Einziger Streitpunkt: Das Solevital Viel Harmonie, kaum Unterschiede: Wahldebatte in Bad Laer

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Laer Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Bad Laerer Kandidaten diskutieren vor der Kommunalwahl im Pfarrheim: Bernhard Aulenbrock, Markus Peters, Alois Diekamp, Bernhard Strothmann, Uwe Frerig, Frank Hiltermann, Johannes Mönter und Thomas Steinkamp. Foto: Stefanie AdomeitBad Laerer Kandidaten diskutieren vor der Kommunalwahl im Pfarrheim: Bernhard Aulenbrock, Markus Peters, Alois Diekamp, Bernhard Strothmann, Uwe Frerig, Frank Hiltermann, Johannes Mönter und Thomas Steinkamp. Foto: Stefanie Adomeit

Bad Laer. Fünf Themen, fünf Kandidaten, 140 Minuten: Die Podiumsdiskussion der katholischen Verbänden mit fünf Bad Laerer Wahlkandidaten war inhaltlich prall gefüllt. Der Abend verlief harmonisch, vor allem aber sachlich. Persönliche Angriffe auf den politischen Gegner blieben – beinahe – aus.

Die Kandidaten zeigten sich bestens vorbereitet. Kein Wunder: Sie kannten die Fragen und konnten sich mit Notizen und wohlformulierten Statements darauf vorbereiten. So hatte Moderator Thomas Steinkamp leichtes Spiel, vermittelte später souverän zwischen „fünf netten jungen Männern“ und den Zuhörern. Erstes Thema: „Wie stehen Sie zur Beschränkung oder Ausweitung der Ladenöffnungszeiten, vor allem an Sonn- und Feiertagen?“

Den Anfang durfte Markus Peters (Grüne) machen. Sein Fazit: „Die Arbeitszeiten sind heute anders als vor 40 Jahren, wir dürfen kein Bollwerk gegen den Strom der Zeit errichten.“ Alois Diekamp (FDP) berichtete, dass der Sonntag für viele Einzelhändler unverzichtbar oder gar bester Tag der Woche sei.“ Für Angestellte müsse man andere Freiräume schaffen.

Spagat zwischen den Wünschen

Uwe Frerig ( BBL) sah den Spagat zwischen den Wünschen der Mitarbeiter und Gäste, betonte aber: „Unsere Geschäfte müssen existieren können.“ Ähnliches sagte Frank Hiltermann (CDU): „Die Mehrheit verlangt danach.“ Auswüchse dürfe es aber nicht geben. Einen guten Mix aus sonntags offenen und geschlossenen Läden sieht Johannes Mönter (SPD) im Ort. Wichtig sei ein Atempausetag pro Woche.

Bernhard Strothmann von der KAB dagegen erklärte die Sonntagsöffnung schlicht zum Flop: „Geld kann man nur einmal ausgeben“.

Die Oberschule war das zweite Thema: „Wie soll ihr Bestand gesichert werden, wenn eine Gesamtschule im Südkreis kommt?“ Die Antworten in Stichworten: Diekamp: „Die Kostenverteilung muss geklärt, die Auswirkungen auf uns geprüft werden.“ Schließlich sei die örtliche Oberschule hochgelobt. Frerig: „Es gibt kaum einen Unterschied zwischen unserer Oberschule und einer IGS. Deshalb sollten wir keine zulassen.“ Komme sie dennoch nach Dissen, solle Dissen sie auch finanzieren. Hiltermann: „Dissen kann auch eine Oberschule eröffnen.“ Mönter ist generell gegen die IGS. „Wir müssen dem Kreis sagen, dass man so nicht mit uns umgehen kann“, meinte Peters.

Leerstands-Kümmerer

Drittes Thema: „Wir haben Leerstände im Ort, auch an Flaniermeilen. Was unternehmen Sie zur Belebung und gegen Leerstände in Läden und Wohnungen?“ Frerig verwies auf die Rahmenbedingungen, die die Gemeinde steuern kann, wie den herausgeputzten Ortskern, das Herausstellen der Stärken von Hotellerie, Gastronomie und Geschäften. „Direkt eingreifen, zum Beispiel mit einer Finanzspritze für ein Geschäft, können wir nicht.“ Hiltermann forderte einen eigenen Leerstands-Kümmerer im Rathaus, ebenso Mönter. Peters setzte auf das Einzelhandelskonzept, das zur Zeit entwickelt wird. Diekamp empfahl, auch mal „jemanden von außen draufschauen zu lassen“.

