Klärung vor Gericht Sanicare-Inhaber Schein und Bertram streiten um Eigentum

Von Stefanie Adomeit


Bad Laer. Der Vertrag ist ungültig, sagt das Ehepaar Schein. Der Vertrag gilt, sagt Christoph Bertram. Was vor zwei Jahren als gemeinsames Engagement für die Bad Laerer Versandapotheke Sanicare begann, ist inzwischen ein Streitfall – bald auch vor Gericht. Für die mehr als 300 Mitarbeiter eine schwierige Situation.

Der Saarländer Volkmar Schein hatte die Apotheke vor drei Jahren aus der Insolvenzmasse des verstorbenen Firmengründers Johannes Mönter übernommen. Im Sommer 2014 hatte der 55-Jährige dann „seinen damaligen Freund“ Christoph Bertram, so Scheins Anwalt Hermann Comtesse, in die Apotheke aufgenommen. Seit September 2014 firmiert Sanicare unter dem Namen BS-Apotheken (Bertram/Schein) als Offene Handelsgesellschaft (OHG).

Wie die Anwältin der Ehefrau von Schein, Roya Comtesse, erklärt, habe Volkmar Schein die Apotheke zunächst in die OHG eingebracht und dann mit einem zweiten Nachtrag zum Gesellschaftsvertrag im November 2015 „weitere 45 Prozent seines OHG-Anteils ohne Entgelt an Herrn Christoph Bertram übertragen“.

Daraufhin habe Ingrid Schein am 21. März dieses Jahres ihre Einwilligung zu dem Vertrag verweigert. Der Grund: Den wirtschaftlichen Beratern sei ein „handwerklicher Fehler“ unterlaufen. Ingrid Schein sei nicht nach ihrem Einverständnis zum Verkauf der Anteile gefragt worden.

Dieses sei, so die Saarbrücker Kanzlei Comtesse, nach Paragraf 1365 BGB unverzichtbar, weil die Übertragung der Apotheke durch Volkmar Schein in die OHG eine Verfügung über das Vermögen im Ganzen darstelle. Der Paragraf greift, wenn ein Ehepaar keine Gütertrennung vereinbart hat und in Zugewinngemeinschaft lebt. Er soll die wirtschaftliche Grundlage eines Paares wahren und das Recht auf Zugewinnausgleich schützen.

Wie Roya Comtesse erklärt, habe Bertram in den Vertragsverhandlungen darauf bestanden, dass Schein mit seiner Ehefrau einen Ehevertrag schließen sollte, um die Vorschrift des Paragrafen 1365 auszuschließen. Dazu sei es aber nie gekommen.

„Da Frau Ingrid Schein zwischenzeitlich die Zustimmung endgültig verweigert hat, ist die Übertragung der Sanicare-Apotheke auf die OHG unwirksam“, so Hermann Comtesse. Deshalb sei Volkmar Schein weiterhin alleiniger Inhaber der Versandapotheke, Bertram nie eingetreten.

Leider seien zwei Verhandlungen zwischen Schein und Bertram gescheitert, eine Anfang März in Bad Laer, die zweite am 1. April in Ludwigshafen. Nicht einmal ansatzweise habe man ein konstruktives Gespräch führen können. Vielmehr wolle Bertram aus der Situation Kapital schlagen. Bertrams Vertreter hätten gar versucht, Schein „aus seiner eigenen Apotheke zu verdrängen“.

Nach eigenen Angaben hat Hermann Comtesse in den Gesprächen angemerkt, dass ein Rechtsstreit das gesamte Unternehmen gefährden könnte. Das habe die Gegenseite nicht interessiert, „sie wollten nur über Geld reden“, so Comtesse.

Das habe Volkmar Schein im Interesse der Apotheke und seiner Mitarbeiter nicht hinnehmen können und die Verhandlungen abgebrochen worden. Schein setze jetzt auf eine gerichtliche Klärung.

Auch deshalb, weil Bertram, so Roya Comtesse, durch getroffene Vermögensdispositionen, abgeschlossene Arbeitsverhältnisse und Plänen für eine Weiterveräußerung von Geschäftsanteilen vollendete Tatsachen geschaffen habe.

Für Scheins Anwalt steht nun fest: „Wir gehen davon aus, dass Herr Dr. Schein alleiniger Inhaber der Sanicare-Versandapotheke ist.“ Nach seiner Genesung werde der erkrankte Schein umgehend die Arbeit in Bad Laer wieder aufnehmen.

Das habe man auch der Apothekerkammer Niedersachsen mitgeteilt, die die Abwesenheit von Volkmar Schein aus Bad Laer moniert hatte. Die Kammer sehe nun keinen Handlungsbedarf mehr, da genügend Apotheker vor Ort seien, teilt Comtesse mit.

Schein, der zuvor eine Präsenzapotheke im saarländischen Losheim am See mit 25 Mitarbeitern besaß, erhielt den Zuschlag der Insolvenzverwalter für Sanicare , weil er den Großteil der Arbeitsplätze und das Unternehmen selbst in Bad Laer erhalten wollte. Schon kurz nach der Übernahme sei das Unternehmen wieder profitabel gewesen , hatte Schein erklärt.