Sonntagabend hatte die 45-minütige „Konferenz der Kinder“ Premiere.

Um es vorweg zu sagen: Die 17 jungen Schauspieler aus den Jahrgängen 5 bis 7, unterstützt von 12 Schülern der benachbarten Grundschule, spielten ihre Rollen mit tiefem Ernst und echter Leidenschaft. Es ist dem Theaterpädagogen gelungen, den Funken der Begeisterung voll zu entfachen. Pädagogik par excellence.

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Sprachgewirr

In der Friedens-Frage machten die Schüler drei Hauptakteure aus: Politik, Wirtschaft und Volk. Wie die meistens aneinander vorbeireden, sich beleidigen oder nur ihren eigenen Vorteil suchen, stellten sie eindringlich dar. Mit teils pantomimischen Darbietungen, babylonischem Sprachgewirr, Floskeln und Textbausteinen wie „Wir müssen gemeinsam handeln“, „Es ist überhaupt keine Frage“ oder „Wir schaffen das“ enttarnten sie das in ihren Augen „langweilige Gerede“, das letztlich nichts dazu beitrage, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Genau das aber will das Volk. Allerdings gibt es auch selbstkritische Zweifel: „Wie soll Frieden für die ganze Welt erreicht werden, wenn ich mich nicht einmal mit meinem Bruder vertrage?“. Und der Zuschauer könnte auf die Idee kommen, dass es überhaupt für Kinder ziemlich schwierig sein dürfte, friedlich zu leben, solange die Erwachsenen es nicht vorleben. Mehr aus Bad Laer

Kinder sein

Auch die Wirtschaft kommt nicht gerade gut weg: „Geld regiert die Welt“ und „Geld verdirbt den Charakter“, meinen die jungen Schauspieler. Vor allem mögen sie noch nicht so früh über Geldverdienen und ihre berufliche Zukunft nachdenken, sie wollen erst einmal Kinder sein.

Ob Kinder es besser schaffen, sich über Frieden zu verständigen? Sie treffen sich zu einer Konferenz, aber leider greifen auch hier die aus der Erwachsenenwelt bekannten Mechanismen – man geht nicht wirklich aufeinander ein, man übertönt den anderen, zeigt mit dem Finger auf ihn und so weiter.

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Aus Fehlern lernen

Warum ist das so? „Wir sind doch nicht auf der Welt, um uns gegenseitig in die Luft zu jagen“, erkennt John. „Warum lernen wir nicht aus den Fehlern unserer Eltern und Großeltern“, fragt Josey, und Henriette fühlt ihre Seele „vom Krieg ausgeknipst“. Sie alle finden „Hass echt krass“ und plädieren für die Liebe. Mit einer schönen Zukunftsvision, in der vom Hass zerstörte Herzen durch die Liebe geheilt werden, endet das Stück unter dem lang anhaltenden Applaus der Zuschauer.

„Ihr habt uns gezeigt, wie Frieden geht: respektvoll miteinander umgehen, andere Meinungen anhören, die Liebe über den Hass stellen“, dankte Schulleiterin Steffi Baalmann den Schülern für ihre Gesamtleistung. Theater sei „ungeheuer wichtig“ für ihre Persönlichkeitsentwicklung, fügte sie hinzu und dankte dem Theaterpädagogen sowie dem gesamten Team.

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Theaterkultur

Wolfgang Gerdes will eine „Theaterkultur für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Bad Laer“ entwickeln und wies auf weitere Projekte mit der Klasse 4a und dem Steckdosentheater hin. Zunächst aber gibt es eine Wiederholung der „Konferenz für Kinder“ am heutigen Dienstag, 29. November, um 18 Uhr. Absolut sehenswert.


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