Rezeptpflichtige Medikamente Versandverbot? Sanicare und Apotal würden klagen

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Paketflut: Ein Mitarbeiter der Hilteraner Versandapotheke Apotal legt Päckchen auf einen Trolley. Foto: David EbenerPaketflut: Ein Mitarbeiter der Hilteraner Versandapotheke Apotal legt Päckchen auf einen Trolley. Foto: David Ebener

Bad Laer/Hilter. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten verbieten. Was bedeutet dieser Vorstoß für die zwei großen Versandapotheken im Südkreis, Apotal in Hilter und Sanicare in Bad Laer?

2004 war der Versand unter der Ägide von Gröhes SPD-Vorgängerin Ulla Schmidt genehmigt worden. Sanicare und Apotal hatten damals nur auf den ersten Januar des Jahres gewartet und sofort losgelegt.

Jetzt, zwölf Jahre später, hat Gröhe seine Experten beauftragt, ein Gesetz vorzubereiten, das den Versand rezeptpflichtiger Arzneien untersagt . Die niedergelassenen Apotheker jubeln. Die Versandapotheker nicht: „Sollte es wirklich zu einem solchen Verbot kommen, wäre das für uns ein Schlag ins Kontor. Wir haben mit etwa 17 Prozent einen hohen Anteil an Rezeptkunden“, sagt Apotal-Marketingchef Joachim Dadaniak am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion. „Das muss man erstmal mit OTC reinholen.“ OTC-Produkte sind „Over the counter“-Produkte, die ohne Rezept über den Ladentisch gehen.

Schnelle Holländer

Für Dadaniak ist klar: „Wir müssten dagegen klagen.“ Noch schneller als die deutschen Versandapotheken würden aber wohl die niederländischen Kollegen gegen ein Verbot angehen: „Die Holländer formulieren sicher schon die Klagen.“

Dass die Politik auf den Aufschrei der Berufsgruppe der niedergelassenen Apotheker so massiv reagiert, findet Dadaniak erstaunlich. „Denn die Bevölkerung, vor allem Senioren und chronisch Kranke, würde Bonusmodelle begrüßen.“

Er glaube aber, dass ein Verbot des Versandhandels verfassungsrechtlich ohnehin sehr schwierig sei. Zum einen beinhalte es eine Beeinträchtigung der ausländischen Anbieter, zum anderen könnten die Befürworter keinen empirischen Beweis vorlegen, dass das EuGH-Urteil die flächendeckende Versorgung mit Medikamenten gefährde. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte vor wenigen Tagen die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente im grenzüberschreitenden Versandhandel überraschend aufgehoben.

Schutzwall für Apotheker

Die Frage sei nun, so Dadaniak, ob es eine politische Mehrheit für Gröhes Plan geben werde, vor allem, ob dieser bei der SPD durchsetzbar sein werde.

Auch Heinrich Meyer, der Leitende Apotheker der Bad Laerer Versandapotheke Sanicare, hält das Versandverbot verfassungsrechtlich für kaum umsetzbar. „Daran sind ja schon frühere Regierungen gescheitert.“ Er hält den Plan, einen „Schutzwall für die Apotheker zu errichten, für völlig ungeeignet und übertrieben“.

„Ich kann auch keine Gefährdung der flächendeckenden Versorgung erkennen“, meint Meyer, zumal es den Schutz einer Preisbindung in keiner anderen Branche des täglichen Bedarfs gebe. Hinzu komme, dass die Stiftung Warentest ermittelt habe, dass die Versandapotheken in der Beratung zum Teil einen besseren Job machten als die niedergelassenen Apotheken, „weil wir systematisch beraten“.

Auch Sanicare erziele einen erheblichen Teil seines Umsatzes mit rezeptpflichtigen Medikamenten: „Ich würde mich ungerne dazu zwingen lassen, das aufzugeben“, formuliert Meyer diplomatisch. Würde Sanicare also klagen? „Ja.“


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