Anwältin von Schein-Witwe optimistisch Streit um Versandapotheke Sanicare: Wer erbt was?

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In der Schwebe: Gesellschaftsrechtlich ist bei Sanicare vieles offen. Der Betrieb laufe ohne Beeinträchtigungen weiter, heißt es. Foto: Stefanie AdomeitIn der Schwebe: Gesellschaftsrechtlich ist bei Sanicare vieles offen. Der Betrieb laufe ohne Beeinträchtigungen weiter, heißt es. Foto: Stefanie Adomeit

Bad Laer. Der Betrieb in der Bad Laerer Versandapotheke Sanicare läuft wie gewohnt weiter. Die Versandapotheke verschickt täglich Tausende Pakete mit Medikamenten. Unübersichtlich sind nach dem plötzlichen Tod des Teilhabers Volkmar Schein jedoch die gesellschaftsrechtlichen Verhältnisse in der OHG.

Wie Oberstaatsanwalt Christoph Rebmann auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte, ist bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken ein Todesermittlungsverfahren wegen der Umstände des am Donnerstag in Losheim am See verstorbenen Apothekers Volkmar Schein anhängig.

Seit Monaten kämpft Roya Comtesse, die Anwältin seiner Frau Ingrid Schein, dafür, die Gesellschafterverträge der OHG zwischen Schein und Mitgesellschafter Christoph Bertram für ungültig erklären zu lassen.

Anteilsübertragung unwirksam?

Jetzt fühlt sich Comtesse bestätigt: Es seien stichhaltige Aspekte aufgetaucht, die sie annehmen lassen, dass die früheren Verfügungen von Volkmar Schein unwirksam und von vornherein obsolet gewesen seien.

„Der von mir für meine Mandantin geführte Prozess könnte daher bereits früher als erwartet für die Familie eine positive Wendung nehmen“, schreibt Roya Comtesse auf Anfrage unserer Redaktion. Dann sei davon auszugehen, dass alle von volkmar Schein scheinbar an die OHG übertragenen Anteile seinen Erben zustehen.

Stichhaltigkeit prüfen

Diese neuen Informationen will Comtesse jetzt auf Wahrheitsgehalt und juristische Stichhaltigkeit prüfen. Auf jeden Fall werde Ingrid Schein weiterhin im Sinne ihres verstorbenen Ehemannes ihre und die Interessen ihrer Tochter wahrnehmen.

Treffen Comtesses Annahmen zu, stünde einem Verkauf der Anteile – dann durch Ingrid Schein – nichts im Wege, so die Juristin. Folgt das Familiengericht Saarbrücken der Argumentation nicht, hätte die OHG zunächst Bestand. Was den Erben dann zustehen würde, hängt vor allem von den vertraglichen Regelungen im OHG-Vertrag ab.

Ins Saarland zurückgezogen

Bertram, Scheins Mitgesellschafter in der Sanicare-Mutter BS-Apotheken, leitet die Bad Laerer Versandapotheke bereits seit einigen Monaten. Vor einem knappen Jahr war Schein zurück ins Saarland gezogen – aus persönlichen Gründen, wie es hieß.

Als OHG-Gesellschafter mit personengebundener Betriebserlaubnis hatte Volkmar Schein jedoch eine Präsenzpflicht in Bad Laer. Die Apothekerkammer hatte sich deshalb nach seinem Aufenthaltsort erkundigt. Im April hatte die Anwältin von Ingrid Schein, Roya Comtesse, daraufhin erklärt, dass der Erkrankte die Arbeit nach seiner Genesung umgehend wieder aufnehmen werde.

Zu diesem Zeitpunkt stritten Schein und Bertram bereits über die Besitzverhältnisse an BS. Ihre Freundschaft war zerbrochen.

Siebenstelliger Betrag

Comtesse berichtete damals, dass Schein Sanicare zunächst in die OHG eingebracht und dann mit einem Nachtrag zum Gesellschaftsvertrag im November 2015 „weitere 45 Prozent seines OHG-Anteils ohne Entgelt an Herrn Christoph Bertram übertragen“ habe.

Demnach hielt Schein nur noch fünf Prozent der Anteile, haftete aber nach Angaben des Branchendienstes „Apotheke adhoc“ mit seinem gesamten Vermögen für Sanicare.

Bertram schilderte das anders: Weil er der Ansicht gewesen sei, dass die OHG für den weiteren Ausbau des Standortes mehr Kapital brauche und Schein keine Gelder mehr habe beisteuern wollen, so Bertram, habe er selbst Ende vergangenen Jahres nach eigenen Angaben einen siebenstelligen Betrag investiert.

„Handwerklicher Fehler“

Ingrid Schein habe dann im März dieses Jahres ihre Einwilligung zu den Verträgen zwischen Schein und Bertram verweigert. Den wirtschaftlichen Beratern sei ein „handwerklicher Fehler“ unterlaufen. Ingrid Schein sei nicht nach ihrem Einverständnis zum Verkauf der Anteile gefragt worden.

Weil das Ehepaar Schein in Gütergemeinschaft lebte und die Übertragung der Apotheke in die OHG eine Verfügung über das Vermögen im Ganzen darstelle, sei die Genehmigung erforderlich gewesen, so Comtesse, somit die Übertragung von Sanicare auf die OHG unwirksam, Schein alleiniger Inhaber.


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