Gegen die Angst Frauenschwimmen für Musliminnen in Bad Laer

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Bad Laer. Viele muslimische Frauen können nicht schwimmen und würden es gerne lernen. Doch die Hemmschwelle einen Kurs im Hallenbad zu besuchen ist hoch. Die Flüchtlingshilfe Bad Laer möchte helfen.

„Im Wasser entsteht ein ganz neues Körpergefühl“, sagt Annette Soelter. „Warum sollten nicht auch muslimische Frauen diese Erfahrung machen?“. Sie sitzt gerade bei Tee, Kaffee und Mokka mit einigen syrischen Frauen zusammen. Es gilt, die letzten Eckpunkte ihrer Idee zu besprechen: Ab dem 8. August möchte sie mit einigen geflüchteten Frauen aus Syrien einmal pro Woche in einem Bad Laerer Hotel schwimmen gehen. Montags zwischen sechs und sieben essen die Hotelgäste – und das heißt: Das Schwimmbad ist leer, keine fremden Männer und kein Unbehagen. Denn momentan ist die Hemmschwelle in ein öffentliches Hallenbad zu gehen noch hoch. „Ich glaube, dass nur wenige Männer „nein“ sagen würden, wenn sie merken, dass ihre Frau wirklich gerne ins Schwimmbad möchten“, glaubt die gebürtige Syrerin Rabia Kiki. Vielmehr seien es oftmals die Frauen selbst, die sich unwohl fühlten.

Nur im Bikini?

Denn in syrischen Hallenbädern gilt Timesharing. „Vormittags können Frauen schwimmen, nachmittags Männer – oder andersherum“, erklärt die Syrerin. Und das, obwohl die Geschlechtertrennung in ihrem Heimatland nie so streng gehandhabt wurde, wie etwa in Saudi Arabien oder Afghanistan. „Männer und Frauen feiern Hochzeiten zusammen“, erzählt Kiki, die schon seit 18 Jahren in Deutschland lebt. Die Frauen tragen dort auch nur dann ein Kopftuch oder einen Schleier, wenn ihre Familien sehr gläubig sind. Doch die Hüllen fallen lassen – und nur mit einem Bikini oder Badeanzug bekleidet herumlaufen – ist sehr ungewohnt. Etwa so, als würde sich jemand, der nie an einem FKK-Strand war, plötzlich dort wiederfinden. „Können wir auch mit Radlerhose und T-Shirt ins Wasser?“, ist daher eine der Frage, die besprochen werden muss. Auch das geht. Warum nicht?

Zuschauer im Freibad

Denn eins wird schnell klar: Vor allem die jungen Frauen, die gerade erst in Deutschland angekommen sind, wollen unbedingt schwimmen lernen. „Einige gingen mit ihren Familien ins Freibad und konnten dann nur zusehen, wie alle ins Wasser sprangen“, berichtet Annette Soelter. So kam sie schließlich auf die Idee, gemeinsam mit der Flüchtlingshilfe Bad Laer eine Schwimmstunde nur für Frauen anzubieten. Ein Hallenbad in einem Bad Laerer Hotel, das ungenannt bleiben möchte, fand sich schnell. Wichtig war vor allem, dass ein Erwachsener gut im Wasser stehen kann. „Das gibt Sicherheit“, erklärt Annette Soelter. Mit Brettern und Schwimmnudeln geht es dann im August los.

Angst vor Wasser

Auch Rabia Kiki möchte gerne mitkommen. „Nach 18 Jahren in Deutschland habe ich eigentlich kein Problem mehr in ein Hallenbad zu gehen“, sagt sie. Zumindest befürchtet sie nicht, von fremden Männern im Badeanzug gesehen zu werden. Ihr macht das Wasser Angst. Seit sie über das Meer nach Griechenland und von dort nach Deutschland geflohen ist, meidet sie deshalb Wasser, wenn es eben geht. Besonders Spritzer rufen unliebsame Erinnerungen wach: Eine Fahrt über das offene Meer, ein Boot, Wellen, die immer wieder an der Rehling hochlaufen, ins Boot fließen, über den Köpfen der Flüchtlinge zusammenschlagen. „Ich hoffe, dass ich die Angst wieder verliere“, sagt die Syrerin. Eine intime und private Umgebung, in der sie den ersten Schritt wagen kann, würde ihr helfen. Weiterlesen: Online Reportage: Flüchtlinge in Osnabrück im Porträt.

Auch Radfahren will gelernt sein: Radfahren in Papenburg mit dem Laufrad lernen.


Die Schwimmkurse für Flüchtlinge werden ab kommenden Monat immer montags von sechs bis sieben Uhr stattfinden. Drei Euro kostet eine Stunde schwimmen. Ein privater Fahrdienst bringt die Frauen zu dem Schwimmbad und auch wieder zurück.

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