Auf die Frage, ob die Gemeinde über das Baurecht die Nutzung des verkauften Cafés Aschenberg steuern könne, sagte Frerig, dass die Gemeinde die Entwicklung auf jeden Fall steuern müsse: „Denn das ist ein sehr attraktiver Standort.“ Warum es so wenig Baugrund gebe, wollte ein anderer Zuhörer wissen: „Weil es zu wenig verkaufswillige Eigentümer gibt“, erklärte Frerig, was Diekamp und Peters bestätigten.

Auf dem richtigen Weg

Auch über die Zukunft des Kurortes, speziell mit Blick aufs Solevital, gaben die Kandidaten Auskunft: Hiltermann erinnerte ans Defizit 2015 von 1,1 Millionen Euro, das Ziel von 640000 Euro Minus und den Stand für dieses Jahr, der wohl bei einem Fehlbetrag von 800000 Euro liege. Das Bad habe jetzt zwei kompetente Geschäftsführer und sei auf dem richtigen Weg. Das sieht auch Mönter so: „Es war die richtige Entscheidung. Wir bieten darin unser Heilmittel an.“ Beim alten Solevital habe der Ort jahrelang gepennt, sagte Peters: „Jetzt haben wir eine gute Perspektive.“ Auch Diekamp findet das Konzept „richtig“.

Frerig sieht Bad Laer touristisch sehr gut aufgestellt, das liege aber vor allem an der guten Hotellerie, der hübschen Innenstadt, dem Blomberg usw. „Das Solevital ist für diese Entwicklung nicht notwendig. Es bringt nicht den Nutzen, den es kostet.“ Man subventioniere jeden Badegast mit über zehn Euro. „Die Klientel des alten Bades, die hier gegessen und eingekauft hat, kommt nicht mehr, der Heilbadstatus bringt dem Ort daher nicht viel“: Dafür erntete Frerig den stärksten Applaus des Abends. Das neue Bad hat jährlich 80000 Besucher weniger als das alte.

Applaus

„Ja, wir hätten da vor drei Jahren weiter schwimmen lassen können, aber in Ordnung war das Bad bestimmt nicht“, wurde Peters laut: „Du immer mit Deinen ollen Kamellen. Wir haben uns so entschieden und müssen nach vorne schauen.“ Frerig entgegnete ihm: „Man darf wohl Dinge richtigstellen und dann in die Zukunft schauen.“ Neuer Applaus. Dass sich der neue Rat intensiv ums Solevital kümmern müsse, betonte Hiltermann.

Schade fand die Gästebetreuerin einer Pension, dass sie über 80 Gäste zum Schwimmen nach Rothenfelde fahren müsse, weil über 80-Jährigen keine Badezeit um 7 Uhr früh oder nach 22 Uhr abends zuzumuten sei, wenn das Solevital das freie Schwimmen erlaubt.

Letztes Thema: „Wie kann Bad Laer Schulden abbauen?“ Für Mönter durch reduzierte Investitionen. „Wir haben ja schon viel getan.“ Peters störte sich schon an der Frage: „Ja, der Haushalt, muss ich das Ganze immer dramatisieren? Wir sind mit unserem Ort auf einem Traumstand, andere neidisch. Jetzt können wir uns das Sparen leisten, weil wir den Kopf nicht in den Sand gesteckt haben, wie es die BBL seit Jahren tut.“

Das Optimale auf den Weg gebracht

Daran, dass Bad Laer eine Haushaltssperre hat, erinnerte Diekamp. Man habe aber das „Optimale auf den Weg gebracht“. Nun solle man die Waldstraßenflächen veräußern. „Natürlich haben wir Vermögen geschaffen“, entgegnete Frerig, „das wäre sonst ja noch schöner. Die Frage ist, wie weit wir es bezahlen können.“ Man habe die Auflage, sich nicht weiter zu verschulden, das aber sei kein Schuldenabbau. Für eine stabile Gewerbesteuer solle der Ort entsprechende Flächen ausweisen – aber mit Augenmaß. „Die Ausgaben mussten kommen“, findet Hiltermann. Dafür stünden nun nur noch Investitionen auf dem Campus an.

Eine Zuhörerin fragte die Kandidaten, warum sie überhaupt wählen solle, wenn doch die BBL die letzte Wahl klar gewonnen habe, ihre Mehrheit aber durch den Zusammenschluss anderer Parteien ausgehebelt worden sei? Die einzige Frage, der der Moderator keinen Raum geben mochte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN